Energieausbau stockt: 200-Meter-Windrad bei Ansbach als Gefahr fürs Militär? | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 22.10.2024 08:43

Energieausbau stockt: 200-Meter-Windrad bei Ansbach als Gefahr fürs Militär?

Im Ansbacher Ortsteil Strüth steht bereits eine Windkraftanlage. Mit dem Bürgerprojekt soll eine weitere dazukommen.  (Archivfoto: Jim Albright)
Im Ansbacher Ortsteil Strüth steht bereits eine Windkraftanlage. Mit dem Bürgerprojekt soll eine weitere dazukommen. (Archivfoto: Jim Albright)
Im Ansbacher Ortsteil Strüth steht bereits eine Windkraftanlage. Mit dem Bürgerprojekt soll eine weitere dazukommen. (Archivfoto: Jim Albright)

Zwei Ämter hatten die Pläne im Ansbacher Ortsteil Strüth abgelehnt. Für sie war ein 200 Meter hohes Windrad eine Gefahr für das Militär.

Es bleibt ein Wettlauf gegen die Zeit: Das Bauleitplanverfahren für das Bürgerwindrad im Ortsteil Strüth muss bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Sonst droht dem Projekt in seiner angedachten Form das Aus. Im Bauausschuss des Stadtrates wurde jetzt der erste Schritt getan, damit dieses Szenario nicht eintreten wird.

Die Bürgerwind Strüth-Kühndorf GmbH, zu der auch CSU-Stadtrat Gerhard Sauerhammer gehört, will in der Waldfläche nördlich von Strüth eine weitere Windenergieanlage bauen. Diese soll als reines Bürgerprojekt umgesetzt werden. Die Anlage selbst soll eine Gesamthöhe von 200 Metern haben, kleinere Anlagen wären nicht wirtschaftlich zu betreiben.

Die Maximalhöhe war das Problem

Das Verfahren läuft seit Juli 2022. In der jüngeren Vergangenheit hat es „aber ein bisschen gestockt und geholpert“, wie Stadtplanerin Andrea Heinlein berichtete. Der Grund: Das Luftamt Nordbayern und das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw) wollten die Anlagenhöhe auf etwa 180 Meter beschränkt haben, weil sie sonst den Flugverkehr gefährdet sahen.

Weil sich die Haltung der beiden Ämter mittlerweile geändert hat, konnte das seit dem vergangenen Jahr ruhende Bauleitverfahren wieder aufgenommen werden. Deshalb beschäftigte sich der Bauausschuss jetzt mit den eingegangenen Stellungnahmen aus der ersten Öffentlichkeitsbeteiligung. 15 Stellungnahmen sind eingegangen, davon enthielten neun Einwendungen oder Anregungen.

Das könnte Sie auch interessieren

Anwohner befürchtet zu viel Schatten

Dem Bayerischen Bauernverband ging es etwa darum, dass Wege und Straßen, die durch den Bau eventuell beschädigt werden, wieder instand gesetzt werden müssen. Das werde in einem Durchführungsvertrag geregelt, sagte Baureferent Jochen Büschl. In diesem Vertrag sind auch die Ausgleichsmaßnahmen mit einer Fläche von 2362 Quadratmetern in Form einer Ersatzaufforstung enthalten.

Die Einwendungen eines Bürgers haben Verwaltung und Ausschuss derweil zurückgewiesen. Dieser hatte beispielsweise auf die dauerhafte Beschattung seines Grundstückes hingewiesen. Büschl verwies auf das bestehende Schattenwurfgutachten. Alle anderen Stellungnahmen wurden mit dem Vorhabenträger besprochen und nötige Änderungen in der Planung vorgenommen.

Dass aus dem Projekt ein Wettlauf mit der Zeit geworden ist, hat mit dem Regionalplan für Mittelfranken zu tun. Die jüngsten Änderungen treten voraussichtlich mit Jahresbeginn 2025 in Kraft und sehen unter anderem einen Mindestabstand von 800 Metern zur nächsten Wohnbebauung für Windkraftanlagen vor. In diesen Radius fällt aber das Strüther Bürgerwindrad. Hinzu kommt, dass es für laufende Verfahren keinen Bestandsschutz geben wird.

Stadtverwaltung verspricht Tempo

„Es ist ein nicht ganz einfaches Verfahren“, sagte Oberbürgermeister Thomas Deffner (CSU) nach dem Vortrag. „Gleichwohl müssen wir zügig vorankommen.“ Der Rathauschef sicherte zu, dass „wir scharf dran bleiben an dem Vorhaben“. Jochen Sauerhöfer (CSU) sprach der Verwaltung seinen Dank aus, dass dieses Vorhaben jetzt so vorangetrieben wurde. Immerhin sei die Genehmigung der Luftfahrtbehörden erst Mitte August eingegangen.

Er machte auch deutlich, dass Gerhard Sauerhammer, der als Beteiligter von den Beratungen ausgeschlossen war, immer wollte, dass das Windrad in Ansbach stehe. „Es gab auch Angebote aus anderen Gemeinden.“ Auch Uwe Schildbach (Offene Linke) schloss sich dem Dank an. Es könne nicht sein, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien von militärischen Interessen begrenzt werde.

Einstimmig hat das Gremium schließlich dem Stadtrat empfohlen, die Planungen erneut öffentlich auszulegen. Die Entscheidung fällt in der Sitzung am Mittwoch.


Florian Schwab
Florian Schwab
Redakteur
north