Gegen Hass und Hetze: Ansbacher Kreistag geschlossen hinter dem Landrat | FLZ.de

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Veröffentlicht am 04.03.2025 07:00

Gegen Hass und Hetze: Ansbacher Kreistag geschlossen hinter dem Landrat

Landrat Dr. Jürgen Ludwig wird seit Wochen angegriffen. (Foto: Robert Maurer)
Landrat Dr. Jürgen Ludwig wird seit Wochen angegriffen. (Foto: Robert Maurer)
Landrat Dr. Jürgen Ludwig wird seit Wochen angegriffen. (Foto: Robert Maurer)

Nach dem Verwaltungsrat von ANregiomed hat sich nun auch der Ansbacher Kreistag hinter Landrat Dr. Jürgen Ludwig gestellt. In einer gemeinsamen Erklärung verurteilen alle Vorsitzenden der Fraktionen und Wählergruppen „die unsachlichen und ehrabschneidenden Anfeindungen“ gegen den Landrat.

In den vergangenen Wochen mussten Landrat Ludwig und seine Familie viel ertragen. In den sozialen Netzwerken kursierten seine Wohn- und seine private E-Mail-Adresse, verbunden mit dem Hinweis, dass man ihm direkt die Meinung sagen könnte. Man kann sich vorstellen, dass nicht alle Absender in ihrer Wortwahl höflich geblieben sind. In der gemeinsamen Erklärung ist die Rede davon, dass der Landrat als „Mörder“ und „Verbrecher“ beschimpft und ihm Gewalt angedroht wurde.

Falsche Informationen verbreitet

Dabei herrscht oft eine mangelnde oder fehlerhafte Informationslage vor und es ist von einer Schließung der Krankenhäuser in Dinkelsbühl und Rothenburg die Rede. Darum geht es aber gar nicht. Beide Häuser sollen zu sektorübergreifenden Versorgern herabgestuft werden. Das sind Häuser mit einem umfangreichen ambulanten Angebot und einer stationären Abteilung für Innere Medizin.

Wörtlich heißt es in der Erklärung: „Persönliche Angriffe, Anfeindungen, Diffamierungen und Beleidigungen gegen den Landrat, wie generell gegen Mandatsträger, weisen wir auf das Schärfste zurück und distanzieren uns hiervon. Sie entbehren auch in der Sache jeglicher Grundlage.“

Versorgung der Bevölkerung im Blick

Die Fraktionen und Wählergruppen verbürgen sich in ihrer Erklärung dafür, dass Dr. Ludwig „sich mit ganzer Kraft und über alle Maßen für das Wohl aller Standorte unseres Klinikunternehmens einsetzt und konstruktiv an Lösungsszenarien arbeitet“. Er habe die Mitglieder des Kreistages von Beginn an intensiv und offen in den Prozess und die Überlegungen einbezogen.

Die Krankenhausreform mache es besonders kleinen Häusern im ländlichen Raum sehr schwer. Hinzu komme als zusätzliche Hürde die fehlende Krankenhausplanung im Freistaat. Landrat Jürgen Ludwig habe als Verwaltungsratsvorsitzender des Klinikverbundes ANregiomed „das Wohl des gesamten Unternehmens und aller Standorte für die Versorgung der Bevölkerung gleichermaßen im Blick“, heißt es in der Erklärung.

Breite Unterstützung aller Parteien

Die Sorgen und Ängste der Bevölkerung „dürfen und müssen artikuliert und vorgebracht werden und werden von allen Mandatsträgern selbstverständlich und umfassend in die Überlegungen einbezogen“, heißt es in der Erklärung weiter. Es werde sicher nicht einfach, eine Lösung für ANregiomed zu finden, aber „Hass und Hetze“ dürfe man dennoch keinen Raum geben.

Unterzeichnet haben das Schreiben Stefan Horndasch (CSU), Dr. Hermann Schröter (Freie Wähler), Gaby Schaaf und Harald Domscheit (Grüne), Petra Hinkl (SPD), Maria Hetzel (ÖDP), Rainer Erdel (FDP) und Peter Schlegel (Die Linke). Der Verwaltungsrat von ANregiomed hatte sich vor einigen Tagen ebenfalls klar positioniert und sich gegen die verbalen Entgleisungen einiger Menschen gestellt. Nicht unterzeichnet hatte dabei Dinkelsbühls Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer (CSU).

Politiker als Zielscheibe

Landrat Ludwig zitierte im Gespräch mit der FLZ den Philosophen Jean-Paul Sartre: „Vielleicht gibt es schönere Zeiten, aber dies ist unsere.“ Die Aufgabe, ANregiomed weiterzuentwickeln, sei nun einmal da und müsse gelöst werden. „Darauf werde ich mich weiter konzentrieren.“ Er habe sehr viele vernünftige Schreiben erhalten, betonte Ludwig. Die Menschen hätten einfach Angst, wie es mit der medizinischen Versorgung weitergeht. Dafür habe er vollstes Verständnis und es sei natürlich das Ziel, auch in Zukunft ein möglichst umfassendes Angebot machen zu können.

In Krisenzeiten würden solche Beschimpfungen verstärkt zu Tage treten. Und da seien die Politiker vor Ort eben greifbar und würden zur Zielscheibe.

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