Aus der Unzufriedenheit nicht weniger Menschen über die Gesamtsituation in der Ansbacher Innenstadt könnte eine Art Gegenbewegung entstehen. Jedenfalls lässt die sehr rege Beteiligung an der zweiten Ideenrunde der Citywerkstatt sowie die Rückmeldung zu den bislang realisierten Projekten diesen Schluss durchaus vermuten.
Vor etwas mehr als einem Jahr war der Startschuss erfolgt für den auf Initiative der Ansbacher Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Stadt entstandenen Zusammenschluss. Bis dahin herrschte ein Klima der Unzufriedenheit, das von Argwohn und gegenseitigen Schuldzuweisungen geprägt war.
Ein Miteinander zwischen den Beteiligten der Innenstadt gab es kaum, persönliche Initiativen ploppten kurz auf, fielen aber aufgrund mangelnden breiten Rückhalts kaum auf und waren so sicher gut gemeint, aber keineswegs nachhaltig.
Die Ansbacher sehen, dass in ihrer Stadt etwas geht.
Galt die Stadt bis dahin mehr als potenzieller Gegner denn als partnerschaftlicher Mitspieler, hat sich diese Einordnung zumindest in Teilen geändert. Das „neue Miteinander“, das Oberbürgermeister Thomas Deffner (CSU) seit der ersten Zusammenkunft der Citywerkstatt nicht müde wird zu betonen, scheint allenthalben als guter Ansatz begriffen und goutiert zu werden.
Zumindest begründet Citywerkstatt-Moderator Gregor Heilmaier mit diesem faktisch nur schwer zu belegenden Eindruck den regen Zuspruch, als nun kürzlich die zweite Ideensammlung anstand. „Wir hatten viel mehr Menschen da als erwartet“, befand Heilmaier zu der rund 30-köpfigen Gruppe, die sich im Stadthaus zusammengefunden hatte.
„Die Ansbacher sehen, dass in ihrer Stadt etwas geht“, erklärte Marketingprofi Heilmaier, dem es mit dem Blickwinkel eines Außenstehenden offenbar gelingt, Interessen zu bündeln, gegenläufige Ansichten zuzulassen und Menschen auf dem fraglos steinigen Weg mitzunehmen. Auch der Oberbürgermeister, der zur zweiten Ideenrunde dazustieß, soll sich von der „coolen Stimmung“ angetan gezeigt haben.
Zumal die Macher der Citywerkstatt mit jeder der bislang umgesetzten Ideen neuen Rückenwind spüren. „Die Projektleiter der ersten Runde waren wieder dabei“, stellte Heilmaier neben „vielen neuen Gesichtern“ fest und interpretierte diesen Umstand als „ein gutes Zeichen“.
Bei dem zweiten „Pitch“, der im Englischen die kurze Präsentation einer Geschäftsidee vor einem Gremium bezeichnet, wurden insgesamt sieben neue Vorschläge präsentiert. Für jedes dieser Projekte standen dem Ideengeber drei Minuten vor dem Auditorium zur Verfügung. „Das passt alles gut zusammen“, urteilte Heilmaier, eventuell würden von den sieben auch zwei ähnlich geartete Ideen zusammengelegt.
Zwei Vorschläge drehen sich um das Thema Rad: So ist angedacht, zwei durch oder an der Stadt vorbeiführende Routen zu einer zu vereinen. Daneben ging eine Idee zur Möblierung der Innenstadt ein, was unter dem Begriff „Verbesserung des Wohlfühlklimas“ in der City einzustufen ist.
Zudem äußerte Theater-Intendant Axel Krauße den Wunsch, die zum Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus verlegten „Stolpersteine“ weiter auszubauen. Aus der Händlerschaft kam die Absicht auf, mit einer Art Glücksrad unter dem Motto „Ansbach dreht am Rad“ zusätzliche Verkaufsanreize zu schaffen. Und die aus vielen kleineren Orten bereits bekannte Einrichtung eines Adventsfensters wurde für die Umsetzung in Ansbach vorgeschlagen.
Im nächsten Schritt gilt es nun, Mitstreiter für die einzelnen Projekte zu finden. Gelingt das, werden im Anschluss die Kriterien für eine mögliche Umsetzbarkeit geprüft. Um dann in den Genuss einer Förderung zu kommen, müssen die Projekte bis Mitte 2024 realisiert sein.