Jetzt steht weitgehend fest, wo in Westmittelfranken in den nächsten Jahren Windräder gebaut werden dürfen. Der Planungsausschuss des regionalen Planungsverbands beschloss in einer Sitzung im Ansbacher Landratsamt die entsprechende Änderung des Regionalplans.
Damit ist die Planung aber noch nicht ganz vollendet. Einerseits muss die Regierung von Mittelfranken die Änderung für verbindlich erklären, was eher eine Formalie ist. Es zeichnet sich außerdem ab, dass die Region Westmittelfranken zwei Prozent ihrer Fläche für die Windkraft zur Verfügung stellen muss, und damit etwas mehr als die gesetzlich geforderten 1,8 Prozent. Das hängt damit zusammen, dass in dichter besiedelten Gebieten die Ausweisung noch schwieriger ist als im ländlichen Raum.
Dabei sorgen besonders der Artenschutz und militärische Interessen dafür, dass auch in Westmittelfranken das Planungsziel wohl nur knapp erreicht wird, schilderte der Regionalbeauftragte Dr. Rainer Fugmann in der Sitzung. Deshalb sollen in einem nächsten Schritt unter anderem Gebiete, die bisher nur als Vorbehaltsgebiete vorgesehen waren, zu Vorranggebieten werden. Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass es Flächen gibt, die zwar bisher schon für die Windkraft ausgewiesen sind, aber unter den heutigen Voraussetzungen faktisch nicht mehr projektierbar sind.
Die aktuelle Änderung sieht vor, dass aus bisher 35 Vorranggebieten mit 1305 Hektar künftig 80 Gebiete mit 8010 Hektar werden. Dazu kommen 24 Vorbehaltsgebiete mit 1010 Hektar. 294 Potenzialgebiete waren vorher in enger Abstimmung mit den Kommunen abgewogen worden. Dabei wurde das Ziel verfolgt, die Chancen der Windkraft zu nutzen und die Wertschöpfung möglichst in der Region zu halten.
59 Kommunen, 65 Träger öffentlicher Belange sowie 600 Privatpersonen und Bürgerinitiativen hatten zur Planung Stellung genommen, berichtete Fugmann. Auf dieser Grundlage seien einige Gebiete nachjustiert worden. Dies betraf Flächen im südlichen Steigerwald bei Scheinfeld und Markt Bibart, bei Dinkelsbühl sowie im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Allgemein gehaltene Bedenken seien ebenso angeführt worden wie örtlich spezifische Probleme.
„Wir haben nicht nur einen Plan dargestellt“, sagte der Regionalbeauftragte. „Was wir geschafft haben, ist, dass wir mit den Kommunen eine Vision entwickelt haben, wie man Wertschöpfung in den Kommunen halten kann“.
In der Diskussion forderte der Dinkelsbühler OB Christoph Hammer (CSU), „jetzt wieder Realität in die Planung“ zu bekommen. Die Umsetzung sei das Problem. Ins gleiche Horn stieß der Neustädter Landrat Dr. Christian von Dobschütz (CSU). In Wirklichkeit fehle es an Einspeisepunkten ins überlastete Stromnetz.
„Besser als wir kann man es nicht machen“, meinte hingegen der Landtagsabgeordnete Martin Stümpfig (Grüne). Er sieht zusätzliche Anschlussmöglichkeiten, wenn berücksichtigt werde, dass sich Windkraft und Photovoltaikanlagen gut ergänzen. „Für mich ist heute ein Feiertag“, meinte Hans Henninger (Freie Wähler), Bürgermeister von Flachslanden. „Gemeinden und Bürger, die das wollen, können jetzt einsteigen“. Allerdings übte er harsche Kritik an den Netzbetreibern, von denen weit entfernte oder gar keine Einspeisepunkte ins Netz angeboten würden: „Die haben einen Vogel“, fand Henninger deutliche Worte. Der Netzausbau sei „verschlafen“ worden.
Die Treuchtlinger Bürgermeisterin Dr. Dr. Kristina Becker (CSU) forderte, dass Unternehmen „dahin gehen sollten, wo die Energie ist“ – also künftig in den ländlichen Raum. Die Politik sollte nach ihren Worten entsprechende Anreize setzen.
Dr. Fugmann erläuterte, man habe den Netzbetreiber N-ergie früh eingebunden, sodass man nun „zwei Jahre näher an einer Lösung des Problems“ der Netzeinspeisung sei. Die Berücksichtigung der Lastgänge sei bei der N-ergie angekommen. Es komme darauf an, Fronten aufzubrechen und kreative Lösungen zu finden. Das gelte auch für das Militär, wo es gelungen sei, Ansprechpartner zu finden, und die Bayerischen Staatsforsten, bei denen es nun Ausnahmen vom Ausschreibungsverfahren bei kleinen Flächen gebe.