Steht im Playoff-Modus ein Entscheidungsspiel an, ist gern von „Do or Die” die Rede. Das klingt schön englisch und martialisch. Für das Duell zwischen dem TTV Onlineprinters Neustadt und den Haching Baskets in der Abstiegsrunde der 1. Regionalliga Südost ist die Wortwahl aber durchaus passend.
Denn wer am Sonntag, 12. April (15 Uhr), das 3. Spiel der Playdown-Serie in Unterhaching verliert, der stirbt nicht nur in dem Sinne, dass seine Saison beendet ist – er steigt auch ab. Bisher haben jeweils die Heimteams ihre Spiele gewonnen, zunächst Haching mit 86:74, Neustadt glich dann durch ein 75:62 die Serie aus. Vorteil für die Baskets also?
Im Gespräch mit TTV-Trainer Claus Winkelspecht spielt das überhaupt keine Rolle. Der verweist auf die gute Stimmung in seinem Team und sagt in Richtung Gegner: „Ich glaube, von denen unterschätzt uns jetzt keiner mehr. Sie haben mitbekommen, dass wir hart spielen können.”
Das ist auch schon der Punkt, der fürs Überleben der Neustädter wichtig sein wird: Sie müssen den Hachingern, wie in Spiel 2, den Nerv rauben. „Wir müssen unangenehm sein und giftig verteidigen”, sagt Winkelspecht.
Wie das bei einer Serie von mehreren Spielen in kurzer Zeit gegen die gleiche Mannschaft so ist, hat der TTV-Coach noch weitere Erkenntnisse gewonnen und damit Stellschrauben gefunden. „Wir müssen unser Augenmerk auf die Teamdefense legen, um die Anspiele auf den Joos zu verhindern.” Hachings Center Johannes Joos war im ersten Spiel mit 15 Punkten nicht der ganz große Faktor, hielt sein Team in der zweiten Partie aber mit 26 Zählern fast im Alleingang am Leben. Saisonübergreifend kommt er auf 19,9 Punkte pro Spiel.
Der andere wichtige Scorer ist Daniel Riedrich, der nach 13,7 Punkten in der Hauptrunde in der entscheidenden Saisonphase aufgedreht hat und auch gut 20 Zähler pro Spiel sammelt. In Spiel 2 erlebte er einen rabenschwarzen Tag und die Neustädter konnten ihn getrost schießen lassen, weil er kein Wurfglück hatte. Fürs Entscheidungsspiel sollten sie sich aber nicht darauf verlassen, dass sich das Schauspiel wiederholt.
Zwei Fragezeichen tauchen in den Überlegungen von Winkelspecht und Trainerkollege Holger Wägner allerdings auf: Niklas Kropp und Daniel Gebray. Der langjährige Hachinger Topscorer Kropp fehlt schon die komplette Abstiegsrunde, weil er mit den Frankfurt Skyliners im 3x3-Basketball auf Tour ist. Da steht dieses Wochenende ein Turnier in China an, sodass die Neustädter diesen X-Faktor wahrscheinlich ignorieren können.
Bleibt Gebray: Der Aufbauspieler kontrolliert das komplette Unterhachinger Spiel. Bei der Niederlage in Neustadt fiel er aus und fehlte seinem Team an allen Ecken und Enden. „Der gibt denen mehr Struktur, der verändert das Spiel”, weiß Winkelspecht. Ob der Guard am Sonntag auflaufen wird, weiß er jedoch nicht.
Neben Gift und Galle in der Defense sehen die Zutaten für die Neustädter Offense so aus: viel über die Fünfer-Position angreifen, um Center Joos unter Druck zu setzen und zu Fouls zu zwingen, und die Hachinger Zonen-Verteidigung mit einem guten Fastbreak herausfordern. Die Neustädter brauchen auf jeden Fall die Scorerqualitäten von Aaron Winkelspecht und sammeln idealerweise ein paar Punkte mehr aus Distanz, als das in den ersten beiden Spielen der Fall war.
Winkelspecht fasst zusammen: „Gedanken haben wir uns genug gemacht. Jetzt müssen wir es einfach nur machen.”