Etwa 70 Menschen haben vor dem Burgoberbacher Rathaus gegen die geplante Flüchtlingsunterkunft im Ort protestiert. Ab 1. September sollen gegenüber der Grundschule 20 Asylsuchende untergebracht werden.
Unter dem Motto „Burgoberbach sagt Nein“ war in WhatsApp-Gruppen und auf Flugblättern zu der Demo vor der jüngsten Gemeinderatssitzung aufgerufen worden. Weil auf den Flyern kein Impressum abgedruckt war, hat es bei der Ansbacher Polizei Anzeigen gegeben. Man versuche, den Verantwortlichen zu ermitteln und verfolge die Sache als Ordnungswidrigkeit, hieß es auf Anfrage der FLZ.
Die Demo selbst verlief nach Polizeiangaben ohne besondere Vorkommnisse. Rund 70 Personen sind dem Aufruf nach Schätzung der Polizei gefolgt. Sie wollten die Diskussion nicht so stehen lassen, wie sie bei der Infoveranstaltung zur Unterkunft beendet worden war, erklärte Versammlungsleiterin Stefanie Mohr.
Gekommen sind Menschen mit verschiedensten Anliegen und Einstellungen. Mehrere Burgoberbacher erklärten am Mikrofon, durchaus Hilfesuchende aufnehmen zu wollen. „Aber so, dass sie sich integrieren können.“ Daher wolle man weiterhin „lieber Familien“ an diesem Standort oder zumindest mehr Informationen und ein Konzept vorgelegt bekommen.
Letzteres hat Bürgermeister Gerhard Rammler für einen runden Tisch Mitte August in Aussicht gestellt. Kritisiert wurde auch, dass Sorgen der Bürger mit der Begründung „das Leben ist kein Wunschkonzert“ weggewischt würden.
„Wir leben in einer Demokratie, die muss das aushalten, wenn Menschen andere Meinungen als andere haben“, sagte ein Mann, der sich ebenso wie viele in der Runde wegen ihrer Kritik in die rechte Ecke gestellt fühlen. Eine Mutter erklärte, nicht fremdenfeindlich zu sein, aber Angst vor Männern aus einem „komplett anderen Kulturkreis“ zu haben, „in dem Frauen oftmals nichts wert sind“.
Zur Demo sind aber auch Menschen aus dem Umfeld der früheren NPD angereist, die seit Juni offiziell unter dem Namen „Die Heimat“ agiert. Der Verfassungsschutz ordnet die Partei dem Rechtsextremismus und in Teilen dem Neonazismus zu. Zumindest Rainer Hatz, der Landesvorsitzende der „Heimat“ in Bayern, trat bei der Demo als Ordner auf. Auch in einem der Infokanäle von „Die Heimat“ beim Nachrichtendienst Telegram war zu der Demo eingeladen worden.
Gekommen waren auch Menschen, die mit der Nähe zur rechten Szene ein Problem haben und sich für die Aufnahme der Geflüchteten aussprechen. 25 Gegendemonstranten versammelten sich spontan auf der anderen Straßenseite. „Refugees Welcome“, also Geflüchtete willkommen, stand auf einem Banner. Eine Burgoberbacherin unterstrich, dass die Mehrheit der 3800 Einwohner offensichtlich schweigt. „20 Flüchtlinge sind lachhaft, andere Gemeinden haben mehr zu stemmen.“
Doch auch manche der Kundgebungsteilnehmer zeigten sich schockiert. Dass hier einer der NPD-Oberen als Ordner fungiere, habe er nicht gewusst, erklärte ein Mann im Gespräch mit den Gegendemonstranten.
Ein Burgoberbacher machte gegen Ende der Veranstaltung deutlich, dass er „immer noch nicht nein und immer noch nicht ja“ sagen wolle. Er erzählte von guten Erfahrungen mit Geflüchteten und davon, dass Demokratie „unser höchstes Gut“ ist – Applaus von beiden Seiten.
Dennoch wurde die Stimmung zum Schluss gereizter, eine junge Frau aus den Reihen der Gegendemonstranten ergriff das Wort. „Deutsche vergewaltigen genauso, Deutsche brechen genauso ein“, hielt sie der Menge entgegen und reagierte damit auf Behauptungen, Geflüchtete seien eine Gefahr. „Schnauze“, brüllte ein Mann dazwischen.
Die Versammlungsleiterin löste die Demonstration schließlich nach 35 Minuten auf – weil es zu sehr regnete, lautete die Begründung.