Das Brauereiprojekt Hellein in der Merkendorfer Altstadt soll spürbar abgespeckt werden. Nachdem deutlich wurde, dass die Stadt die Modernisierung im ursprünglichen Umfang nicht stemmen kann, hat sich das Architekturbüro Gedanken über Einsparungen gemacht und diese nun im Stadtrat vorgestellt.
Als die Planungen 2018 begannen, standen Kosten von rund acht Millionen Euro im Raum, zuletzt waren es mit 15,7 Millionen fast doppelt so viel. Zu viel für Merkendorf. Die Stadt würde von der Tilgung der erforderlichen Kredite auf Jahrzehnte geknebelt und hätte keinerlei Gestaltungsspielräume mehr.
Das Architekturbüro Hochreiter-Lechner in Gunzenhausen hat die Pläne deshalb auf Einsparmöglichkeiten untersucht und überarbeitet. Möglichkeiten gibt es, aber statt eines weithin einzigartigen Leuchtturmprojekt mit integrierter Schau-Brauerei wird es nun wohl eher eine klassische Gastronomie mit Gästezimmern im historischen Ambiente.
Martin Lechner machte in der Sitzung am Donnerstagabend deutlich, dass eine spürbare Kosteneinsparung nur möglich ist, „wenn ganz elementare Teile wegfallen“. So soll nun ein rückwärtig (also an der Brauhausstraße) geplanter Anbau, in dem in weiten Teilen die geplante Brauereitechnik untergebracht werden sollte, komplett gestrichen. „Das sind rund 3000 Kubikmeter umbauter Raum, das macht sich dann natürlich kostenmäßig bemerkbar“, sagte Lechner. Das ist grob ein Drittel des Raumvolumens.
Auch die Terrasse und den Fahrradkeller darunter hat der Planer aus dem Konzept genommen. Eine Außenbestuhlung wird es trotzdem geben, aber vermutlich mit Stufen und vor allem ohne Unterkellerung. Auch ein Ausbau des bestehenden Kellers, um dort einen weiteren kleinen Gastraum unterzubringen, hat Lechner gestrichen. Weil insgesamt weniger Platz für Gäste wäre, wurde auch die Küche etwas kleiner.
Im ersten Obergeschoss sollen nun elf Gästezimmer geschaffen werden. Ursprünglich sah die Planung 17 Zimmer verteilt auf zwei Geschosse vor. Die im ersten Stock geplanten Räume für die Verwaltung sollen unters Dach wandern. Dort käme zudem die Gebäudetechnik unter. Lechner: „Es sind nun natürlich weniger Funktionen drin.“
Nicht gerüttelt werden soll aber am Treppenhaus samt Aufzug zwischen Brauereikomplex und Rathaus. Damit wird die Verwaltung barrierefrei erreichbar und es wird der zweite Rettungsweg geschaffen, der Vorschrift ist.
Die Kosten würden sich mit diesem Streichkonzert von den kalkulierten 15,7 auf etwa 10,5 Millionen Euro drücken lassen, sagte Lechner. Das ist aber gerechnet mit der kompletten Ausstattung, machte Bürgermeister Stefan Bach deutlich. „Da ist die Kaffeemaschine genauso dabei wie die Fernseher in den Gästezimmern.“ Ein Pächter könnte somit direkt loslegen.
Herbert Argmann (Bürgerforum) machte deutlich, dass die Stadt nicht fünf Millionen Euro einsparen wird. Denn natürlich wird es auch weniger Fördergelder geben. „Wir müssen nun klären, wie sich das genau auswirkt.“ Die übrigen Stadträte pflichteten ihm bei. Ohne konkrete Zahlen lasse sich keine endgültige Entscheidung treffen. „Wenn wir am Ende nur eine Million Euro einsparen, ist es Käse“, stellte Marco Lenz (Bürgerforum) klar. Keiner der anderen Stadträte widersprach ihm.
Einstimmig beschloss das Gremium, die bisherige Planung zu stoppen und mit den neuen Zahlen bei der Regierung von Mittelfranken vorstellig zu werden, um konkretere Aussagen zur Förderung zu bekommen. Günther Simon (Bürgerallianz) regte an, parallel zur weiteren Planung die Pächtersuche voranzutreiben. Der Bürgermeister versicherte, dass das natürlich geschehe.
Die Umplanung wird das Vorhaben nun ausbremsen. Der für Herbst anvisierte Baubeginn wird nicht zu halten sein. Das wirkt sich auch auf die beteiligten Planungsbüros aus. „Allein bei uns sind vier Leute an dem Projekt beteiligt“, stellte Martin Lechner in der Sitzung fest. Das ist ein Drittel der Belegschaft, denen nun die Arbeit weggebrochen ist. Auch andere beteiligte Büros würden es spüren, wenn nun alles kleiner und später umgesetzt wird.