Seit dem Wintersemester 2016/2017 bietet die Hochschule Ansbach ein Studium am Rothenburger Campus an. Zwei Studiengänge können dort besucht werden. Doch wo die Studierenden untergebracht sind und wie es ihnen hier ergeht, ist vielen unklar.
Interkulturelles Management (IKM) und Digital Marketing (DIM), so heißen die beiden Studienfächer, die in den Räumen der ehemaligen Luitpoldschule gelehrt werden, und zwar als Mix aus Onlinelehre und Präsenzveranstaltungen. Das scheint auch der Grund zu sein, wieso die meisten Studierenden nicht vor Ort wohnen, sondern pendeln.
Wer mit dem Auto anreist, kann es dank des vergünstigten Parktickets der Stadt für 12,50 Euro im Jahr direkt vor dem Campus auf dem Galgentor-Parkplatz abstellen. Ein faires Angebot, finden die meisten.
Dr. Florian Diener, Geschäftsführer des Transferzentrums Campus Rothenburg und wissenschaftlicher Mitarbeiter, schätzt, dass im aktuellen Sommersemester etwa 350 Studierende am Campus seien. Aus datenschutzrechtlichen Gründen habe die Hochschule allerdings keine Informationen zu den Wohnsituationen. Namentlich kennt Diener aber zehn Leute, die in Rothenburg wohnen.
Auch wurden laut ihm Umfragen zur Wohnsituation per Mail an die Studierenden verschickt, die auf freiwilliger Basis liefen. Doch auch hier seien keine nennenswerten Ergebnisse zu vermelden. Etwas über die Wohnorte der Studierenden am Campus Rothenburg zu sagen, sei also rein spekulativ; wäre „Kaffeesatzleserei“, wie Dr. Florian Diener es nennt.
Dass vermeintlich die wenigsten der Studierenden vor Ort eine Wohnung haben, begründet der Geschäftsführer des Campus damit, dass die Stadt zwar schön sei, aber eben „keine typische Studierendenstadt“. Die Masterstudentinnen Laura Gola und Emily Heinrich pendeln für ihre Präsenz-Vorlesungen aus Biberach und aus Chemnitz nach Rothenburg. Sie kennen aus ihrem Semester niemanden, der sich hier eine Wohnung genommen hat.
Wie Diener erklärte, habe die Hochschule mal eine Kooperation mit dem Eigentümer der Villa direkt neben dem Campus angeboten. In dem ehemaligen Hotel hätten die Studierenden Räume mieten können. Diese wären ihnen mit – nach eigenen Angaben – rund 500 Euro pro Zimmer jedoch zu teuer gewesen. Die gewünschte Mindestanzahl an Studierenden sei deshalb gar nicht erst zustande gekommen, wie Dr. Florian Diener von der Hochschule sagt.
Auch Julia Ahlfeld, Erika Wulf, Julia Neumann und Tajanne Preßler studieren im zweiten Semester DIM am Campus. Bis auf Tajanne Preßler wohnen alle in Nürnberg; Preßler kommt aus Köln. Zuerst habe sie in Ansbach eine Wohnung angemietet, dann jedoch schnell gemerkt, dass es sich nicht rentiere. Nun pendle sie regelmäßig von Köln nach Ansbach und übernachte dort immer wieder auf dem Sofa der ehemaligen Wohngemeinschaft.
„Es fehlen einfach Übernachtungsmöglichkeiten“, fasst sie die Lage zusammen. „Und das Drumherum“, fügt Julia Ahlfeld hinzu. Gemeint sind Bars oder geeignetere Essensmöglichkeiten. Das meiste sei nämlich zu teuer und eher auf Touristen ausgelegt. Rothenburg sei zwar eine schöne Stadt, für die Studierenden jedoch eher uninteressant.
Wie Erika Wulf erzählt, gebe es eine Kommilitonin, die über eine Facebook-Gruppe eine Familie ermittelt habe und dort ab und zu schlafe. Angebote wie diese gebe es aber leider noch zu wenige in der Stadt. Jedes Mal ein Hotelzimmer zu nehmen, sei auch zu teuer. Wulf schlägt deshalb vor, dass noch mehr Rothenburger ihre Räume für die wenigen benötigten Tage zur Verfügung stellen könnten. Beispielsweise Familien, die ein Zimmer leer stehen haben, weil ein Kind ausgezogen ist oder ähnliches.
Da die Kommilitoninnen Fahrgemeinschaften aus Nürnberg gebildet haben, seien sie trotzdem recht zufrieden mit der Situation. Es ist jedes Mal ein „schöner kleiner Ausflug“, wie Julia Ahlfeld sagt.
Im Bachelorstudiengang scheinen ebenfalls die wenigsten vor Ort zu wohnen. Salika Celikel und Dalyn Jallitsch Crujeiras pendeln aus Schweinfurt beziehungsweise Nürnberg mit dem Zug nach Rothenburg. Gemeinsam mit Gizem Karib, die aus Schrozberg mit dem Auto kommt, studieren sie im vierten Semester IKM. Auch für die drei Studentinnen ist, wie sie sagen, eine Wohnung in der Stadt nie in Frage gekommen, weil sie meist nur etwa ein Mal in der Woche am Campus sein müssten.
In ihrem Semester gebe es aber eine Studentin, die vor Ort wohnt. Diese komme aber auch gebürtig von hier und bildet damit womöglich die Ausnahme.