Als Oswald Czech im Rathaus das Kommando übernahm, war die Einführung des Euro erst ein paar Monate alt. 24 Jahre später übergibt einer der dienstältesten SPD-Bürgermeister Deutschlands die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger und kann auf eine erfolgreiche Ära zurückblicken.
Auf dem Schreibtisch und diversen Ablagen stapeln sich dieser Tage noch die Papiere. Oswald Czech, der am 8. März nicht mehr zur Wahl angetreten war, ist gerade dabei, sein Büro aufzuräumen und alles für den neuen Bürgermeister Mathias Scheuer (CSU) vorzubereiten, um einen möglichst reibungslosen Übergang zu gewährleisten. Kein ganz leichtes Unterfangen nach mehr als zwei Jahrzehnten an der Spitze der Marktgemeinde, die sich in dieser Zeit sehr positiv entwickelt hat. „Es hat schon vieles geklappt”, sagt Czech dazu. „Wir haben im Gemeinderat vieles auf den Weg gebracht.” Mehr Selbstlob mag er sich nicht zugestehen.
„Bürgermeister kann man oder kann man nicht”, findet der inzwischen bald 68-Jährige im Rückblick. Dabei habe er die Projekte und Vorhaben in Schopfloch und seinen Außenorten stets wie ein Firmenchef betrachtet, immer mit Blick auf das Gemeinwohl genau wie auf die Gemeindekasse. Drei Millionen Euro Schulden wurden unter seine Ägide bis 2021 abgebaut. „Unternehmerisches Denken”, nennt es der gelernte Agraringenieur, der alle Vorhaben „unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten” kalkuliert habe. Seine Maxime lautete dabei immer: „Mutig sein und keine Angst davor haben, Themen anzugehen.”
Als er sich 2002 nach zuvor sechs Jahren im Gemeinderat mit einer Mini-Mehrheit von 13 Stimmen gegenüber dem CSU-Kandidaten Thomas Raßbach bei der Bürgermeisterwahl durchgesetzt hatte, blieb kaum Zeit zur Einarbeitung. Es ereilte ihn gleich am ersten Tag „ein ganz dringender Anruf des Wasserwirtschaftsamtes” zum anstehenden Anschluss der Außenorte an den Kanal, erinnert er sich: „Da war ich gleich mittendrin.”
Seitdem hat sich viel getan in Schopfloch, obwohl sich Czech in dieser Zeit nie auf eine politische Mehrheit im Gemeinderat stützen konnte und daher immer sehr gute Argumente finden musste, um Projekte voranzubringen. „Ich habe Überzeugungsarbeit geleistet”, sagt der stämmige Mann mit seinem leicht brummigen Bass-Ton in der Stimme: „Und der Gemeinderat ist mitgegangen.”
Die Ertüchtigung von Abwasserpumpwerken, die Sanierung der Grundschule inklusive Umsetzung der Ganztagsbetreuung, die Dorferneuerung Zwernberg und Lehengütingen nebst geplanter Umfahrung der B25, der Bau des Generationenparks, die Etablierung des Lebenshilfe-Supermarktes im Ort und die Ausweisung von Baugebieten: Die Liste an umgesetzten oder entwickelten Projekten ist lang. „Vieles von dem, was jetzt den Alltag in Schopfloch prägt, ist in deiner Zeit entstanden”, würdigte der zweite Bürgermeister Christian Grimm zum offiziellen Abschied im Gemeinderat Czechs Verdienste.
Dabei hatte beileibe nicht nicht immer alles gleich auf Anhieb nach Wunsch funktioniert, denkt Czech zurück und hat dabei den Gewerbepark im Blick. Als er dort ein Schild aufstellen ließ, das die Entstehung eines Gewerbegebiets ankündigte und sich nach Jahren immer noch nichts getan hatte, „haben sie mich alle ausgelacht”. Inzwischen sind dort mehrere Betriebe angesiedelt, zusätzliche Arbeitsplätzen sind entstanden. „Man braucht Stehvermögen”, kann Czech heute augenzwinkernd dazu sagen.
Die wömöglich menschlich größte Leistung ist ihm im Rückblick in der Flüchtlingsfrage zu attestieren, als es ihm 2015 gelang, die Bedenken und den Unmut in der Bevölkerung zu zerstreuen, nachdem 120 Personen aus Syrien, Iran, Irak und Äthiopien quasi über Nacht in der ehemaligen Batteriefabrik am Rande Schopflochs einquartiert worden waren. Viele Einheimische schimpften zunächst über die Neuankömmlinge. Czech erinnerte die Gegner „in knallharten Gesprächen” an die Kriegsflüchtlinge, die ab 1946 in Schopfloch eine neue Heimat gefunden hatten und wiederholte immer wieder: „Da kommen Menschen.”
Seine pragmatische Herangehensweise, mit der er schon mal den Regierungsdirektor bei einer Kutschfahrt durch den Ort von der Notwendigkeit der Städtebauförderung überzeugte, wussten auch die Mitarbeitenden im Rathaus zu schätzen. Im Mitteilungsblatt überraschten sie ihn nun mit vielen Erinnerungsfotos und einer Anmerkung, die Czech zu Herzen ging. „Sie waren nicht nur Bürgermeister, sondern auch ein geschätzter Ansprechpartner, Unterstützer und Mensch, der stets ein offenes Ohr für unsere Anliegen hatte.”
Künftig gilt sein Hauptaugenmerk mehr seiner Familie und der Arbeit auf dem heimischen, kleinen Bauernhof mit den vielen Obstbäumen. Womöglich wird der Hobby-Koch über die VHS auch Kochkurse im Ort anbieten. Zunächst aber steht eine neue Aufgabe an: Seine Tochter Anna erwartet im Juni Zwillinge, da wird der langjährige Bürgermeister vor allem als Opa gefragt sein.