Eine Menschenkette um „das Herz” der Gemeinde Adelshofen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 01.03.2026 17:36

Eine Menschenkette um „das Herz” der Gemeinde Adelshofen

Geschätzt knapp 250 Menschen haben am Samstagnachmittag eine Menschenkette um das Rathaus in Adelshofen gebildet, um es symbolisch zu schützen. (Foto: Clarissa Kleinschrot)
Geschätzt knapp 250 Menschen haben am Samstagnachmittag eine Menschenkette um das Rathaus in Adelshofen gebildet, um es symbolisch zu schützen. (Foto: Clarissa Kleinschrot)
Geschätzt knapp 250 Menschen haben am Samstagnachmittag eine Menschenkette um das Rathaus in Adelshofen gebildet, um es symbolisch zu schützen. (Foto: Clarissa Kleinschrot)

Dem Aufruf der „Omas gegen Rechts” waren geschätzt knapp 250 Menschen gefolgt: Sie versammelten sich am Samstagnachmittag am Rathaus in Adelshofen, um ein Zeichen für Demokratie und Vielfalt zu setzen – und das Rathaus mit einer Menschenkette symbolisch zu schützen. Die Aktion verlief laut Polizei ohne Zwischenfälle.

Angesprochen waren alle Bürgerinnen und Bürger aus der Gemeinde und dem Umland, die sich wegen des Erstarkens „rechtsradikaler und völkischer Gruppierungen” Sorgen machen, hatten die „Omas gegen Rechts” um die beiden Rothenburgerinnen Beate Zerkowski und Sabine Oerter in ihrer Einladung geschrieben. Dem Aufruf wurde aus allen Richtungen gefolgt. Die Menschen kamen mit dem Auto, zu Fuß oder per Fahrrad, es waren viele aus dem Umland zu sehen, unter anderem auch Landrat Dr. Jürgen Ludwig und mehrere Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der anliegenden Gemeinden.

Bürgermeister sprach zu Beginn

Bevor die symbolische Menschenkette gebildet wurde, gab es mehrere Redebeiträge. Adelshofens Bürgermeister Johannes Schneider (CSU) ergriff zuerst das Wort. Das langjährige Gemeindeoberhaupt, das sich für die Kommunalwahl am 8. März nicht wieder hat aufstellen lassen, sprach sehr deutlich und auch persönlich.

Er fing so an: „Es ist gut, dass wir zusammenkommen. Denn Demokratie lebt nicht davon, dass man sich zurückzieht. Sie lebt davon, dass Menschen Haltung zeigen.” Im Rathaus – er bezeichnete es als „Ort, an dem das Herz unserer Gemeinde schlägt” – werde entschieden, werde Verantwortung übernommen. „Und hier erleben unsere Kinder zum ersten Mal, was Gemeinschaft bedeutet, dass Zusammenleben mehr ist als das eigene Zuhause.” Dieses Haus stehe für Offenheit, Transparenz und Verantwortung. Die Menschenkette um das Rathaus solle keine Mauern errichten, sondern „symbolisch schützen”, wofür das Haus stehe: die „demokratische Ordnung und ein respektvolles Miteinander”.

Er ging auf die politische Lage in der Gemeinde ein. Zum Hintergrund: Zwei Männer wollen der Nachfolger von Schneider werden, der seit 24 Jahren Bürgermeister ist. Kristof Matthes (aktuell Gemeinderat) wurde im Rahmen der Nominierungsversammlungen der fünf Ortsteil-Wählergruppen als Bürgermeister-Kandidat gekürt. Für die AfD tritt Stefan Bininda an.

Schneider sagte am Samstag auf den Treppen des Rathauses: „In den vergangenen Monaten hat sich etwas verändert. Nicht nur in Berlin. Auch hier bei uns. Der Ton ist rauer geworden. Manche Grenzen werden verschoben. Und viele Menschen sind verunsichert. Das ist ernst zu nehmen.” Demokratie lebe auch vom Streit. Doch sie lebe nicht vom Unklaren, „nicht vom Andeuten, nicht vom Verbergen. Sie lebt von Klarheit. Von Offenheit. Von der Bereitschaft, sich vor die Menschen zu stellen.” Schneider weiter: „Wer Verantwortung übernehmen will, muss sichtbar sein. Muss Fragen beantworten. Muss sich Kritik stellen.”

Er betonte unter anderem auch: „Heute geht es nicht nur um eine Person. Es geht um unsere politische Kultur. Um einen Stil. Wir dürfen nicht zulassen, dass Misstrauen zur Methode wird. Dass Unklarheit zur Strategie wird.” Spaltung beginne nicht laut, sie beginne leise.

Er lobte die Organisatorinnen der „Omas gegen Rechts” und ging auch auf die „Regenbogenfarben” ein, die einige Bürgerinnen und Bürger vor ihren Häusern angebracht hatten. „Manche irritiert das”, sagte er. Doch diese Farben stünden nicht für Ausgrenzung, sondern „für das Versprechen, dass jeder Mensch hier seinen Platz hat. Und dieses Versprechen gilt für alle.”

Kein Platz für Extremismus

Er warnte auch ganz eindeutig: „Unsere freiheitlich-demokratische Ordnung ist die Antwort auf eine Zeit, in der Vereinfachung, Ausgrenzung und nationale Überhöhung unser Land ins Unglück geführt haben. Politische Kultur verändert sich nicht über Nacht.” Sie verändere sich durch Gewöhnung, Gewöhnung an einfache Antworten, Gewöhnung an Abwertung, Gewöhnung an ein Denken in „Wir” und „die Anderen”.

Es gehe nicht um Lager, sondern um die Frage: „Wie wollen wir in unserer Gemeinde leben? Wollen wir eine Gemeinde sein, in der man sich in die Augen schaut? In der Politik offen geschieht? In der Vertrauen durch Klarheit entsteht?” Schneider: „Für Extremismus gleich in welche Richtung ist hier in Adelshofen kein Platz.”

Auf den Bürgermeister folgten noch kurze Reden von Corinna Grässel von der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg sowie Pfarrer Johannes Raithel, bevor die Kette gebildet wurde. Grässel erklärte, dass die Allianz für eine „offene Gesellschaft” stehe, in der „Vielfalt als Stärke empfunden wird und alle Mitglieder der Allianz stellen sich entschieden gegen jede Form von Rechtsextremismus, Rassismus sowie Menschen- und Demokrativerachtung”. Sie betone, dass Demokratie kein Selbstläufer sei. „Sie lebt von Beteiligung, Haltung und von dem Mut aufzustehen.”

Pfarrer Raithel betonte, wie wichtig die Menschenketten-Aktion sei und schlug den Bogen in Richtung Kirche und Glauben. Er begrüßte auch speziell die jungen Menschen, die gekommen waren und sagte: „Wir alle sind politisch. Jeder Mensch ist ein politisches Wesen. Und darum äußern wir uns.”

Die „Omas gegen Rechts” zeigten sich „überwältigt” angesichts der Resonanz auf ihre Aktion. Mit so vielen Menschen hatten sie nicht gerechnet.

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