Nach Jahren der Nichtnutzung hatten die Jugendkarts des Motorsportclubs (MSC) Schillingsfürst-Frankenhöhe schon ein bisschen Staub angesetzt. Doch die Flitzer mit ihren 6,5-PS-Rasenmäher-Motoren funktionieren noch und bereiteten mehreren Kindern bei einem Slalom-Event auf dem Festplatz eine Menge Spaß.
Die goldene Kart-Ära beim MSC waren die späten 1990er Jahre, als das Land wegen der Erfolge von Michael Schumacher in Motorsportbegeisterung verfiel und zahlreiche Kids von einer ähnlichen Karriere träumten. Damals schaffte der Verein Fahrzeuge an, organisierte für eine Kerngruppe interessierter Jugendlicher regelmäßige Trainingseinheiten und ermöglichte diesen die Teilnahme an Meisterschaften.
Für eigene Slalom-Wettbewerbe genutzt wurde bevorzugt ein Parkplatzgelände bei Mittelstetten. Es gab beim MSC zeitweise auch Pläne für den Bau einer eigenen Go-Kart-Bahn, die sich allerdings zerschlugen.
In den Jahren danach nahm das Interesse am Kartsport ab. Der Verein behielt seine Fahrzeugflotte aber und veranstaltete sporadisch Slalom-Events mit Schwerpunkt Verkehrserziehung für Jugendliche. Das ging bis 2019 so, bis die Pandemie diese Tradition komplett abwürgte.
Im vergangenen Jahr kamen dann Überlegungen zur Wiederbelebung der Jugendkart-Aktivitäten auf. Es gab in diesem Zusammenhang im Stadtrat aber auch Diskussionen über einen geeigneten Standort für Trainingseinheiten.
Vereinbart wurde, dass der MSC auf dem Festplatz zeitnah ein Slalom-Event für Kinder organisiert – einerseits um herauszufinden, ob überhaupt Interesse da ist, und andererseits, um Bedenken aus Anwohnerkreisen wegen möglicher Lärmbelästigungen entgegenzutreten. Dieser Plan wurde jetzt in die Tat umgesetzt, und zwar als Bestandteil des Ferienprogrammes der Stadt. Sechs Jungen und zwei Mädchen im Alter von acht bis 13 Jahren fanden sich dazu ein. Es wären wohl mehr gekommen. Für den Neustart nach langer Pause hatte der Club die Teilnehmerzahl aber begrenzt.
Von den sechs Jugend-Karts, die der MSC noch besitzt, hatte Sportleiter Andreas Dworaschek zwei für die Aktion auf Vordermann gebracht. Die gingen aber nicht gleichzeitig auf die Strecke. Auf dem Parcours war immer nur ein Fahrzeug unterwegs. Den Slalomkurs hatte Felix Holter mit Pylonen abgesteckt. Als Jugendlicher hatte der heute 40-Jährige die große Kart-Ära damals mitgeprägt. Die Erfahrungen waren prägend für ihn, denn er landete auch beruflich in der Motorsportbranche. Holter ist als Rennkommissar in der Formel 1 aktiv, auch wieder am kommenden Wochenende beim Großen Preis im niederländischen Zandvoort.
Auf dem Schillingsfürster Festplatz gab er den Kids Tipps für das Durchfahren der Hindernisse, denn es ging nicht ums Tempo, sondern um das Absolvieren der Strecke möglichst ohne Pylonen-Berührung. Zeiten wurden nicht gemessen. Die Kinder sollten ein Gefühl für das Reagieren des Karts beim Gasgeben, Bremsen und Lenken bekommen.
Und natürlich sollten sie dabei Spaß haben, was offenbar erreicht wurde. Besonders geschickt stellte sich der 13-jährige Ferdinand Abelein aus Stilzendorf an, der aber als relativ erfahrener Jugend-Motocrosser einen Vorteil hatte. Im Kart-Cockpit fühlte er sich auf Anhieb wohl und verriet, dass es für ihn durchaus noch schneller hätte gehen dürfen, denn die theoretisch bis zu 50 Stundenkilometer schnellen Fahrzeuge waren gedrosselt unterwegs.
Die zehnjährigen Zwillinge Maxim und Matteo Tobisch aus Schillingsfürst fanden es klasse, erstmals in einem richtigen Kart Runden drehen zu können. Bisher kannten sie dieses Gefühl nur virtuell von der Spielkonsole. Vater Thorsten Tobisch schaute vom Streckenrand aus entspannt zu, denn als stark autointeressierter Mensch hat er eine Affinität zum Thema. „Wenn die Kids da dranbleiben wollen, werde ich mich nicht querstellen“, meinte er.
Leonie Wiesinger fand auf der Strecke das Kurvenfahren besonders reizvoll. Die achtjährige Schillingsfürsterin erzählte, dass bei ihr in jedem Fall ein Grundinteresse für Autos und Motorsport da ist. Und deshalb „will ich das in jedem Fall wieder mal machen“.