Pioniere im Landkreis: Wie in Gutenstetten die Grünen 1996 erste Schritte wagten | FLZ.de

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Veröffentlicht am 23.02.2026 17:00

Pioniere im Landkreis: Wie in Gutenstetten die Grünen 1996 erste Schritte wagten

Das Moderatoren-Duo Philip Löffler (links) und Annabelle Schwager (rechts) mit den Mitgliedern der ersten Stunde (weiter von links) Ursula Pfäfflin Nefian, Klaus Langhammer und Norbert Reinzuch. (Foto: Johannes Zimmermann)
Das Moderatoren-Duo Philip Löffler (links) und Annabelle Schwager (rechts) mit den Mitgliedern der ersten Stunde (weiter von links) Ursula Pfäfflin Nefian, Klaus Langhammer und Norbert Reinzuch. (Foto: Johannes Zimmermann)
Das Moderatoren-Duo Philip Löffler (links) und Annabelle Schwager (rechts) mit den Mitgliedern der ersten Stunde (weiter von links) Ursula Pfäfflin Nefian, Klaus Langhammer und Norbert Reinzuch. (Foto: Johannes Zimmermann)

Im Jahr 1996 war Schaf Dolly geklont worden, das Internet wurde langsam mehr als nur das Geräusch vom Modem, und in Gutenstetten wurde der Ortsverband der Grünen gegründet – als einer der ersten im gesamten Landkreis. Am Samstag wurde deshalb in Bergtheim eine große Sause gefeiert, mit Reden, Musik und Tanz.

Was muss zu einem 30. Geburtstag kredenzt werden? Ganz klar: 30 Liter Freibier. Und zu so einem runden Fest gehört natürlich auch der nostalgische Blick zurück. Den konnte das Moderatoren-Duo aber nicht bieten. Philip Löffler aus Münchsteinach war da gerade drei Jahre alt und der Windel entwachsen, die Gutenstettener Ortsverbandsvorsitzende Annabelle Schwager war zu dieser Zeit noch ein „theoretisches Zukunftsprojekt”. Das beweise, dass die Grünen in Gutenstetten „über Generationen gewachsen sind”.

In den Reihen gibt es aber durchaus noch Gründungsmitglieder und Urgesteine des Ortsverbands. Drei von ihnen berichteten über die Anfänge: Ursula Pfäfflin Nefian, Norbert Reinzuch und Klaus Langhammer. Bei der Vorgeschichte, die letztlich zur Gründung geführt hat, habe gewissermaßen „der politische Gegner geholfen”, erinnerte sich Langhammer.

Ein Spaziergang als Gründungsimpuls

Bei einem Spaziergang Richtung Kleinsteinach habe er sich furchtbar geärgert, dass in einer kleinen Schlucht Schutt verklappt wird. Also führte ihn mit Mitstreitern der Weg direkt ins Rathaus. Da aber herrschte ein „energischer Bürgermeister”. Grüne? „Wir sind hochkantig rausgeflogen.” Davon aber ließ sich die Gruppe nicht entmutigen, im Gegenteil.

Erste Treffen wurden privat eingefädelt, noch lange vor der Gründung, gerne im Abtenweg, in Gutenstetten auch als „grüne Straße” bekannt. Witzige Anekdote: Die jetzige Kreisvorsitzende Annemarie Bruckert aus Bad Windsheim hatte dort einst die Post ausgetragen, „da habe ich die Türen von Grünen entdeckt”, entsann sie sich in ihrem Grußwort. „Freundliche Haustüren” seien das gewesen, denen man „die Offenheit angesehen” habe. Ein schöner Moment sei das gewesen, da sie seinerzeit gerade selbst der Partei beigetreten war.

Von der grünen Schaltzentrale

Aus der grünen Abtenweg-Schaltzentrale heraus begann also, was heuer 30. Geburtstag feiert: grüne Politik in Gutenstetten, die Gründung des Ortsverbands. Zu tun hatte es genügend gegeben: Die Verhinderung eines geplanten Baugebiets mit 120 Parzellen etwa, „das hat uns ziemlich entsetzt”, gestand Reinzuch, „ein No-Go”. Und damals habe auch ein besonderes Motto gezählt: „Wer eine Motorsäge hatte, durfte grünpflegerisch tätig werden.” Die diversen Baumfällaktionen nannten an diesem Abend einige als Motivation, sich den Grünen anzuschließen.

Das Ziel, gleich bei der ersten Kommunalwahl jemanden ins Ratsgremium zu bekommen, „hat auf Anhieb geklappt”, so Langhammer. „Wir waren voller Ideen, voller Tatendrang”, schob Reinzuch nach. Sebastian Alberti war dann der zweite grüne Gemeinderat in Gutenstetten. „Das war anstrengend”, erinnerte er sich. „Die Grünen waren das Feindbild”, vor allem des Bürgermeisters. „Das war eine andere Zeit.”

Relevanz der Kommunalpolitik steigt

Reinzuch ergänzte: „Danach konnten wir aber einiges auf den Weg bringen.” Auch für die Kultur und die Gesellschaft hätten sich die Grünen seit jeher ins Gemeindeleben eingebracht, etwa mit dem Ferienprogramm, mit Konzerten und Ausstellungen oder mit der Laub- und der Müllsammelaktion.

Beim Blick in die Zukunft streifte Andreas Hartmann aus dem Grünen-Vorstand die großen Zukunftsthemen der Gemeinde Gutenstetten. Denn: „Die entscheidenden Fragen liegen nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft.” Die Rolle der Kommunalpolitik werde dafür vor Ort stetig relevanter, etwa für Kindergarten und Schule oder die Energie- und Verkehrswende. Und Gutenstetten ist bereits heute klimaneutrale Kommune, schließlich wird dort mehr Energie erzeugt als verbraucht. Hartmann: „Das ist eine feine Sache.”

Er wünscht sich jedoch dringend noch ein Geschäft für Gutenstetten – und wenn sich kein Händler finde, dann doch wenigstens Automaten für die Grundversorgung. „Wir haben aktuell gar nichts.” Digitaler soll die Gemeinde außerdem werden. Entsprechend, so betonte er, sei dieses Jubiläum kein Stillstand, „sondern ein Aufbruch”.

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