Am Wochenende laden wieder die Architektouren dazu ein, sich an tollen Gebäuden, fantasievollen Ideen und praktischen Lösungen zu erfreuen – oder auch Anregungen zu holen. Sie bieten zudem Einblicke in Privathäuser wie das von Klaus Unger-Friedewald und Heidemarie Friedewald in Oberscheinfeld.
Solche kreativen Lösungen werden in Zukunft sicher noch mehr gefragt sein. Schließlich ist das Bauen auf der grünen Wiese vergleichsweise einfach. Doch, wenn die Innenorte nicht aussterben und trist aussehen sollen, dazu noch ökologisch sinnvoll mit der vorhandenen Bausubstanz umgegangen werden soll, muss man sich mehr Gedanken machen.
Das zeigen alle drei Beispiele im Landkreis, die bei den diesjährigen Architektouren auf Neugierige warten: die Krippe in Neuhof, die direkt am Marktplatz liegt, das Dorfgemeinschaftshaus in der Hauptstraße in Welbhausen und das ehemalige Bauernhaus in Oberscheinfeld in der Langgasse 5.
Dass dort ein Berliner Architekt seine Ideen umsetzte, erklärt sich leicht, denn Guido Neubeck ist gebürtiger Oberscheinfelder. Mit seinem Mainbernheimer Berufskollegen Martin Zeltner war auch während der Bauzeit immer jemand vor Ort.
Die Besitzerfamilie wohnt nur drei Häuser weiter. Als sie das Anwesen erwarb, war die erste Idee, eine Scheune für das Wohnmobil und die vielen Motorräder von Klaus Unger-Friedewald zu haben. Dazu ein Obstgarten und eine Wohnung im Haus, in die bei künftigem Pflegebedarf einmal eine Pflegerin oder ein Pfleger mit Familie einziehen könnten.
Schon der Garagenplan scheiterte – am Brandschutz. Die Pläne begannen zu wachsen und zu gedeihen.
Neun Jahre wurde insgesamt in der Langgasse 5 gebaut. Ganz so lange war es zwar nicht geplant, aber Guido Neubeck war wichtig, dass das Projekt Stück für Stück angegangen wurde. Wenn irgendwann die Kraft, Lust oder die finanziellen Mittel ausgegangen wären, dann hätte man nicht auf einer großen Baustelle gestanden, sondern Teile nutzen können. Und auch die Pläne entwickelten sich mit der Zeit weiter.
Begonnen wurde mit dem Backhaus. „Früher war hier ein Konglomerat aus Pferde- und Schweinestall sowie einem Dörrhaus, es gab sogar schon einen Schornstein“, beschreibt Neubeck. Es wurde das moderne i-Tüpfelchen des Anwesens, das an allen Ecken und Enden etwas zum Staunen bietet. Multifunktionalität ist ein weiteres Stichwort, auf das der Architekt wert legt: Die fast professionelle Küche – einer der beiden Einbauten in der ansonsten nur behutsam renovierten Scheune mit dem offenen Blick in den Dachstuhl – kann sowohl für Feiern in der Scheune als auch im Backhaus genutzt werden oder für beides zusammen. Die drei Wohnungen im Haupthaus können getrennt genutzt oder zwei davon zusammengelegt werden.
Wände wurden herausgebrochen, Oberlichter für dunkle Schlafzimmer geschaffen, Bodenversätze mit einer Rampe ausgeglichen. Bei der Ausstattung ließ Heidemarie Friedewald sich von der Detailverliebtheit anstecken.
Wer weiß, vielleicht wird aus dem denkmalgeschützten Haupthaus einmal eine Senioren-WG, erzählt die bald 80-Jährige. Bei Feiern lässt sich genauso gut gehobenes Ambiente genießen wie das Zelt im Riesen-Garten aufschlagen, freut sich der Architekt.
Das ganze Dorf hat etwas davon: Das Anwesen wurde schon für den Oberscheinfelder Handwerkermarkt geöffnet. Wenn Friedewald sich erst einmal von dem zwar Freude spendenden und inspirierenden, aber auch kräftezehrendem Umbau erholt hat, schweben ihr auch die eine oder andere kulturelle Nutzung des Anwesens vor. Den richtigen Raum für eine Lesung, ein Konzert oder eine Ausstellung hat sie ja jetzt.
Drei der insgesamt 15 ausgezeichneten Projekte in Mittelfranken liegen in unserem Landkreis und können am kommenden Wochenende besichtigt werden.
Die Kinderkrippe am Marktplatz in Neuhof:
„Die zweigeschossige Kinderkrippe in Holzbauweise belebt eine Brachfläche in der historischen Ortsmitte“, schreibt die Bayerische Architektenkammer. Der Holzbau wurde im August 2023 fertiggestellt. Auftraggeber war der Markt Neuhof.
Architekten: Franke und Messmer aus Emskirchen
Besichtigung: am Samstag, 29. Juni, von 15.30 bis 16.30 Uhr und am Sonntag, 30. Juni, von 11 bis 12 Uhr
Adresse: Marktplatz 4 in Neuhof
Dorfgemeinschaftshaus in Welbhausen:
„Ein im Erdgeschoss barrierefreier Bau mit Teilunterkellerung und Dachbodenräumen in Hybridbauweise“, charakterisiert die Bayerische Architektenkammer dieses Gemeinschaftsgebäude. Die Stadt Uffenheim und die Dorfgemeinschaft Welbhausen sind die Bauherrinnen. Fertiggestellt wurde er im September 2022.
Architekten: Haas + Haas aus Eibelstadt
Besichtigung: am Samstag, 29. Juni, von 14 bis 17 Uhr
Adresse: Hauptstraße 40 in Welbhausen
Ehemaliger Bauernhof in Oberscheinfeld:
Das denkmalgeschützte ehemalige Bauernhof-Ensemble wurde revitalisiert und bietet nun vielseitige Räume für verschiedene Veranstaltungen, beschreibt die Bayerische Architektenkammer dieses Privatprojekt der Familie Klaus Unger-Friedewald und Heidemarie Friedewald. Es wurde im Dezember 2023 fertiggestellt.
Architekten: Guido Neubeck aus Berlin und Martin Zeltner aus Mainbernheim
Besichtigung: am Samstag und Sonntag, 29. und 30. Juni, jeweils um 13 Uhr (gemeinsamer Start). Von Scheinfeld kommend, liegt das Haus vor der Baustelle in der Langgasse. Man kann es auch vom hinteren Eingang her erreichen.
Adresse: Langgasse 5 in OberscheinfeldAuf der Homepage der Bayerischen Architektenkammer sind alle Projekte auch in den angrenzenden Landkreisen abzurufen.