Menschenkette gegen Rechtsextremismus: Demo vor dem Obernzenner Rathaus | FLZ.de

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Veröffentlicht am 25.01.2026 17:10

Menschenkette gegen Rechtsextremismus: Demo vor dem Obernzenner Rathaus

„Nie wieder ist jetzt!“ Für diese Überzeugung sind über 70 Menschen eingetreten und haben eine Menschenkette vor dem Obernzenner Rathaus gebildet. Damit soll der Gemeinderat symbolisch vor dem Einzug von AfD-Kandidaten geschützt werden. (Foto: Yvonne Neckermann)
„Nie wieder ist jetzt!“ Für diese Überzeugung sind über 70 Menschen eingetreten und haben eine Menschenkette vor dem Obernzenner Rathaus gebildet. Damit soll der Gemeinderat symbolisch vor dem Einzug von AfD-Kandidaten geschützt werden. (Foto: Yvonne Neckermann)
„Nie wieder ist jetzt!“ Für diese Überzeugung sind über 70 Menschen eingetreten und haben eine Menschenkette vor dem Obernzenner Rathaus gebildet. Damit soll der Gemeinderat symbolisch vor dem Einzug von AfD-Kandidaten geschützt werden. (Foto: Yvonne Neckermann)

In Obernzenn wehten am Samstag Fahnen mit Parolen wie „Bunt statt Braun“ oder „Gegen Hass und Hetze“: Über 70 Personen waren dem Aufruf des „Bündnisses gegen Rechts“ im Landkreis sowie der Initiative „Omas gegen Rechts“ aus Neustadt und Umgebung gefolgt und hatten eine Menschenkette vor dem Rathaus gebildet.

Die Aktion war Teil der Themenwoche „Rathäuser schützen” der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg. Damit soll die Kommunalpolitik symbolisch vor dem Einzug rechtsgerichteter Parteien in die Stadt- und Gemeinderäte geschützt werden. Wie die Organisatorinnen Corinna Gräßel vom Bündnis sowie die „Omas gegen Rechts“ Irmi Brenner und Christiane Binas-Kall erläuterten, habe sich Obernzenn als eines der Zentren des Rechtspopulismus im Landkreis etabliert. Sechs Kandidaten der AfD-Kreistagsliste stammen aus Obernzenn. Außerdem wurde ein Wahlvorschlag für den Gemeinderat eingereicht – landkreisweit die einzige AfD-Liste in einer Gemeinde neben jener in Bad Windsheim.

Herzlosigkeit der Gesellschaft mit Sorge betrachtet

„In Hinterzimmern wurden Kandidatinnen und Kandidaten aufgestellt, die nun im Netz und bei Info-Ständen übelste menschenverachtende Inhalte verbreiten“, prangerte Irmi Brenner an. Als Oma gegen Rechts könne sie nicht anders, als persönlich Stellung zu beziehen und dagegen zu demonstrieren. „Denn zur Demokratie gibt es keine Alternative!“

In Deutschland und in Europa sei es seit einigen Jahren wieder salonfähig, rassistische und diffamierende Äußerungen zu tätigen, kritisierte auch die Obernzennerin Christiane Binas-Kall. „Ich bin entsetzt über diese Entwicklung! Es wird eine Stimmung geschaffen, die uns glauben machen will, dass von Geflüchteten eine große Gefahr ausgeht.“ Dabei liege die wahre Bedrohung im Werteverlust und der zunehmenden Herzlosigkeit der Gesellschaft, in der Begriffe wie Remigration und Abschiebeoffensive geprägt würden.

Deutsche Nazi-Vergangenheit dürfe sich nicht wiederholen

Die AfD wolle eine Abschiebepolizei nach amerikanischem Vorbild etablieren. Geleugnet werde auch der von Menschen gemachte Klimawandel. Inhaltliche Lösungen für die großen Probleme der Gegenwart gebe es hingegen nicht. „Wollen wir Abgeordnete dieser Partei in unseren Rathäusern sitzen sehen? Wie lange wollen wir dem Marsch durch die Institutionen noch zusehen?“, fragte Binas-Kall. Sie sei in einer Generation aufgewachsen, in der es selbstverständlich gewesen sei, dass rechtsextreme Gesinnungen keinen Platz in dieser Gesellschaft haben. „Wir wurden erzogen mit der festen Überzeugung, dass sich die deutsche Geschichte der Nazi-Herrschaft niemals wiederholen darf.“ Deswegen gelte: „Nie wieder ist jetzt!“

An der Veranstaltung nahmen auch Vertreterinnen und Vertreter des Ortsverbands von Bündnis 90/Die Grünen teil. Schließlich, so Ortsverbands-Vorsitzender Fabian Danner, gebe es eine Reihe an inhaltlichen und personellen Überschneidungen mit dem Bündnis sowie den „Omas gegen Rechts“. Als Gastredner dankte er den Organisatorinnen und Organisatoren für ihren Einsatz.

Demo war von Zwischenrufen begleitet

„Einige der lautesten Stimmen der AfD im Landkreis kommen aus Obernzenn. Das macht mir Angst!“ Man sehe aber an diesem Tag vor dem Rathaus deutlich, dass es sich dabei um eine Minderheit handele. „Es gibt in dieser Gemeinde eine starke, stabile Mehrheit von Menschen, die sich klar gegen Hass, Herze und Menschenverachtung positionieren. Das macht Mut!“

Vor Ort waren auch rund ein Dutzend Personen aus dem gegnerischen politischen Lager, die versuchten, die Veranstaltung mit Zwischenrufen zu stören. Gegen die über 70 Teilnehmenden an der Menschenkette hatten sie aber akustisch kaum eine Chance. Mit dem Verlauf der Aktion zeigten sich die Verantwortlichen im Anschluss sehr zufrieden. „Trotz Minusgraden hat die Beteiligung unsere Erwartungen weit übertroffen“, so Binas-Kall.

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