Für die Jugend fehlt im Kreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim das Geld | FLZ.de

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Veröffentlicht am 26.11.2025 06:00

Für die Jugend fehlt im Kreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim das Geld

Christina Scheiderer (Zweite von rechts) referierte über die KJR-Aktivitäten des demnächst abgelaufenen Jahres. (Foto: Volker Raab)
Christina Scheiderer (Zweite von rechts) referierte über die KJR-Aktivitäten des demnächst abgelaufenen Jahres. (Foto: Volker Raab)
Christina Scheiderer (Zweite von rechts) referierte über die KJR-Aktivitäten des demnächst abgelaufenen Jahres. (Foto: Volker Raab)

Wie geht es weiter mit der Jugendarbeit im Kreis? Eines ist sicher: Sie wird sich ändern müssen. Bei der jüngsten Sitzung des Kreisjugendrings (KJR) machte die finanzielle Lage vielen Delegierten Sorge. Geschäftsführerin Johanna Schwarzer informierte die 22 Anwesenden über die Zahlen – und in Teilen machte sich Fassungslosigkeit breit.

Die Sitzung wurde um kurz nach 19 Uhr von Thomas Siegling, stellvertretend für den KJR-Vorsitzenden Dirk Schuster, im Sitzungssaal des Landratsamtes eröffnet. Zu diesem Zeitpunkt war von der angespannten Finanzlage noch wenig zu spüren.

Auch Vertreter aus den Verbänden und der Politik waren gekommen, darunter der Landtagsabgeordnete Werner Stieglitz, stellvertretender Landrat Reinhard Streng sowie die Jugendbeauftragten der CSU, Freien Wähler und Grünen. Siegling informierte über die Tagesordnung. Anschließend übergab er das Wort an Christin Scheiderer, die über die Aktivitäten des KJR im laufenden Jahr berichtete.

„Wir hatten in diesem Jahr zwei Erste-Hilfe-Kurse angeboten, beim Erlebnispädagogik-Workshop in Burgbernheim waren einige Jugendliche dabei, und unser Mitwirken beim Heimatfest kam sehr gut an. Das Spielmobil war in zwölf Gemeinden unterwegs, das ökologische Ferienprogramm hatte 17 Termine in 14 Gemeinden. Außerdem waren wir mit einem Stand beim Holztag in Scheinfeld vertreten und organisierten eine Veranstaltung nur für Mädchen in Neuhof im November“, fasste Scheiderer das Jahr zusammen. Aktuell seien die FSJ- und FÖL-Stellen jedoch nicht besetzt.

Ein Wahl-O-Mat für Jugendliche ist geplant

Auch als Helena Schulz die Planungen für das kommende Jahr vorstellte, blieb die Atmosphäre im Saal noch recht entspannt. „Wir wollen mit ‚Voto‘ einen Wahl-O-Mat für den Kreistag anbieten, Schulungen für Erlebnispädagogik durchführen und unsere Image-Kampagne fortführen“, so Schulz.

Zudem seien wieder zwei Erste-Hilfe-Kurse, die Osterfreizeit im Landschlösschen in Rockenbach sowie eine Überarbeitung des Grundlagenvertrags mit dem Landratsamt geplant. Die Vorstandschaft hofft außerdem, „im Herbst 2026 eine FÖL-Stelle besetzen zu können, um das ökologische Ferienprogramm wieder anbieten zu können“. Diesen Plänen stimmten die Delegierten einstimmig zu.

Die Stimmung im Saal änderte sich jedoch, als Johanna Schwarzer die Haushaltszahlen präsentierte. „Über das laufende Jahr müssen wir noch einmal reden. Es gab Änderungen bei der Entnahme aus der Rücklage, wir mussten 11.000 Euro entnehmen. Notwendig wurde dies durch Beschlüsse der vergangenen Vollversammlung“, erklärte Schwarzer.

FSJ- und FÖL-Stellen werden wohl gestrichen

Bei dieser Versammlung war eine Rücklage für Zuschüsse eingeführt worden, so dass die geplante Entnahme für die FSJ-Stelle nicht aus der allgemeinen Betriebsmittelrücklage erfolgen konnte. „Wir haben rückblickend nicht getätigte Investitionen angepasst. Der Nachtragshaushalt schließt für das laufende Jahr mit Einnahmen und Ausgaben von 76.340 Euro“, so Schwarzer. Der Haushaltsplan für das kommende Jahr fällt mit 54.270 Euro deutlich geringer aus. „Grund dafür ist, dass die Kosten für die FSJ- und FÖL-Stellen wegfallen“, erläuterte sie weiter: Wegfallen müssen.

Die Frage, warum die Kosten gestiegen seien, beantwortete Schwarzer: „Die Stellen wurden zwei volle Jahre zu 50 Prozent gefördert. Der Zuschuss des Landkreises deckt aber jetzt nur noch die Hälfte der verbleibenden Kosten. Ohne weitere Unterstützung können wir uns das nicht mehr leisten.“ Tanja Saemann vom BDKJ zeigte sich besorgt: „Dann fällt ja das komplette ökologische Ferienprogramm weg? Das wäre dramatisch.“

Daraufhin schaltete sich Sitzungsleiter Thomas Siegling ein: „Du hast recht. Die Arbeit, die bisher geleistet wurde, wird es in Zukunft nicht mehr in dieser Form geben. Wir führen Gespräche mit dem Landratsamt und wollen verdeutlichen, wie wichtig die beiden Freiwilligenstellen für den KJR sind.“ Trotz der Ernüchterung stimmten die Delegierten dem neuen Haushaltsplan einstimmig zu.

Nach einer kurzen Pause griffen Landrat-Stellvertreter Reinhard Streng, die weiteren politischen Vertreter sowie Jugendamtsleiter Christoph Eder die Diskussion erneut auf. Neben dem Jahres- und Haushaltsplan stand noch ein dritter Beschluss auf der Tagesordnung: Die Umstellung des Systems für Zuschussanträge.

Auf Antrag der Vorstandschaft sollen künftig Voranträge nötig sein, die bereits als Teil des eigentlichen Fördermittelantrags gelten. „In Zeiten knapper Kassen sollen die vorhandenen Gelder möglichst fair zwischen den Verbänden aufgeteilt werden“, so Siegling. Das Gremium stimmte dem Anliegen unisono zu, die Regelung tritt zum 1. Januar 2027 in Kraft.

Die Stimmen

  • Reinhard Streng (stellvertretender Landrat):
    „Wir können die finanziellen Stellschrauben nicht drehen, wohl aber die Freiwilligenleistungen erhalten – den sozialen Schmierstoff. Ich empfehle, mit guten Argumenten in Gespräche zu gehen. Die beiden Stellen leisten mit wenig Geld einen herausragenden Beitrag zur Jugendarbeit – vielen Dank dafür!“
  • Werner Stieglitz (CSU-Landtagsabgeordneter):
    „Der KJR leistet unverzichtbare Arbeit. Jugendgruppen und Vereine brauchen mehr denn je Unterstützung, gerade nach Corona und durch die Herausforderungen der sozialen Medien. Ich setze mich weiterhin dafür ein, dass Mittel für die Jugendarbeit fließen.“
  • Kristin Langmann-Götz (CSU-Kreistagsfraktion):
    „Ihr leistet wertvolle Jugendarbeit im Landkreis. Als Sozialpädagogin sehe ich eure vielen Aktionen sehr positiv. Parteibergeiflich besteht Einigkeit über die Wichtigkeit eurer Arbeit. Danke für euer Engagement.“
  • Christoph Eder (Jugendamtsleiter):
    „Seit meinem Amtsantritt sehe ich, wie viel ihr leistet, dafür danke ich euch. Der Wind wird rauer, Freiwilligenleistungen nehmen ab, weil den Kommunen Geld fehlt. Auf die Unterstützung des Jugendamtes könnt ihr euch dennoch verlassen.“
  • Martin Bauer (Grüne-Kreistagsfraktion):
    „Danke für euer ehrenamtliches Engagement. Ihr seid nicht nur in Vereinen aktiv, sondern auch mit dem KJR. Seid selbstbewusst: Sprecht eure Kreisräte und die Verwaltung direkt an, damit die politische Ebene Entscheidungen treffen kann.“


Von VOLKER RAAB
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