„Lass dich nicht entmutigen. Kämpfe für deinen Traum, halte ihn fest und versuche ihn zu verwirklichen.” Die ehemalige Landkreisbewohnerin Andrea Schwarz tat genau dies. Sie gab ihren Traum, in die USA auszuwandern und auf Hawaii zu leben, nie auf. Inzwischen haben sie und ihr Mann dort ihren Lebensmittelpunkt, wo andere Urlaub machen.
Nein, leicht war es nicht immer. Es gab Rückschläge, immer wieder neue Wege, die es einzuschlagen galt, um letztlich dort anzukommen, wo die inzwischen 48-Jährige heute ist. Doch gerade diese Umwege brachten Andrea Schwarz, die am Neustädter Friedrich-Alexander-Gymnasium ihr Abitur machte und in der Gemeinde Markt Erlbach aufwuchs, an ihr anvisiertes Ziel.
Die Idee, Mittelfranken den Rücken zu kehren und in das Land aufzubrechen, dem man nachsagt, dort unbegrenzte Möglichkeiten zu haben, kam Andrea Schwarz schon in jungen Jahren. Als die in den USA lebende entfernte Cousine zu Besuch in Deutschland war, war es um die damals noch junge Landkreisbewohnerin geschehen. „Meine Cuisine war um die 40 Jahre alt, laut, lustig, sehr interessant und hatte ein T-Shirt mit Dalmatiner-Motiv an. Das war cool”, kann sie sich noch gut erinnern. Mit der Konversation klappte es damals zwar nicht so toll, da sie selbst nur wenig Englisch sprach und die Verwandte so gut wie kein Deutsch beherrschte. Aber was soll's, mit Händen und Füßen gelang es irgendwie.
Nach dieser Begegnung stand für Andrea Schwarz fest: „Ich gehe nach Hawaii und werde dort Delphin-Trainerin.” Als solche arbeitet sie zwar dort nicht, aber mit den Meeressäugern schwamm sie bereits. „Das war einfach toll. Es war ein Geburtstagsgeschenk meines Mannes”, resümiert sie begeistert. Inzwischen hat sie eine eigene Firma gegründet und coacht mit ihrem Team weltweit Führungskräfte mit einem individuell zugeschnittenen Programm.
Sie befähigt, wie sie es in ihrem Profil formuliert, Führungskräfte, Unternehmer und Leistungsträger aus großen und kleinen Firmen, aber auch Privatleute, ihr nächstes Ziel mit Klarheit, Energie und Schwung zu gestalten. Betriebe im Landkreis zählten auch schon zu ihren Kunden. Manches Mal bedeutet das auch für ihre Klientel, beruflich neue Wege zu gehen und den eigenen Traum auf einem ganz neuen Sektor zu verwirklichen. So wurde etwa aus einem Opernsänger der Inhaber eines Audiobuch-Verlags, aus einer Unternehmerin eine Konditorin.
Sie selbst absolvierte nach dem Abitur ein duales BWL-Studium, suchte sich immer bewusst Arbeitgeber aus, die international agieren, und sammelte 20 Jahre Führungserfahrung bei großen Sportfirmen, im pharmazeutischen Bereich, war auch mal Geschäftsführerin eines Schlachthofs. Doch was so locker-flockig klingt, war es nicht immer.
Nach der Tätigkeit im Schlachthof verkaufte sie alles und reiste in die USA, um dort ein neues Leben zu beginnen, ihren großen Traum zu verwirklichen. „Dort klappte es aber nicht besonders gut. Nach zwei Jahren kam ich nach Deutschland zurück.” Dann heuerte sie bei einem großen Sportartikelhersteller in der hiesigen Region an. Mit der Karriere ging es bergauf, dann lernte sie noch ihren amerikanischen Mann kennen, der einer ihrer Kollegen war. Andrea Schwarz (Black, im Englischen) traf Peter White (Weiß im Deutschen). Der hatte auch noch blaue Augen. Kurzum: Es war ihr Traummann, ist es noch heute, nach 15 Jahren Ehe.
Seit 20 Jahren arbeiten die beiden zusammen, lange Zeit davon in Deutschland, heute in derselben eigenen Firma. 2009 reifte der Plan, Deutschland zu verlassen. Vor allem Andrea Schwarz wollte weg. „Klar war, dass es in ein englischsprachiges Land gehen soll.” Schließlich klappte es. Der alte Job wurde gekündigt und der neue begann in den USA, wieder bei dem Unternehmen, für das man in Deutschland schon aktiv gewesen war. „Ich habe weltweit IT-Abteilungen geprüft.” Endlich lebte sie in den USA. „Mein Traum wurde wahr, auch wenn es nicht gleich geklappt hat. Misserfolge prägen einen aber oft mehr als Erfolge.”
Zuerst lebten sie und ihr Mann Peter White in Boston, machten aber regelmäßig Urlaub auf Hawaii. Sie schauten sich dort verschiedene Inseln an, auf der Suche nach dem idealen Ort, um dort zu leben. 25 bis 30 Grad das ganze Jahr über, keine kalten Winter mehr wie in Boston. Fast immer Shorts tragen und barfuß laufen können, Wassersport machen. Vor allem Kanu-Fahrten haben es ihr angetan. „Der Winter fehlt mir nicht”, erzählt die Wahl-Hawaiianerin, die einen deutschen und einen amerikanischen Pass besitzt. Schon zu der Zeit, als sie noch in Boston lebten, hatten sie sich im Winter oft nach Florida verabschiedet
In größeren Abständen kommt sie noch nach Neustadt, um Familie und Freunde zu besuchen. „Ich habe noch meine deutsche Krankenversicherung und gehe hier zu den Ärzten.” Klar, dass es bei einer Visite nicht zum Münchener Oktoberfest geht, sondern auf die Neustädter Kirchweih. Wenn sie hier ist, spürt sie, dass das Lebensgefühl hierzulande anders ist. „Auf Hawaii fließt man mit dem Tag, spürt die Energie. Man kann man selbst sein.” Das gefällt ihr, genauso wie der aufgegangene Plan, das Schmuddelwetter in ihrer alten Heimat im Herbst gegen Sonne, Strand und warmes Wasser auf Hawaii zu tauschen.
Dort ist inzwischen ihre neue Heimat, auch wenn sie viel in der Welt unterwegs war und ist. Andrea Schwarz hat ihren Traum verwirklicht. Ihr Appell an alle: „Lebt auch ihr euren Traum. Er kann wahr werden und werft nicht die Flinte ins Korn, wenn es nicht gleich klappt. Einen Versuch ist es allemal wert.”