Was bedeutet es, alt zu sein – oder jung? Gab es eine Kindheit im Mittelalter? Und wie verändern sich unsere Vorstellungen vom Lebensende, wenn wir genau hinschauen? Die neue Staffel der Rothenburger Diskurse blickt auf Kindheit, Jugend, Altern und Sterben – mit Einblicken in Kunst, Geschichte und Medien.
Starten wird das Programm am Freitag, 24. Oktober. Dann finden die Vorträge monatlich statt, immer freitags, 19 Uhr. Nur der Dezember wird ausgespart. Seit über einem Jahrzehnt sind die Rothenburger Diskurse ein Ort für den Austausch zu kulturellen und historischen Themen. Die Vortragsreihe ist inzwischen fester Bestandteil des Campus Rothenburg – in enger Zusammenarbeit mit der Stadt.
Mit der neuen Staffel unter dem Titel „As Time Goes By – Lebensalter im Blickpunkt“ widmet sich die Reihe grundlegenden Fragen menschlicher Entwicklung. Vier Vorträge beleuchten Kindheit, Jugend, Altern und Sterben – aus Sicht der Palliativmedizin, Kommunikationswissenschaft, Kunst- und Kulturgeschichte.
„Wir arbeiten hier im arbeitsseitigen Verbund”, so Dr. Florian Diener, Geschäftsführer des Campus Rothenburg. Tourismusdirektor Dr. Jörg Christöphler und sein Team übernehmen die Pressearbeit, während das Campusteam Veranstaltungsorganisation und das Marketing übernimmt.
Im vergangenen Jahr – dem ersten, in dem der Campus und die Stadt Rothenburg bei den Rothenburger Diskursen zusammenarbeiteten – sei die Reihe „sensationell“ angekommen, erinnert sich Christöphler. Zwar gibt es die Diskurse bereits seit über einem Jahrzehnt, doch der neue organisatorische Verbund habe für einen deutlichen Schub gesorgt.
Zum ersten Vortrag kamen 40 bis 50 Personen, Thema war Kant. Beim zweiten Abend mit dem Titel „Ist die Musik Wagners antisemitisch?“ sei die „Bude voll“ gewesen: 60 Besuchende waren dabei. Auch der dritte und vierte Vortrag seien sehr gut gelaufen – nach einem Ortswechsel in die Turnhalle. „Der Raum war brechend voll mit 120 bis 140 Besuchern“, freut sich Christöphler. Themen waren damals der Bauernkrieg und Rothenburgs Schätze.
„Das war ein guter Auftakt“, freuen sich die beiden. Inzwischen habe sich die Reihe etabliert. Christöphler betont: „Das Programm ist jetzt echt Dr. Dieners Brain“, er ist also der Kopf hinter der Planung. Und dieses neue Programm folgt einem roten Faden: Wie die Zeit vergeht – ein Thema, das alle betreffe. Es geht um die Lebensalter, „in denen wir alle irgendwo mal stehen“, erklärt der Tourismusdirektor.
„Das Thema hat sich natürlich ergeben“, erzählt Diener. Den Anstoß gab Silke Berkmann vom Hospizverein. Sie empfahl den Palliativmediziner Dr. Roland Hanke als ersten Vortragenden. Er wird am Freitag, 24. Oktober, ab 19 Uhr zum Thema „...Ach, wäre ich doch nur schon einmal gestorben!“ – Rückerinnerung an das künftige Leben sprechen. Hanke berichtet aus seiner Arbeit mit Sterbenden – über Lebensrückblicke, wahre Werte, Freundschaft und das, was zählt, wenn Erfolg und Besitz in den Hintergrund treten.
Auch Diener selbst wird vortragen. Am Freitag, 21. November, 19 Uhr stellt er unter dem Titel „#Oldbutgold – mediale Repräsentation höheren Alters zwischen Instagram und Intensivstation“ seine Forschung vor. Als Kommunikationswissenschaftler beschäftigt er sich mit Altersbildern in der Werbung. Wie werden ältere Menschen dargestellt? Was sagt es über unsere Gesellschaft aus, wenn Werbung zu älteren Menschen zwischen dem Aktivitätsideal und konträr dazu der Pflegebedürftigkeit schwankt?
„Das, was wir glauben, wie Männer, wie Frauen, wie bestimmte Personen in einem Alter sein sollten, wie sie sich anziehen sollen, welche Hobbys sie haben, ob sie arm oder reich sein sollten – all das lernen wir ständig in den Medien“, erklärt Diener.
Das höhere Alter bewege sich in den Medien in einem Spannungsfeld. In verschiedenen Mediengattungen würden ältere Personen eher negativ konnotiert – Stichworte seien dabei: Pflegenotstand, Überalterung, Altersarmut oder demografischer Wandel. Boomer als Buzzword sei auch zu einem „Schimpfwort verkommen“, so Diener.
Der dritte Vortrag findet am Freitag, 23. Januar 2026, ebenfalls 19 Uhr, statt. Kunsthistorikerin Angelina Mühl spricht über „Jugend, Tod und Tugend in der Kunst“. Sie erforscht in ihrer Masterarbeit Jugenddarstellungen bei nordalpiner Aktdarstellung.
Bedeutet: Inhalte sind Werke von Künstlern wie Dürer, Cranach oder Hans Baldung Grien. „Dabei werden tiefgreifende Vorstellungen von Weiblichkeit herausgearbeitet, die bis heute nachwirken“, erklärt Diener. Lange Haare, gepflegte Haut – Schönheitsideale, die im 15. Jahrhundert visuell verankert wurden, seien heute noch präsent. Mühl analysiert die Semantik dieser Darstellungen und zeigt: Viele ästhetische Maßstäbe haben ihre Wurzeln in der Kunst der frühen Neuzeit.
Der letzte Vortrag am Freitag, 13. Februar 2026, 19 Uhr, führt schließlich zurück zur Kindheit – und ins Mittelalter. Dr. Andreas Kuhn vom Haus der Bayerischen Geschichte spricht unter dem Titel „Steckenpferd statt Skateboard, schuften statt chillen – Kinder im Mittelalter“. Dabei gibt er bereits erste Einblicke in die Bayerische Landesausstellung 2028, die unter gleichem Thema auch nach Rothenburg kommen wird.
„Man kann schon mal Lust machen und weiß: da kommt was“, sagt Diener. Kindheit im Mittelalter? Die war alles andere als behütet: „Da hatten sie keine behutsame Kindheit, in der sie sich explorativ entfalten konnten.“ Kinder galten eher als Arbeitskräfte – ein pädagogisch geschützter Raum entstand erst im 19. Jahrhundert.
Vier Vorträge, vier Perspektiven auf das Leben und auf die Zeit, die alle Menschen betrifft: Die Zeit, die wir durchleben.