Die Villa am Ansbacher Drechselsgarten ist Geschichte | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 09.05.2023 16:34

Die Villa am Ansbacher Drechselsgarten ist Geschichte

Der Bagger leistet ganze Arbeit: Mit einer Greifzange schnappt sich der Fahrer einzelne Teile und zerlegt sie feinsäuberlich. Recyclingfähiges Metall wird ebenso aussortiert wie Abfallreste. (Foto: Florian Pöhlmann)
Der Bagger leistet ganze Arbeit: Mit einer Greifzange schnappt sich der Fahrer einzelne Teile und zerlegt sie feinsäuberlich. Recyclingfähiges Metall wird ebenso aussortiert wie Abfallreste. (Foto: Florian Pöhlmann)
Der Bagger leistet ganze Arbeit: Mit einer Greifzange schnappt sich der Fahrer einzelne Teile und zerlegt sie feinsäuberlich. Recyclingfähiges Metall wird ebenso aussortiert wie Abfallreste. (Foto: Florian Pöhlmann)

Der Baggerfahrer führt den Greifarm beinahe zärtlich, mit dem tonnenschweren Gerät werden Abfälle und recyclingfähiges Material getrennt. Die ehemalige Villa am Drechselsgarten ist nun Geschichte. Auf dem Filet-Grundstück über den Dächern der Stadt soll ein neuer Wohnkomplex entstehen.

Lange wurde um die Baugenehmigung gerungen und Pläne verworfen, ehe die jetzige Version den Stadtrat und dann die Baubehörde passierte. „Seit Ende Januar“ liegt der amtliche Bescheid dem Investor nun vor, wie Ansbachs Baureferent Jochen Büschl bestätigte. Die Alexander Rothschild Liegenschaften GmbH, die bereits für den Umbau des gegenüber liegenden Hotel-Areals zu Wohneinheiten verantwortlich zeichnete, will auf dem einstigen Villen-Areal vier Mehrfamilienhäuser errichten.

Die wirkliche Größe des Grundstücks zeigt sich jetzt erst

Erst als der Bagger den von den Hinterlassenschaften der Handwerker übersäten Platz freiräumt, wird klar, wie groß das Grundstück wirklich ist: Der Drechselsgarten Nummer 4 und 6, so die offizielle Anschrift der aneinander grenzenden ehemals herrschaftlich daherkommenden Gebäude, gilt auch aufgrund seiner exponierten Lage hoch über Ansbach als eine gefragte Immobilie.

Die spektakulären Fernsicht, inmitten eines Viertels, das noch immer von großzügigen Anwesen geprägt ist, wird auch die geplanten Neubauten aufwerten: Entstehen sollen hier in einer H-Form vier zusammenhängende Wohngebäude.

Verschlankter Entwurf mit vier zusammenhängenden Gebäuden

Sie sind der Topographie am Hang angepasst, drei Teile werden dreistöckig-, eines nur zwei Etagen aufweisen. Insgesamt wurde der Entwurf entgegen früheren Ideen und nach dem Veto des Baureferats deutlich verschlankt. Sollte zunächst ein Großteil der Fläche von insgesamt beinahe 3500 Quadratmetern bebaut werden, dürfte sich der reduzierte Komplex nach Ansicht der Behörde und des Investors nun besser in die bestehende Strukturen einfügen.

Platz finden in dem Areal werden laut Rothschild-Geschäftsführer Matthias Hämmer 18 Eigentumswohnungen: Die kleinste Einheit wird über zwei Zimmer verfügen, die restlichen Drei- und Vierzimmerwohnungen werden zwischen 70 und 115 Quadratmeter groß ausfallen.

Zentrales Treppenhaus dient der Verbindung

Über ein zentrales Treppenhaus, das den fünften Block bildet, sind die vier Wohngebäude miteinander verbunden. „Erschlossen werden sie über Laubengänge“, führt Matthias Hämmer aus. „Das ist schon speziell“, meint er zu dem architektonisch individualisierten Entwurf: „Das schaut richtig fein aus.“ Der Weg rechts von der einstigen Villa verbleibt nach Absprache mit der Verwaltung in Händen der Stadt. 24 Stellplätze werden verteilt über drei Stellen angeordnet.

Vermarktung ist noch nicht angelaufen

Noch aber ist kein Fundament für den Neubau gegossen und keine der Eigentumswohnungen verkauft. Das hat zwei Gründe: Der Bauträger setzt bei seinen Vorhaben grundsätzlich auf Handwerker aus der jeweiligen Region. „Das ist unsere Philosophie“, sagt Hämmer und „eine große Herausforderung“. Entsprechend läuft die Vergabe der einzelnen Gewerke noch.

Der größere Stolperstein aber ist derzeit die Kalkulation der Preise. Das geschehe „mit spitzem Stift“, wie Hämmer augenzwinkernd meint. Doch Unsicherheitsfaktoren wie steigende Zinsen, die Inflation sowie die allgemeine Kostensteigerung in der Baubranche sind eben nur schwer vorauszuahnen und entsprechend einzupreisen.

Baubeginn nicht schon im Sommer

So ist der angedachte Baubeginn im Sommer nicht zu halten und inzwischen in die zweite Jahreshälfte verschoben, erklärt der Geschäftsführer. „Voraussichtlich im vierten Quartal“ werde begonnen. Ganz sicher bei all den Unwägbarkeiten? „Es ist geplant, dass wir es durchziehen“, meint Hämmer vielsagend.


Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
north