Die Zahlen haben das Zeug, ein Game-Changer zu sein, ein Element, das alles verändert. Statt der vorgesehenen 28,7 Millionen Euro Defizit hat ANregiomed im vergangenen Jahr nur 16 Millionen Euro Minus gemacht. Eine Größenordnung, mit der viele inzwischen zufrieden wären. Sind die Karten nun neu gemischt?
Am Wochenende machte eine E-Mail von Kreiskämmerin Elke Schmidt die Runde. Klinikvorstand Dr. Gerhard Sontheimer habe sie am späten Freitagnachmittag über die neue Entwicklung informiert, schreibt sie. Eine bessere Auslastung der Betten, mehr Mitarbeiter und weniger Honorarkräfte durch die Schließung der Klinik in Neuendettelsau waren die Hauptursachen, bestätigte ANregiomed auf Anfrage. Hinzu kamen gute Entgeltverhandlungen mit den Krankenkassen. Aus dem laufenden Betrieb ergibt sich ein Defizit von 21 Millionen Euro.
Zudem konnten fünf Millionen an Rückstellungen aufgelöst werden, die für Streitfälle mit dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) geschaffen worden waren. Für die Zukunft sei trotz der Verbesserungen entscheidend, „welche Leistungsgruppen zukünftig unseren Standorten zugeteilt werden“.
Die Zahlen sind noch nicht endgültig. Die Jahresrechnung liegt noch nicht vor. Die Wirtschaftsprüfer und der MDK werden diese noch durchgehen. Das könnte das Ergebnis noch verändern. Erheblich besser als vor einem Jahr befürchtet bleibt es allemal.
Die große Frage ist nun: Ändert das etwas am Abstimmungsverhalten der Verwaltungsräte an diesem Mittwoch in nichtöffentlicher Sitzung? Es geht darum, ob die beiden Kliniken in Dinkelsbühl und Rothenburg zu intersektoralen Versorgungszentren herabgestuft werden. Bei den Zukunftsszenarien des jüngsten Gutachtens ist das Ziffer 5. Geschätztes jährliches Defizit im Jahr 2029: 20 bis 22 Millionen Euro. In Szenario 5 gäbe es an beiden Standorten jeweils nur noch eine Abteilung für Innere Medizin und eine Geriatrie. Alle anderen Angebote wären ambulant.
Das hat nach dem derzeitigen Kenntnisstand zur Folge, dass beide Häuser in der Notfallversorgung kaum noch eine Rolle spielen werden. Auch wenn Landrat Dr. Jürgen Ludwig als Vorsitzender des Verwaltungsrates betont, dass er die Notfallversorgung an beiden Häusern rund um die Uhr aufrechterhalten will, gibt es erhebliche Bedenken von Notärzten, Rettungssanitätern und Hausärzten ebenso wie von Politikern und in der Bevölkerung im westlichen Landkreis, dass die Notfallversorgung erheblich leiden wird und sich zudem verteuert.
Im Vorfeld der Entscheidung hatten sich Dinkelsbühls Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer (CSU) und die beiden Grünen-Vertreter Gabriele Müllender (Rothenburg) sowie Oliver Rühl (Ansbach) gegen die Herabstufung positioniert. Weitere Verwaltungsräte sollen dem Vernehmen nach unentschlossen sein. Von den zwölf Mitgliedern (jeweils sechs aus dem Landkreis und aus der Stadt) müssen mindestens neun für die Veränderung stimmen. Sollte also noch ein Verwaltungsrat dagegen sein, wäre das Vorhaben gestoppt.
Am Montag kursierte unter Kreisräten das Gerücht, Landrat Dr. Jürgen Ludwig als Verwaltungsratsvorsitzender wolle die Abstimmung aufgrund der neuen Zahlen verschieben. Doch tags darauf zeigte sich: Es soll am Mittwoch abgestimmt werden.
ANregiomed hat der Darstellung widersprochen, dass während des weiteren Umbaus an der Klinik in Ansbach die Notaufnahme zeitweise nicht erreichbar wäre. „Der Betrieb erfolgt durchgängig und ohne Einschränkungen“, widersprach das Unternehmen der Darstellung von Grünen-Politikern.
ANregiomed kann auch jetzt bereits entscheiden und erhält dennoch Geld aus dem Transformationsfonds des Bundes, teilte das Landratsamt mit. Die Grünen hatten aus einer Formulierung im Gesetz geschlussfolgert, man dürfe erst ab Juli entscheiden, um die Förderung nicht zu gefährden. Das Gesundheitsministerium in Bayern stellte nun klar: „Trägerinterne Grundsatzentscheidungen, insbesondere strategischer oder planerischer Art, etwa zur Umstrukturierung bestehender Klinikstandorte stellen keinen ,Beginn’ der Umsetzung eines evtl. förderfähigen Vorhabens dar.“