Leicht haben es sich die Verwaltungsräte von ANregiomed am Mittwoch nicht gemacht. Um 13 Uhr begann die nichtöffentliche Sitzung, in der es um die Zukunft der Krankenhausversorgung in Stadt und Landkreis Ansbach ging. In einer Pressemitteilung am Abend hieß es, dass „noch keine finale Entscheidung zum Strategieprozess getroffen” wurde.
Nach Informationen aus Teilnehmerkreisen zeigten sich beide Lager wenig kompromissbereit. Für eine Abstimmung, in der es um die Struktur der Krankenhauslandschaft in Stadt und Landkreis Ansbach geht, ist im Verwaltungsrat eine Dreiviertel-Mehrheit erforderlich. Somit genügen in dem zwölfköpfigen Gremium vier Gegenstimmen, um eine Entscheidung zu blockieren.
Dinkelsbühls Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer (CSU) hatte sich ebenso wie die beiden Grünen-Vertreter Gabriele Müllender (Rothenburg) und Oliver Rühl im Vorfeld klar positioniert. Alle drei wollten den Weg einer Herabstufung von Dinkelsbühl und Rothenburg zu intersektoralen Versorgungszentren - zumindest zum jetzigen Zeitpunkt - nicht mitgehen. Offenbar gab es mindestens einen weiteren Skeptiker im Gremium. Es sollen mehrere Vorschläge gemacht worden sein, doch es zeichnete sich ab, dass es nicht für die erforderliche Mehrheit reicht.
Es wird wohl ein weiterer Termin erforderlich sein. „Es bleibt weiterhin Aufgabe des Verwaltungsrats und des Unternehmens, nach Wegen zu suchen, wie ANregiomed mit Blick auf die Vorgaben der Krankenhausreform des Bundes, den wachsenden Personalmangel und die hohen Defizite weiterentwickelt werden kann“, werden Landrat und Verwaltungsratsvorsitzender Dr. Jürgen Ludwig und sein Stellvertreter Oberbürgermeister Thomas Deffner in einer Pressemitteilung zitiert.
Den Verwaltungsräten war klar, dass die Abstimmung eine der wichtigsten Entscheidungen seit Jahren ist. Außerdem wissen sie, dass die Menschen im westlichen Landkreis Ansbach Angst haben, medizinisch abgehängt zu werden, vor allem bei Notfällen.
Mehr als 36.000 Menschen haben bis Mittwochabend eine Online-Petition unterzeichnet, um auch im westlichen Landkreis weiterhin eine möglichst vollwertige medizinische Versorgung zu gewährleisten. Vor eineinhalb Wochen gingen in Dinkelsbühl und Rothenburg insgesamt 4000 Menschen auf die Straße, um sich für den Fortbestand der beiden Häuser in den beiden Städten im bisherigen Umfang einzusetzen.
Landrat Dr. Jürgen Ludwig als Vorsitzender des Verwaltungsrates wird seit Wochen nicht müde zu betonen, dass es nicht um eine Schließung der beiden Häuser geht. Er ging in die Sitzung am Mittwoch mit einem modifizierten Szenario 5 als Vorschlag, wie es von Teilnehmern im Vorfeld hieß.
In diesem werden Dinkelsbühl und Rothenburg zu intersektoralen Versorgungszentren herabgestuft, in denen es jeweils eine Abteilung für Innere Medizin und für Geriatrie sowie ambulante Behandlungen geben soll. Ludwig hat diesen Vorschlag um eine ausgedehnte Notfallversorgung ergänzt. Statt nur von 8 bis 20 Uhr soll diese 24/7 laufen, um den westlichen Landkreis nicht abzuhängen. Allerdings: Richtige Operationen, beispielsweise nach einem Verkehrsunfall, werden dennoch nicht möglich sein, denn eine Chirurgie wird es in diesem Szenario an beiden Häusern nur ambulant geben. Auch eine Anästhesie ist nicht Teil des Pakets.
Dinkelsbühl OB Hammer hatte im Vorfeld deutlich gemacht, dass ein intersektorales Versorgungszentrum aus seiner Sicht der Anfang vom Ende ist. „In ein paar Jahren haben wir nur noch die Gebäudehülle.”
Der Klinikverbund schreibt seit der Gründung 2013 rote Zahlen. Die Prognose fürs vergangene Jahr von 28,7 Millionen Euro hat sich nach neuesten Erkenntnissen zwar auf 16 Millionen Euro verbessert, darin sind aber fast fünf Millionen Euro Einmaleffekte enthalten. Für dieses Jahr stehen 29 Millionen Euro Minus im Wirtschaftsplan. In der Vergangenheit war häufig von notwendigen harten Einschnitten in die Struktur die Rede, doch diese blieben meist zaghaft. Die Reform des Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetzes erhöht den wirtschaftlichen Druck noch weiter.