Früherer Präsident des Verwaltungsgerichts in Ansbach Dr. Peter Engel wird 90 | FLZ.de

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Veröffentlicht am 17.03.2026 21:00

Früherer Präsident des Verwaltungsgerichts in Ansbach Dr. Peter Engel wird 90

Der ehemalige Präsident des Ansbacher Verwaltungsgerichts Dr. Peter Engel feiert am 18. März 2026 seinen 90. Geburtstag. (Foto: Alexander Biernoth)
Der ehemalige Präsident des Ansbacher Verwaltungsgerichts Dr. Peter Engel feiert am 18. März 2026 seinen 90. Geburtstag. (Foto: Alexander Biernoth)
Der ehemalige Präsident des Ansbacher Verwaltungsgerichts Dr. Peter Engel feiert am 18. März 2026 seinen 90. Geburtstag. (Foto: Alexander Biernoth)

Sein 90. Geburtstag ist für Dr. Peter Engel ein ambivalentes Ereignis.

Am 18. März 1936 wurde Peter Engel in Berlin geboren, seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Unterfranken. Auf der einen Seite freut sich der ehemalige Präsident des Ansbacher Verwaltungsgerichts heute über seine körperliche Fitness, das glückliche Familienleben und seine Schaffenskraft. Auf der anderen Seite werde ihm die eigene Endlichkeit immer bewusster, wie er sagt.

Sein Vater, der Historiker Dr. Wilhelm Engel, wurde 1938 Lehrstuhlinhaber für mittelalterliche Geschichte, historische Hilfswissenschaften und fränkische Landeskunde an der Universität Würzburg. Zwei Tage vor seinem neunten Geburtstag erlebte Peter Engel den verheerenden Luftangriff auf Würzburg; daraufhin floh seine Mutter mit ihm zu Freunden nach Weikersheim, wo sie das Kriegsende erlebten.

Mit der Familie lebte Engel bis 1954 im katholischen Pfarrhaus in Fuchsstadt

Nach Würzburg zurückgekehrt, wurde ihr nicht zerstörtes Haus von der amerikanischen Besatzungsmacht beschlagnahmt und die Familie lebte bis 1954 in einem katholischen Pfarrhaus in Fuchsstadt bei Hammelburg. Peter Engel besuchte anfangs das Gymnasium in Hammelburg, war dann zwei Jahre im Alumneum und dem Gymnasium Carolinum in Ansbach und machte das Abitur schließlich in Würzburg.

Er studierte im Anschluss Rechtswissenschaften in Würzburg und Berlin, schloss sich der Studentenverbindung Franconia an und promovierte 1961 mit einer Arbeit über das Sozialversicherungsrecht. Nach der zweiten Staatsprüfung wurde Peter Engel 1964 Verwaltungsbeamter an der Regierung von Unterfranken und am Landratsamt Haßfurt.

Ab 1967 war er als Richter am Ansbacher Verwaltungsgericht in der fünften Kammer tätig. Seine Schwerpunkte waren Gewerbe- und Handwerksrecht sowie allgemeines Kommunalrecht. Im Alter von 39 Jahren übernahm er den Vorsitz der fünften Kammer und wurde damit der jüngste Vorsitzende Richter in Bayern, „worauf ich stolz war“, so Dr. Engel. 1993 wurde er Vizepräsident des Verwaltungsgerichts und von 1995 bis zu seiner Ruhestandsversetzung 2001 stand er als Präsident an der Spitze der Behörde.

Aus seiner richterlichen Tätigkeit sind ihm bis heute drei Fälle noch gut in Erinnerung. So wollte beispielsweise die Gemeinde Vestenbergsgreuth ihren Namen in Wiesengrund ändern. Die Bezirksregierung lehnte das Ansinnen ab, die Gemeinde klagte und verlor.

Ein anderer Fall war der eines Kunstsachverständigen aus Erlangen, der „merkwürdige Gutachten“ verfasste, so Dr. Engel. Er beurteilte Gemälde nach ihrem künstlerischem und nicht nach ihrem Marktwert. So kauften etliche Sammler Gemälde in der Meinung, einen wertvollen Besitz zu erwerben.

Urteile zum Wert von Kunst und Einstellung von Ärzten

Tatsächlich war der Marktwert aber wesentlich geringer als der Kaufpreis, und so sei beträchtlicher Schaden entstanden. Der Kunstsachverständige klagte gegen seine Aberkennung des Titels eines Sachverständigen und verlor. Der dritte Fall, an den sich Dr. Engel noch gut erinnert, ist der eines niedergelassenen Arztes aus Dinkelsbühl, der Belegarzt im dortigen Krankenhaus werden wollte. Er wurde abgelehnt, klagte dagegen und gewann.

Schon während seiner aktiven Zeit als Richter und Verwaltungsgerichtspräsident wurde ein anderes Interessenfeld von Peter Engel sichtbar. Er verantwortete 1996 die Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des Ansbacher Verwaltungsgerichts. Die Beschäftigung mit der Geschichte wurde sein großes Hobby im Ruhestand.

Seit 2001 widmet sich Dr. Peter Engel intensiv der Familienforschung und kann seine Vorfahren und die seiner Ehefrau Karin bis in die Zeit Luthers zurückverfolgen. Sowohl seine Vorfahren als auch die seiner Ehefrau sind im Umkreis des Reformators nachweisbar. Über hundert Aufsätze und Berichte hat Dr. Engel im Ruhestand unter anderem für die „Blätter für fränkische Familienkunde“, die „Zeitschrift für mitteldeutsche Familiengeschichte“ oder das „Jahrbuch des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins“ verfasst.

Seit 1964 ist Peter Engel mit Karin Ulmer verheiratet. Er hat mit seiner Ehefrau einen Sohn und zwei Enkelkinder. Seinen heutigen Geburtstag will Peter Engel im kleinen Kreis und dann am Sonntag im größeren Kreis feiern.

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