Rennfahrer Maximilian Götz durfte so oft jubeln wie schon seit Jahren nicht mehr | FLZ.de

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Veröffentlicht am 23.10.2025 15:42

Rennfahrer Maximilian Götz durfte so oft jubeln wie schon seit Jahren nicht mehr

Maximilian Götz (rechts) schlüpfte für Levente Revesz in der Serie International GT Open auch in die Rolle des Mentors. (Foto: Gruppe C Photography)
Maximilian Götz (rechts) schlüpfte für Levente Revesz in der Serie International GT Open auch in die Rolle des Mentors. (Foto: Gruppe C Photography)
Maximilian Götz (rechts) schlüpfte für Levente Revesz in der Serie International GT Open auch in die Rolle des Mentors. (Foto: Gruppe C Photography)

Zum Abschluss stand er in Monza auf dem Podium und durfte eine Meisterschaft feiern. Das klingt gut und Maximilian Götz ist damit auch zufrieden. Er hatte sich im Motorsport-Jahr 2025 aber sogar noch mehr vorgenommen.

„Es war eine sehr gute Saison. Es gibt nicht viele Fahrer, die mit so vielen verschiedenen Teams in so vielen Serien vorne mitfahren”, fasst der Uffenheimer zusammen. Er sammelte an 24 Rennwochenenden fünf Siege in seinem Mercedes-AMG GT3 Evo. So oft stand der Werksfahrer zuletzt im Jahr 2014 auf der obersten Stockerlstufe.

Platz 3 im letzten Rennen der Saison in Monza

Im letzten Rennen seiner Saison fuhr er mit Levente Revesz in Monza auf Platz 3 beim Finale der International GT Open. Der junge Ungar verteidigte so die Führung in der Gesamtwertung und feierte den Titel. „Es ist schade, dass ich nicht Meister wurde. Aber ich fühle mich wie ein Meister”, sagt Götz.

Wie er verrät, leistete er mit seiner Teilnahme einen kleinen „Freundschaftsdienst”. Timo Rumpfkeil, der Chef des Teams Motopark, hatte vor 25 Jahren einem jungen Kartfahrer geholfen, an Testfahrten in Formelautos heranzukommen. Jetzt sollte Götz den Mentor für den erst 20-jährigen Revesz geben. Doch im dicht gedrängten Rennprogramm war kein Platz für alle acht GT-Open-Stationen. „Er hat mir vertraut. Da hab ich dann gesagt: Komm, wir machen's trotzdem.” An zwei Wochenenden musste Götz dann passen und ihm fehlten ein paar Punkte, um offiziell seinen ersten Titel seit der Saison 2021 – damals in der DTM – feiern zu dürfen.

Guter Saisonstart in Übersee

Schon der Start ins Jahr war eigentlich gut. Götz sagt sogar: „Die Saison hat sehr stark angefangen.” Allein die Resultate stimmten nicht. Bei den 24 Stunden von Daytona musste der 39-Jährige in einem aufregenden Finale eine Podiumsplatzierung wegen einer späten Durchfahrtsstrafe abschenken, die ein Teamkollege verschuldet hatte. Bei den 12 Stunden von Bathurst passte die Strategie nicht und statt Rang 2 sprang nur Platz 5 heraus. Und bei den 12 Stunden von Sebring musste sein Teamkollege Kenton Koch das Auto – wieder auf Podiumskurs – mit Schaden abstellen.

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Dann begann das Rennprogramm in Europa, wo Götz zwei Meisterschaften feiern und mit Boutsen VDS bei den längeren Endurance-Rennen der GT World Challenge Europe für Furore sorgen wollte. Letztlich konnte er nur in der GT-Open-Serie den Job erfüllen.

Etwas zu wenig Konstanz in der British GT Championship

An der Seite von Kevin Tse bestritt er zum zweiten Mal die British GT Championship in einem Auto von 2 Seas Motorsport. Nach einem Jahr des Reinschnupperns in den englischen Motorsport in 2024 war die Meisterschaft das klar erklärte Ziel. Allerdings setzte das Duo in Silverstone auf die falsche Strategie und in Spa gab das Ersatzauto – Tse hatte das Stamm-Chassis im Training zerstört – den Geist auf. Andere Fahrer waren das Jahr über etwas konstanter. „Das ist ein bisschen schade”, so Götz, der mit Tse in der Fahrerwertung Rang 3 belegte und immerhin zwei Rennen gewann.

Überhaupt nicht zufriedenstellend lief es mit Boutsen VDS, wo die Schwester von Ex-Formel-1-Fahrer Thierry Boutsen eine der Teambesitzerinnen ist. Götz teilte sich mit den Werksfahrerkollegen Mikael Grenier und Maxime Martin ein sehr stark besetztes Auto. Dem AMG-Trio fehlte aber meist die Pace. Die beiden Male in Spa und Barcelona, als man ganz vorne mitfahren konnte, ging dann das Auto kaputt. „Da stellen wir uns natürlich mehr vor. Eigentlich war es ein Katastrophenjahr”, sagt Götz.

Teamchef Herb Korthoff zieht das Auto zurück

Etwas unschön endete auch das Kapitel in der IMSA Sportscar Championship. Nach den zwei guten Leistungen in Daytona und Sebring sollte Götz für das Team Korthoff Competition Motors noch weitere Rennen bestreiten. Allerdings gab es Unstimmigkeiten in finanziellen Fragen zwischen Teambesitzer Herb Korthoff und Fahrer (und Geldgeber) Seth Lucas, wie Götz verrät. Der Chef zog kurzerhand das Auto zurück.

Für Götz ist das auch für 2026 nicht unerheblich. Denn er will wieder in Daytona fahren, wie er betont. Ob Korthoff wieder einsteigt, ist aber zumindest fraglich. Der Uffenheimer hat für das Team in den letzten drei Jahren den 24-Stunden-Klassiker bestritten und würde ihn gerne mal gewinnen.

Rückkehr zum 24-Stunden-Rennen am Nürburgring angestrebt

Wie sein nächstes Rennprogramm sonst aussehen wird, ist derzeit ebenfalls offen. „Die Endurance-Rennen in der World Challenge werden vermutlich wieder dabei sein. British GT – das hängt davon ab, was Kevin Tse machen will. Die DTM habe ich natürlich auch noch nicht aufgegeben.” Wichtig sei ihm, dass es nicht wieder Überschneidungen der verschiedenen Rennserien gibt. Das hat ihm dieses Jahr nicht nur den Titel in der GT Open, sondern auch die Teilnahme beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring gekostet.

Dort wird dem Vernehmen nach erstmals der vierfache Formel-1-Weltmeister Max Verstappen mitfahren und für viel Aufmerksamkeit sorgen. Götz kennt den Star natürlich. „Max nimmt das total ernst und man hat ja schon gesehen, dass er gleich schnell fahren kann. Für den GT-Sport ist das eine geile Werbung.”

Um möglichst schnell einen Plan für 2026 zu haben, hat Götz seinen Arbeitsplatz gewechselt: Schreibtisch statt Cockpit. „Jetzt ist zwar Zeit, um mal runterzukommen. Aber ich führe derzeit natürlich viele Gespräche. Außerdem will ich über den Winter viel trainieren. Und es gibt viel Büroarbeit.” Aber dann kommt doch noch der Racer in ihm durch, der den Job gerne noch zehn oder 15 Jahre machen würde: „Ich vermisse es eigentlich jetzt schon, nicht im Rennauto zu sitzen.”

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