2013 begann die Bedarfsfeststellung, am Sonntag wurde die offizielle Eröffnung des neuen Operationstrakts mit einem Tag der offenen Tür gefeiert. Die Bauzeit selbst an der Klinik Bad Windsheim dauerte rund vier Jahre. Das frühere Schwesternwohnheim fiel dabei im Herbst 2021 der Abrissbirne zum Opfer, um Platz für den Neubau zu schaffen.
„Sie waren clever und nutzen die einmalige Chance“, sagte Chefarzt Dr. Mathias Bender den wartenden Gästen, die bereits zu Beginn des Tages der offenen Tür Schlange standen. „Wenn der Operationssaal in Betrieb ist, kommen sie nicht mehr rein.“
Insgesamt drei „hochmoderne“ OP-Säle nimmt der neue Trakt auf, die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 20 Millionen Euro. 2021 kam eine Förderzusage von 16 Millionen Euro, rund 3,5 Millionen stemmt der Landkreis als Träger der Klinik.
Trotz der Kosten sei die Einweihung ein Grund zur Freude, betonte Landrat Dr. Christian von Dobschütz in seinem Grußwort. Es sei ein Zeichen für die medizinische Fortentwicklung und zeige, wie Medizin heute aussehen kann. Mit „Sorgenfalten auf der Stirn“ betrachte er jedoch die anstehende „fordernde Krankenhausreform, die im Moment stückweit einen Verdrängungswettbewerb“ schaffe. Der Kreis müsse handeln, zeitnah seien Gespräche und Workshops terminiert, in denen sich Gedanken über die weitere Strategie zu den Kliniken in Bad Windsheim und Neustadt gemacht werde.
Mit Bender stand ein Arzt hinter dem Mikrofon, der die Entwicklung zum zertifizierten Endoprothetik-Zentrum der Maximalversorgung an der Bad Windsheimer Klinik maßgeblich vorangebracht hat. Derzeit befinde sich die Klinik in diesem Bereich unter den ersten hundert Häusern in Deutschland. „Unser Ziel ist es, unter die ersten zehn zu kommen“, gab der Chefarzt als Ziel aus. Dazu beitragen werden neben den qualifizierten und engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die unisono in allen Redebeiträgen großes Lob erhielten, die besondere Technik. Kurz gesagt: Moderne Technik trifft Menschlichkeit.
Zur Technik gehört der MAKO-Roboter. Das System hilft Chirurgen bei Knieoperationen zur Implantation von künstlichen Gelenken, um eine noch höhere Genauigkeit zu erreichen und präzisiert Bewegungen der Operierenden.
Ähnliches gilt beim System ROSA-Roboter für Knie- und Hüftoperationen. Chirurgen werden dabei unterstützt, Knieprothesen mit millimetergenauen Daten an die individuelle Anatomie des Patienten anzupassen. Der Chirurg behält immer die Kontrolle über das Instrument, kann aber die Ergebnisse optimieren, was zu einer verbesserten Passgenauigkeit der Prothese und somit möglicher schnellerer Genesung führen kann, war zu hören.
Zu den weiteren Neuerungen gehört ein „innovativer Sterilgutflur“ sowie „individuell steuerbare Belüftungssysteme mit maximaler Luftreinheit“. Jeder OP-Saal kann separat gesteuert werden, was für maximal reine Raumluft sorgt, Keime verhindert und ideale hygienische Bedingungen schafft. Blutsparende Operationstechniken mit modernsten Anästhesie-Arbeitsplätzen sind ein weiterer Faktor in den neuen OP-Sälen.
Als Alleinstellungsmerkmal habe man nun den modernsten OP-Trakt in der gesamten Region, schreibt die Klinik in einer Pressemitteilung, der perfekt auf zukünftige Anforderungen zugeschnitten sei. Dass auch vermeintliche Normalität für die OP-Teams ein großer Sprung nach vorne ist, betonte Bender, als er auf die Lichtverhältnisse einging. Mit den Fenstern falle erstmals Tageslicht in die OP-Säle, „Licht im OP hatten wir jahrzehntelang so nicht“.
Bei aller Freude und Zufriedenheit sprach auch Mathias Bender die aktuellen Herausforderungen im Klinikbereich an. Zur Auslastung der neuen OP-Säle hatte er eine Bitte: „Empfehlen Sie uns weiter, wenn Sie Patient waren und eine Operation hatten. Sprechen Sie mit Freunden und Bekannten, wenn bei denen eine Knie- oder Hüftoperation ansteht. Leere OP-Säle verursachen einfach nur Kosten.“
„Mit diesem Neubau investieren wir in die Zukunft der Patientenversorgung. Wir möchten an diesem Tag zeigen, wie Hightech und Menschlichkeit in der modernen Medizin zusammenwirken“, sagte Klinikvorstand Stefan Schilling. Mit dem abwechslungsreichen Programm gelang das am Sonntag. Die zahlreichen Besucherinnen und Besucher erwarteten halbstündige Führungen durch den OP-Trakt, Fachvorträge der Ärzte sowie die Demonstration des MAKO-OP-Roboters mit Live-Erklärung durch Experten und einer Demonstration des neuen ROSA-OP-Roboters.
Hinzu kamen interaktive Stationen, zum Beispiel Laienreanimation oder Brusttasttraining in der Gynäkologie. Informationsstände von Anästhesie, Geriatrie, Hygiene, Physiotherapie, Sozialdienst und MVZ-Fachbereichen ergänzten das Angebot. Und auch an die Kinder wurde gedacht. Es gab eine eigene Teddy-Sprechstunde – die Kleinen konnten ihren Teddy zur Untersuchung mitbringen.
„Die Klinik Bad Windsheim ist heute ein weit über die Region hinaus anerkanntes Zentrum für Orthopädie und Endoprothetik. Dank modernster Medizintechnik können hier jährlich mehr als tausend Eingriffe auf höchstem Niveau durchgeführt werden. Darüber hinaus nutzen weitere Fachabteilungen wie die Gynäkologie, die Neurochirurgie und die Fußchirurgie den neuen Bereich“, schreibt die Klinik.