Werden die Kliniken in Dinkelsbühl und Rothenburg herabgestuft? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 12.02.2025 19:46

Werden die Kliniken in Dinkelsbühl und Rothenburg herabgestuft?

Sie wollen um den Erhalt der Krankenhäuser in Dinkelsbühl und Rothenburg als Grund- und Regelversorger kämpfen (von links): Dr. Petra Ziegler, Dr. Christoph Hammer, Dr. Markus Naser und Michaela Ebner. (Foto: Evi Lemberger)
Sie wollen um den Erhalt der Krankenhäuser in Dinkelsbühl und Rothenburg als Grund- und Regelversorger kämpfen (von links): Dr. Petra Ziegler, Dr. Christoph Hammer, Dr. Markus Naser und Michaela Ebner. (Foto: Evi Lemberger)
Sie wollen um den Erhalt der Krankenhäuser in Dinkelsbühl und Rothenburg als Grund- und Regelversorger kämpfen (von links): Dr. Petra Ziegler, Dr. Christoph Hammer, Dr. Markus Naser und Michaela Ebner. (Foto: Evi Lemberger)

DINKELSBÜHL/ROTHENBURG - Ist die Entscheidung für die Herabstufung der Krankenhäuser in Dinkelsbühl und Rothenburg gefallen? In einer nichtöffentlichen Kreistagssitzung ergab eine Abfrage für ein Stimmungsbild genau dieses Szenario. Doch noch geben die beiden Städte nicht auf.

Die Abstimmung im Kreistag brachte nach FLZ-Informationen eine klare Zweidrittelmehrheit für intersektorale Versorgungszentren in Dinkelsbühl und Rothenburg. Was genau sich hinter der Wortneuschöpfung verbirgt, ist nicht definiert. Aber es läuft auf mehr ambulante Behandlung hinaus. Im Strategieprozess von ANregiomed handelt es sich um das Szenario 5, das an beiden Standorten nur noch jeweils Abteilungen für „Allgemeine Innere Medizin“ sowie den Aufbau einer Geriatrie (Altersmedizin) vorsieht. In der Darstellung auf der Internetseite von ANregiomed gibt es für beide Häuser noch den Punkt „Weiteres“. Was sich dahinter verbirgt, bleibt offen.


Am Ende haben wir keine Krankenhäuser mehr.

OB Christoph Hammer

Notfallversorgung gibt es in diesem Szenario an beiden Häusern nur von 8 bis 20 Uhr. Die Schlaganfalleinheit in Dinkelsbühl ist damit ebenso Geschichte wie die Kardiologie in Rothenburg. Die Dinkelsbühler Leuchtturmabteilung der Endoprothetik soll nach Ansbach umziehen. Chirurgie gäbe es nur noch ambulant.

Für Dinkelsbühls Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer (CSU) bedeutet der „politische Kompromiss“ für die beiden Städte, „dass sie am Ende keine Krankenhäuser mehr haben“. In wenigen Jahren sei „nur noch die Gebäudehülle“ da.

Nach der Kostenschätzung der Gutachter lässt sich mit diesem Szenario das jährliche Defizit auf 20 bis 22 Millionen Euro drücken. Der Erhalt des Status quo (allerdings ohne die Stroke Unit in Dinkelsbühl) würde hingegen ein Minus von etwa 30 bis 33 Millionen Euro jährlich verursachen. Angesichts der Kostenaufteilung – 70 Prozent Landkreis und 30 Prozent Stadt Ansbach – fragt Rothenburgs Oberbürgermeister Dr. Markus Naser (Freie Rothenburger Vereinigung) deshalb ziemlich fassungslos: „Sind uns die beiden Krankenhäuser keine sieben Millionen Euro wert?“

Weitere Wege für die Retter

Als Notvergaben nötig wurden, weil ein Busunternehmer aufgehört hat, waren die Kreisräte sehr schnell bereit, zwölf Millionen Euro zusätzliche Kosten zu genehmigen, merkt sein Dinkelsbühler OB-Kollege im Gespräch mit der FLZ an. Einrichtungen wie Straßen oder Schulen würden nun einmal Geld kosten, machte Hammer deutlich. Doch man sei nicht bereit, zwei funktionierende Krankenhäuser mit hoher Patientenbindung und Personaltreue zu unterhalten.

Hinzu komme, dass ohne die 24-Stunden-Notfallversorgung an den beiden Häusern auch die Notarztversorgung teurer wird, machte zudem Dr. Petra Ziegler, die Vorsitzende des Dinkelsbühler Krankenhaus-Fördervereins, deutlich. Die Rettungswagen und die Notärzte müssten weitere Wege auf sich nehmen, um ein Krankenhaus zu erreichen. Das kostet Zeit, die durch zusätzliches Personal kompensiert werden müsste.

„Das wird Menschenleben kosten“, fürchtet Naser und verweist auf ein Gutachten zur Notfallversorgung, das bislang nicht öffentlich gemacht worden ist. „Wir brauchen diese Häuser“ – und zwar als Grund- und Regelversorger, wie er betont.

Eine Frage der Werte

Die Zwänge, unter denen Stadt und Landkreis Ansbach stehen, seien auch den Menschen im westlichen Landkreis bewusst, unterstrich Michaela Ebner, die Vorsitzendes Krankenhaus-Fördervereins Mediroth. „Es geht darum: Welche Werte vertreten wir?“

Naser sprach von einer „katastrophalen Botschaft“ an die Bevölkerung im westlichen Landkreis ebenso wie an die Beschäftigten in den beiden Kliniken. „Man spricht den Mitarbeitern dort ihr Lebenswerk ab“, fasste es Hammer zusammen. Die Menschen im westlichen Landkreis seien schlicht „fassungslos“. Für Hammer ist das Öl ins Feuer der Politikverdrossenheit: „Die Bevölkerung verliert das Vertrauen, dass die Entscheidungsträger das Richtige machen.“

Die Patienten würden nach der Herabstufung der beiden Häuser nicht ins Ansbacher Klinikum gehen, da waren sich Naser und Hammer ebenso einig wie Ziegler und Ebner. Das habe schon die Schließung der Gynäkologie in Rothenburg gezeigt. Die Zahlen in Ansbach wurden deshalb nicht besser. Die Vier sind sich einig, dass es auch beim Personal kaum jemand geben dürfte, der bereit sei, ins Haupthaus nach Ansbach zu wechseln.


Es geht um eine der weitreichendsten Entscheidungen seit Jahrzehnten.

Michaela Ebner

Hammer ärgert sich auch, dass die Debatte nichtöffentlich geführt wird. Mit seinem Antrag, die Öffentlichkeit zuzulassen, habe er im Kreistag keine Mehrheit gefunden. „Mir ist es zuwider, das so versteckt zu machen.“ Michaela Ebner kann ebenfalls nur den Kopf schütteln. „Es geht um eine der weitreichendsten Entscheidungen seit Jahrzehnten!“

Das Landratsamt begründet die Nichtöffentlichkeit damit, dass bei einer Diskussion über ANregiomed regelmäßig „Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse und auch Personalangelegenheiten berührt“ würden, die zwingend nichtöffentlich besprochen werden müssten. Nicht umsonst seien auch die Sitzungen des Verwaltungsrates stets nichtöffentlich.

Ob es wirklich zu den intersektionalen Versorgungszentren kommt, liegt nun in den Händen des ANregiomed-Verwaltungsrates. Dieser soll am Mittwoch, 19. Februar, entscheiden, wie es weitergeht. Weil es sich um eine Grundsatzentscheidung zur Struktur der Kliniklandschaft handelt, ist eine Zweidrittel-Mehrheit erforderlich. Das bedeutet: Wenn vier der zwölf Verwaltungsräte dagegen stimmen, wären die Pläne gestoppt.

OB Naser hofft, dass sich bei den Verwaltungsräten noch die Erkenntnis durchsetzt, dass es gut ist, einen langen Atem zu haben. Angesichts von vielerorts angekündigten Klinikschließungen sei klar, dass bei gleichbleibender finanzieller Ausstattung des Gesundheitssystems die überlebenden Häuser in ein paar Jahren profitieren.

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