Einer der schönsten Privatgärten liegt in Reusch | FLZ.de

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Veröffentlicht am 12.06.2023 16:12

Einer der schönsten Privatgärten liegt in Reusch

Die Zeit der Rhododendren-Blüte nähert sich dem Ende. (Foto: Ulli Ganter)
Die Zeit der Rhododendren-Blüte nähert sich dem Ende. (Foto: Ulli Ganter)
Die Zeit der Rhododendren-Blüte nähert sich dem Ende. (Foto: Ulli Ganter)

Eine Entdeckung ist zwischen Reusch und Geckenheim zu machen, die Gäste von weither anlockt und in der unmittelbaren Umgebung trotzdem nicht jedem bekannt ist: der Landschaftspark von Dr. Gerhard Herrmann.

In ein Buch der schönsten Privatgärten Deutschlands wurde er aufgenommen und lockt deshalb Gartenbauvereine bis hin aus Bremerhaven an. Fernsehkameras haben schon versucht, die Fülle einzufangen, die sich hier bietet.

„Schreiben Sie einfach: Hier hat sich der Traum eines kleinen Bubs von einem großen Garten erfüllt“, schlägt Gerhard Herrmann vor – braun gebrannt, sehr sorgfältig gekleidet, der Schalk blitzt ihm aus den Augen. Von seinem gut vier Hektar großen Refugium spricht der 93-Jährige wie von einer Geliebten, von der man mal Zurückweisung, mal Trost empfängt: „Wenn man es nicht sehr liebt, kann einen das Gärtnern auch enttäuschen“, aber auch: „Die Natur hilft Ihnen – auch, wenn Sie mal einen Fehler machen.“

Die Idee des englischen Landschaftsgartens erleben

Seinen Gärtnermeister Dieter Schwemmer weist er an, noch zu einem hoch gelegenen Punkt zu fahren, von dem aus man die Idee des englischen Landschaftsgartens erlebt: Der Park setzt sich nahtlos in die Umgebung fort, wo Heuballen, Hecken und Hügel das Bild aufs Schönste ergänzen. Herrmann bekennt mit einem Augenzwinkern, dass er auch außerhalb seines Grundstücks schon viele Bäume gepflanzt hat: „Manche bleiben stehen, andere werden wieder entfernt.“

Als er vor 1968 die Zellesmühle an der Iff entdeckte, hatte er gleich eine Idee, wie sich das Areal entwickeln könnte: Inzwischen sind große Bäume herangewachsen. Bereiche, in denen die Natur voll zu ihrem Recht kommt und andere, in denen der Gestaltungswille des Gärtners die Oberhand behält: Blühwiese, Kakteen- oder Badehaus, Weiher, mäandernder Bachlauf, Küchengarten, Allee und Weinberge. Die Wiese, auf der sich eine Gänseschar wohl fühlt; Sitzecken und Bänke, um an besonders schönen Ausblicken zu verweilen; Farbtupfer durch üppig blühende Rhododendren: „Aufs Detail kommt’s an“, betont Herrmann.

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Drei Leute sind beschäftigt, um dieses Paradies zu pflegen. Gärtnermeister Dieter Schwemmer ist seit mehr als 30 Jahren maßgeblich daran beteiligt. Durch die Fülle an Lebensräumen hilft sich die Natur oft selbst, erklärt er. Zum Beispiel habe man in der Zellesmühle kaum Probleme mit dem Buchsbaumzünsler. Dazu tragen auch die 34 Vogelarten bei, die ein Biologe hier festgestellt hat und deren Pfeifen und Gezwitscher die Luft erfüllt.

Schwemmer betreut die Baumschule Hof Zellesmühle, die vor dem Eingang des Privatgartens liegt. Die Kundschaft, die heute da ist, kennt er namentlich. Durch die gemeinsame Begeisterung fürs Gärtnern scheint eine besondere Beziehung zu entstehen.

Leidenschaft für fast vergessene Obstsorten

Seine neueste Leidenschaft ist das Züchten alter Obstbaumsorten. Durch den Streuobstpakt der Regierung hofft er, dass lange vergessene Apfel- und Birnensorten neue Verbreitung finden. In die Gärtnerei kann jeder, für den Besuch des Landschaftsparks muss man sich anmelden. Hinter dem Angebot steht vielleicht eine Mission – getreu dem Motto, das auf der Homepage prangt. Dort ist die Schriftstellerin Margot Bickel zitiert: „Den Garten teilen mit dem, der kommt, Fremder oder Freund, einfach ein wenig Geborgenheit schenken.“


Ulli Ganter
Ulli Ganter
Redakteurin
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