Sanierung des Grünen Baums in Dinkelsbühl: Fachleute untersuchen Mittelalter-Haus | FLZ.de

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Veröffentlicht am 20.03.2026 10:00

Sanierung des Grünen Baums in Dinkelsbühl: Fachleute untersuchen Mittelalter-Haus

Das stattliche Bürgerhaus am Ledermarkt in Dinkelsbühl wurde im frühen 15. Jahrhundert erbaut. In den Obergeschossen entsprechen manche Räume noch weitgehend dem Zustand aus der Erbauungszeit. (Foto: Markus Weinzierl)
Das stattliche Bürgerhaus am Ledermarkt in Dinkelsbühl wurde im frühen 15. Jahrhundert erbaut. In den Obergeschossen entsprechen manche Räume noch weitgehend dem Zustand aus der Erbauungszeit. (Foto: Markus Weinzierl)
Das stattliche Bürgerhaus am Ledermarkt in Dinkelsbühl wurde im frühen 15. Jahrhundert erbaut. In den Obergeschossen entsprechen manche Räume noch weitgehend dem Zustand aus der Erbauungszeit. (Foto: Markus Weinzierl)

Es ist eines der bedeutenden Zeugnisse mittelalterlicher Baukunst in der Dinkelsbühler Altstadt: das mächtige Bürgerhaus und ehemalige Gasthaus „Zum Grünen Baum” am Ledermarkt 7. Einer Mammutaufgabe gleicht die Sanierung der stark geschädigten Bausubstanz, für die mit einem Vorprojekt nun die Weichen gestellt werden.

Auf rund 200.000 Euro ist das Vorprojekt veranschlagt. Finanzielle Unterstützung gibt es dazu vom Freistaat Bayern, der aus Mitteln der Fraktions-Initiativen 165.000 Euro beisteuert. Bei den Fraktions-Initiativen im Haushalt des Landes handelt es sich um Gelder, die von den Regierungsfraktionen der CSU und der Freien Wähler in den Etat eingebracht werden.

Haus wurde um 1410 erbaut

Rund 600 Projekte in Bayern bekommen auf diese Weise im laufenden Jahr 2026 Zuschüsse, wie der CSU-Stimmkreisabgeordnete Helmut Schnotz informiert. Zu den geförderten Vorhaben gehört das auf das Jahr 1410 datierte Gebäude in der historischen Altstadt von Dinkelsbühl. Der ehemalige Gasthof sei ein herausragender Beleg bürgerlichen Bauens in der ehemaligen Freien Reichsstadt, macht Schnotz deutlich. Mit der Förderung werde ein über Bayern hinaus wichtiges Projekt der Denkmalpflege angestoßen.

Wie Hannsjörg Bauer von der Eigentümerfamilie mitteilt, stehen statische, wie auch archäologische Untersuchungen im Haus an. Von den Archäologen begutachtet werden sollen dabei zum einen der Keller, der womöglich älter ist als das Gebäude, und zum anderen der Schutt in den Fehlböden der Deckenkonstruktionen.

Das Vorprojekt starte, sobald die Gelder freigegeben seien, erläutert Bauer. Die Angebote für die anstehenden Untersuchungen liegen bereits auf dem Tisch. „Wir stehen in den Startlöchern”, so Bauer weiter.

Die Begutachtung soll nicht nur weiteren Aufschluss über Geschichte und Zustand des mittelalterlichen Gebäudes geben, sondern auch in einen Maßnahmenkatalog münden sowie eine Kostenschätzung und erste Überlegungen für die spätere Nutzung enthalten. Idealerweise ergebe sich aus dem Vorprojekt sogar schon ein konkretes Nutzungskonzept, ergänzt der beauftragte Architekt Hans-Heinrich Häffner gegenüber der FLZ. Die Sanierung des Denkmals werde die Eigentümer über ein Jahrzehnt hinweg beschäftigen. Bei dem Bürgerhaus handelt es sich laut Häffner um ein Objekt von herausragender, wenn nicht sogar nationaler Bedeutung.

Bei der Sanierung des Denkmals ist die Eigentümerfamilie auf Fördermittel angewiesen. So wurde auch eine bereits vorgenommene Notsicherung an der in Mitleidenschaft gezogenen Bausubstanz bezuschusst.

Studierende forschten im Gebäude

Im September 2025 waren Studierende im Rahmen der Koldewey-Summerschool zusammen mit Denkmal-Fachleuten im Haus tätig, um Eindrücke von der mittelalterlichen Bautechnik zu bekommen. Auf großes Interesse stießen dabei unter anderem Räume in den Obergeschossen, die über eine enorm lange Zeit nicht mehr genutzt worden waren und daher noch weitgehend dem Zustand aus der Erbauungszeit entsprechen. So existieren dort beispielsweise noch Türbeschläge aus dem frühen 15. Jahrhundert oder beeindruckende Bohlenwände. Denn die Erbauer des Gebäudes hatten den Innenausbau seinerzeit in Holz vorgenommen.

Die Studierenden haben sowohl in den Obergeschossen als auch im Keller geforscht, berichtet Bauer. Gefunden wurde bei den Arbeiten unter anderem ein Knochen, der einst scheinbar eingemauert worden war. Das Alter des Skelettteils soll nun bestimmt werden, um die Zeitschiene der Hausgeschichte weiter präzisieren zu können.

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