Bezahlbarer und zukunftsfähiger Wohnungsbau: ein großes Thema in Zeiten, in denen auch auf dem Land die Preise steigen und Mietwohnungen gesucht sind. Im Auftrag des Bauministeriums wurden 42 Modellprojekte ausgewählt, um Tipps für Planer oder Bauherren zu entwickeln. In der Auswahl dabei ist der Zennhäuser Weg 5 in Markt Erlbach.
Ein Bundesinstitut entwickelte im Forschungsprogramm „Zukunft Bau“ Handlungsansätze für Bauherren, Planende und Kommunen. Mehr als 60 Vorhaben bekundeten ihr Interesse, dabei zu sein. 42 wurden schließlich bundesweit ausgewählt. Darunter finden sich drei in Nordbayern: Neben Immobilien in Ansbach und Erlangen wurde auch die Baugemeinschaft Heffner-Müller-Feuerlein GbR in Markt Erlbach genauer unter die Lupe genommen.
Zukunftsfähigkeit – die ist für das Institut in ökologischer, sozialer und ökonomischer Hinsicht gefragt. Sozial und ökonomisch erreicht das Markt Erlbacher Wohnhaus mit insgesamt 16 Wohnungen Werte im guten Durchschnitt in der Konkurrenz mit den anderen fortschrittlichen Projekten. Ökologisch dagegen liegt es weit über dem Durchschnitt.
Wolfgang Heffner ist gleich in dreierlei Rollen mit dem Projekt verknüpft: Er plante es mit seinem Partner Manfred Müller, er betreute die Umsetzung des Projekts und er ist mit Manfred Müller und Thomas Feuerlein Teil der Baugemeinschaft, die es besitzt. Feuerlein gehörte das Grundstück neben der katholischen Kirche und gegenüber von Rangauhalle und Schwimmbad.
„Für uns war das schon ein besonderes Projekt, wir haben alle Energie ’reingesteckt“, erzählt Wolfgang Heffner. Diese Energie in Form von Hirnschmalz und planerischer Leistung führt dazu, dass weniger physische Energie zum Einsatz kommt: Nach dem Standard KfW 40+ wurde gebaut, der höchsten Förderstufe, zusätzlich kam ein Mieterstromprojekt hinzu, das aber so kompliziert ist, dass hier noch viel Energie verschwendet wird, um im Bild zu bleiben. Trotzdem ist Heffner überzeugt, dass dem Mieterstrommodell in einer leichter umzusetzenden Form die Zukunft gehört.
Auf einem der beiden Baukörper – der näher an der Straße gelegene könnte noch aufgestockt werden – ist eine PV-Anlage installiert. Drei Stromspeicher sorgen dafür, dass der Strom auch noch dann zur Verfügung steht, wenn die Sonne schon lange verschwunden ist. 60 bis 70 Prozent des Stroms, der in den 16 Wohnungen verbraucht wird, stammt vom eigenen Dach. Im Treppenhaus kann jede Mietpartei jederzeit nachvollziehen, wie viel davon produziert wird. Gut für die Haushalte: Der Mieterstrompreis ist etwa zehn Prozent günstiger als der Durchschnittspreis.
Die beiden Gebäude waren mit die ersten, die an das Nahwärmenetz in Markt Erlbach angeschlossen wurden. Eine dezentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung in allen Wohnungen sowie eine feuchte-gesteuerte Belüftung des Kellers gehören zu den Maßnahmen, die dafür sorgen, dass umweltfreundlich geheizt wird.
Auch umweltfreundliche Mobilität ist ein großes Thema: Es gibt extra Fahrradgaragen, alle Autogaragen haben eine Wallbox an der Wand, vor dem Haus sind zwei öffentliche Elektro-Ladestationen verfügbar. Drei Regenwasser-Zisternen können je zehn Kubikmeter Regenwasser zurückhalten, das für die Gartenbewässerung zur Verfügung steht. Alle Wohnungen im Erdgeschoss – also die Hälfte – sind barrierefrei, eine Rollstuhlfahrerin gehört zu den Mietern. Rentner, junge Leute, Familien mit Kindern, Ehepaare und Alleinstehende sorgen für eine gute Mischung im Haus.
In den Befragungen des Instituts hätten sich die Mietparteien auch sehr erfreut über die Lage geäußert: Schule, Rangauhalle, Schwimmbad, Kita ganz in der Nähe, genauso wie der Lebensmittelhandel, Arztpraxen und der Ortskern. Eine Physiotherapie- und Osteopathiepraxis belegt gar eine der 16 Wohnungen.
Für Wolfgang Heffner war die Zukunftsfähigkeit ein wesentlicher Antrieb bei der Planung und Umsetzung: „Die Häuser müssen auch in 20 bis 30 Jahren noch auf dem aktuellen Stand sein“, erläutert er seine Maxime. Diese Erfahrungen jetzt für weitere Mehrfamilienhäuser zu nutzen, ist allerdings nicht mehr sein Antrieb – Wolfgang Heffner und Manfred Müller wollen ihr Büro noch in diesem Jahr schließen.