FLZ-Auszeichnung: Friedrich Rohm ist Ehrenamtlicher des Monats Februar | FLZ.de

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Veröffentlicht am 06.03.2026 07:00

FLZ-Auszeichnung: Friedrich Rohm ist Ehrenamtlicher des Monats Februar

Einmal in der Woche bietet Friedrich Rohm zusammen mit seiner Frau Lore einen Einkaufsdienst für ältere Menschen im Seniorenheim an. (Foto: Lore Rohm)
Einmal in der Woche bietet Friedrich Rohm zusammen mit seiner Frau Lore einen Einkaufsdienst für ältere Menschen im Seniorenheim an. (Foto: Lore Rohm)
Einmal in der Woche bietet Friedrich Rohm zusammen mit seiner Frau Lore einen Einkaufsdienst für ältere Menschen im Seniorenheim an. (Foto: Lore Rohm)

Wenn Friedrich Rohm ein Problem sieht, löst er es kreativ und unbürokratisch. Zum Beispiel bietet er einen Einkaufsdienst für Bewohnerinnen und Bewohner von Senioreneinrichtungen an. Das ist aber nur ein Bereich, in dem sich der 68-jährige Neuendettelsauer einbringt. Sein Engagement würdigt die Jury mit dem Ehrenamtspreis für Februar.

„Ich habe einen Sprachfehler – ich kann nicht ‚Nein‘ sagen”, verrät der gebürtige Merkendorfer mit einem Schmunzeln. Schon seine Eltern vermittelten ihm: „Wenn jemand in Not ist, da hilft man.” Als in Merkendorf eine Wasserwacht gegründet wurde, war Friedrich Rohm 14 oder 15 Jahre alt. Er war eines der ersten Mitglieder – und blieb, bis er mit 18 daheim auszog und in Neuendettelsau (Landkreis Ansbach) eine Ausbildung zum Krankenpfleger begann.

Leiter von drei Seniorenheimen

Das Helfen ist für Friedrich Rohm eine Selbstverständlichkeit. „Ich glaube, dass es in unserer Gesellschaft ganz wichtig ist, sich auch um andere zu kümmern”, sagt er. Sein Berufsweg führte ihn später in den Bereich der Altenpflege. Lange Zeit leitete er drei Seniorenheime in Neuendettelsau. Den Bewohnerinnen und Bewohnern dort fühlt er sich noch heute verbunden, auch wenn er inzwischen im Ruhestand ist.

Während der Corona-Pandemie wurde in Neuendettelsau ein Einkaufsdienst organisiert, um ältere und besonders gefährdete Personen zu schützen. Dank Friedrich Rohm und seiner Ehefrau Lore schlief das Projekt danach nicht wieder ein. „Für Menschen, die es nicht selbst können, gehen wir beide einmal in der Woche einkaufen”, berichtet er. Denn einige der älteren Leute sind nicht mehr gut zu Fuß, und in der Nähe wohnen auch keine Angehörigen. „Es gibt genug, die niemanden haben.”

Das Angebot nehmen meist zehn bis zwölf Personen auf einmal an. Die Seniorinnen und Senioren füllen eine Liste mit ihrer Bestellung aus. Die Einkäufe sortiert das Ehepaar Rohm in Boxen ein, die mit den Namen der Kundschaft beschriftet sind. Friedrich Rohm liefert sie anschließend direkt an den Zimmern ab. Wenn jemand nur ein paar Bananen bestellt hat, weiß er, dass vielleicht etwas ganz anderes dahintersteckt. „ Manche brauchen den Besuch mehr als Nahrungsmittel. Da ist es ganz wichtig, dass ich komme und man ein bisschen plaudert.”

Biergarten und Schuh-Einkaufsfahrten

Nach und nach hat Rohm sein Portfolio erweitert. Einige der Frauen und Männer beauftragen ihn inzwischen auch damit, bei der Bank Geld für sie zu holen. „Jetzt mache ich einmal im Monat einen Sparkassen-Dienst.” In den Sommermonaten organisiert er Biergarten-Fahrten. Mit dem Neunsitzer des Seniorenheims bringt er die älteren Menschen in einen der Biergärten im Umkreis. Selbst kommt er dabei selten zum Essen. „Bis ich die letzte Fuhre hingefahren habe, wollen die ersten schon wieder heim.” Zusätzlich bietet er im Frühjahr und Herbst Schuh-Einkaufsfahrten nach Merkendorf an, weil es in Neuendettelsau selbst kein Schuhgeschäft mehr gibt. „Ganz wichtig für die Damen.”

Privat kümmert sich Friedrich Rohm um seinen Bruder, der seit einem Arbeitsunfall vor über 20 Jahren mit einer schweren Behinderung lebt. Seine zupackende Art wird aber auch beim Unterstützerkreis „Sicherer Hafen” geschätzt. Die Initiative betreut Geflüchtete, die in Neuendettelsau untergebracht sind, darunter afghanische Ortskräfte und Menschen aus der Ukraine. Friedrich Rohm steht für den Fahrdienst zur Verfügung, wenn die Betreuten beispielsweise zum Arzt oder zu einer Behörde müssen. Heute wird sein Fahrdienst seltener gebraucht als am Anfang. Denn je mehr sich die Menschen integrieren, desto selbstständiger und mobiler werden sie.

Immer begleitet hat Friedrich Rohm über all die Jahre sein Engagement in diversen Posaunenchören, nicht nur als Bläser, sondern auch in verschiedenen Funktionen. Er war stellvertretender Leiter des Bezirksposaunenchors, arbeitete 20 Jahre lang im Verband evangelischer Posaunenchöre Bayern bei Lehrgängen mit, bildete viele junge Bläserinnen und Bläser aus und leitete zwölf Jahre lang den Posaunenchor in Merkendorf, ein Jahr aushilfsweise auch den in Heilsbronn. „Wenn es wo klemmt, dann mache ich das schon.”

Die Liebe zur Blasmusik entdeckt

Geweckt wurde die Liebe zur Blasmusik schon früh: Mit zwölf Jahren lernte er, Trompete zu spielen. Das war seiner kindlichen Neugier zu verdanken. Heimlich blies der damals Zwölfjährige in ein fremdes Instrument, weil er das einmal ausprobieren wollte – und wurde vom Besitzer auf frischer Tat ertappt. Der war aber gar nicht böse, sondern ermutigte ihn: „Mach nur weiter, das klingt schon ganz ordentlich.” So begann der junge Friedrich, das Trompetenspiel zu erlernen und verstärkte fortan die Reihen des Merkendorfer Posaunenchors.

Selbst als Jugendlicher, als er am Wochenende ausging und spät nach Hause kam, ließ ihn die Musik nicht los. Wenn der Chor im Gottesdienst blasen sollte und das Aufstehen in der Früh doch etwas schwerfiel, war es stets die Mutter, die ihn überzeugte: „Sie hat gesagt, der Gustav – das war der Chorleiter –, der wartet auf dich, der braucht dich doch.” Das Gebrauchtwerden motiviert ihn bis heute. Als er noch berufstätig war, sei das Trompetespielen sein Ausgleich gewesen: „Manchmal bin ich heim, in den Keller, und hab erst mal geblasen.”

Musiziert mit blindem Kantor Hermann Grünert

Eine besondere Musikerfreundschaft verbindet ihn mit dem früheren Neuendettelsauer Kantor Hermann Grünert. Er ist der Vater von Matthias Grünert, dem Kantor der Dresdner Frauenkirche. In seinem sechsten Lebensjahr war Hermann Grünert erblindet. „Mit ihm war ich sehr viel unterwegs”, erzählt Friedrich Rohm. „Für mich war erstaunlich, wie er sich als blinder Mensch zurechtgefunden hat.” Rohm blies Trompete, Grünert spielte an der Orgel.

Einmal probten sie vor einem Auftritt in der Stadtkirche Pappenheim. Ein junger Mann hörte zu. „Als wir fertig waren, habe ich gesagt: ‚Geh mit, Hermann, schauen wir uns noch die Kirche an.” Der Zuhörer fragte ihn daraufhin, ob er den blinden Menschen etwa veräpple. „Nein, nein”, habe er gesagt. Denn in der Kirche gibt es mehrere alte Grabsteine und Epitaphien. Hermann Grünert habe sie mit den Händen betastet „und ich habe ihm erklärt, was da steht”. Mittlerweile lebt Grünert in Berlin, noch oft trafen sich die beiden in Nürnberg und musizierten gemeinsam, wenn Grünert Musikunterricht an der Blindenschule gab. Gern würde er ihn einmal besuchen.

Bayerns ältester Posaunenchor ist in Neuendettelsau

Mittlerweile bläst Friedrich Rohm hauptsächlich beim Posaunenchor in Neuendettelsau. „Wir sind der älteste Posaunenchor in Bayern”, erzählt er stolz. Vergangenes Jahr hat er das 160. Jubiläum mitgeplant. Daneben organisiert er regelmäßig eine kleine Gruppe, die bei Beerdigungen auf den örtlichen Friedhöfen musiziert, bildet Jungbläser und -bläserinnen aus und bringt sich bei der Vormittagsbläsergruppe des Verbands evangelischer Posaunenchöre in Bayern ein. Dabei kommen einmal im Monat Bläserinnen und Bläser aus ganz Bayern zusammen. Zusätzlich ist er bei zwei kleinen Bläsergruppen – Fun Brass und Tibilustrium – aktiv.

Warum ist ehrenamtliches Engagement so wichtig? „Zum einen bereichert es das Zusammenleben in der Gesellschaft – das ist das wirksamste Mittel gegen Fremdsein, Neid und Hass, weil man sich kennenlernt”, bemerkt Friedrich Rohm. „Und zum anderen finde ich, Ehrenamt beschenkt immer beide Seiten.” Egal, ob es um die älteren Menschen oder die Geflüchteten geht – viele sind sehr dankbar für die Unterstützung, hat er erlebt. Ein guter Grund für ihn, sich weiter zu engagieren. „Das Ehrenamt hat mein Leben bereichert, und ich hoffe, auch das Leben vieler anderer.”

Für sein Engagement wird Friedrich Rohm bei der Aktion „Mein Ehrenamt” mit dem Preis für den Monat Februar ausgezeichnet. Sie kennen auch eine Person aus der Region, deren ehrenamtliches Engagement einen Preis verdient hätte? Dann schlagen Sie sie über unser Bewerbungsformular vor. Hier finden Sie alles zur Aktion.


Andrea Walke
Andrea Walke
... ist Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach und seit Dezember 2012 bei der FLZ. Sie fühlt sich in Rathäusern genauso wohl wie in Gerichtssälen und trifft am liebsten Menschen, die eine interessante Geschichte zu erzählen haben. Seit 2017 betreut sie redaktionell die Aktion "FLZ-Leser helfen".
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