Transparenz in Sachen Theater Ansbach gefordert: Die Stadt wiegelt ab | FLZ.de

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Veröffentlicht am 10.09.2024 14:30

Transparenz in Sachen Theater Ansbach gefordert: Die Stadt wiegelt ab

Leere Zuschauerreihen: Unter diesen Sitzen liegt ein Großteil des Problems. Das ist inzwischen klar. Eine Lösung oder einen Fahrplan für Umbauarbeiten gibt es aber immer noch nicht. (Foto: Tizian Gerbing)
Leere Zuschauerreihen: Unter diesen Sitzen liegt ein Großteil des Problems. Das ist inzwischen klar. Eine Lösung oder einen Fahrplan für Umbauarbeiten gibt es aber immer noch nicht. (Foto: Tizian Gerbing)
Leere Zuschauerreihen: Unter diesen Sitzen liegt ein Großteil des Problems. Das ist inzwischen klar. Eine Lösung oder einen Fahrplan für Umbauarbeiten gibt es aber immer noch nicht. (Foto: Tizian Gerbing)

Seit mehr als einem halben Jahr ist das Große Haus im Theater Ansbach geschlossen. Aufgrund erheblicher Mängel im Brandschutz und der Belüftung hat die Stadt das Herzstück der Spielstätte auf Eis gelegt. Seitdem brodelt die Gerüchteküche. Nun verlangt der Förderverein des Theaters Aufklärung – von Oberbürgermeister Thomas Deffner.

Die Zwangsschließung des Großen Hauses am 12. Februar, die beinahe über Nacht erfolgte, war auch für den Förderverein ein Schock. Viele theateraffine Ansbacher und Ansbacherinnen machen sich seitdem Sorgen um das Theater. Nur wenige Wochen danach rief der Förderverein einen Stammtisch ins Leben, bei dem sich die Mitglieder und interessierte Bürger über den aktuellen Stand in der T-Frage austauschen. Doch wie das nun mal so ist bei Stammtischen: Dabei kann kaum auf verifizierte Tatsachen zurückgegriffen werden. Vielmehr regiert der Konjunktiv, Gerüchte werden kolportiert, ein Füllhorn an Halbwissen ausgetauscht und Pläne für eine bessere Zukunft geschmiedet.

Klar ist für den Vorsitzenden des Fördervereins, Wolfgang Neumann, aber eines: „Der Förderverein wird alles tun, um das Theater zu unterstützen, wann immer es möglich und nötig ist. Das ist in dieser schweren Zeit eine Herausforderung. Aber der stellen wir uns.“ Wobei, und das macht einen großen Teil der „schweren Zeiten“ aus, es noch nicht einmal ansatzweise klar ist, wie es nach der Feststellung der beim Umbau des ehemaligen Borkholder-Hauses gemachten Fehler weitergeht.

Fragen, wie es weitergeht

„Es ist ein beklemmendes Gefühl, wenn Dinge nicht ausgesprochen werden. Die Karten sollten auf den Tisch gelegt werden“, forderte ein Stammtischteilnehmer mehr Transparenz von Seiten der Stadt. Doch die wähnt sich in einer Art Zwickmühle: Als Bauherr, der gleichzeitig als Aufsichtsbehörde auftrat, liegen die damals durchgewunkenen baulichen Mängel eines noch dazu offiziell nicht abgenommenen städtischen Gebäudes eindeutig in ihrem Verantwortungsbereich. „Wir können die Problematik nicht ändern. Es bewegt die Bevölkerung aber, wie es weitergeht“, berichtete Neumann von zahlreichen Anfragen, die ihn beim Gang durch die Innenstadt immer wieder erreichten. „Es ist Aufklärung nötig.“

Tatsächlich kursieren derweil mehr und mehr Gerüchte durch die Stadt. Will Oberbürgermeister Thomas Deffner (CSU) den Zuschussbetrieb, der in den zurückliegenden Jahren mit rund einer Million Euro per annum von der Stadt unterstützt wurde, ganz einstellen? Sollen anstelle des Theaters lieber die Schulen saniert werden, was zumindest politisch brisant wäre? Hat das Ensembletheater eine Zukunft in Ansbach? Und überhaupt: Was würde eine Sanierung der festgestellten Mängel denn kosten?

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Vorwurf an die Stadt: „Es geht nur noch ums Geld”

Fragen über Fragen, auf die es bislang tatsächlich wenige Antworten gibt, die Stadt hüllt sich in Schweigen. So steht für den Fördervereinsvorsitzenden nur ein Grundsatz fest: „Die Politik wird vom Haushalt getrieben. Es geht nur noch ums Geld.“ Eine Teilnehmerin formulierte die Frage, die aus ihrer Warte die Entscheider umtreibt: „Das Theater ist ein Grab, in das man Geld reinschaufelt.“ Tierheim-Chef Günter Pfisterer, selbst ein Freund des Theaters, brachte die Stimmung in einem Satz auf den Punkt: „Wenn es so weitergeht, ist das Theater tot.“

Die von Pfisterer ins Spiel gebrachte Hoffnung, dass die Feuerwehr über eine erweiterte Brandwache eine pragmatische Lösung möglich macht, kommt nicht in Frage. Steffen Beck, 1. Kommandant und Stadtbrandinspektor, sagte gegenüber der FLZ: „Der Gang unter dem Zuschauerraum ist 1,20 Meter hoch und beherbergt viele Versorgungsleitungen. Man kann sich darin nur stets gebückt bewegen. Das ist keinem zumutbar.“ Eine Kompensation der bestehenden baulichen Mängel durch die Feuerwehr sei ausgeschlossen.

Aufklärung? „Das ist Deffners Pflicht”

„Wir werden Oberbürgermeister Thomas Deffner zu unserem nächsten Stammtisch einladen. Mit der Bitte um Aufklärung“, schloss Neumann den Theater-Stammtisch. „Das ist seine Pflicht“, lautete der deutliche Schluss-Akkord aus dem Publikum.

Zunächst bemühte sich die CSU-Stadtratsfraktion, für ihren Parteifreund in die Bresche zu springen und verwies dabei vornehmlich auf Aussagen, die bereits im Februar, wenige Tage nach der Schließung, von der Baubehörde getroffen worden waren. Dann dauerte es erneut ein paar Tage, ehe sich die Stadt dann am Montag tatsächlich zu Wort meldete.

Kulturinteressen sollen berücksichtigt werden

Die Stadt und die Genossenschaft Theater Ansbach - Kultur am Schloß eG arbeiten gemeinsam an einer Neukonzeption des Kulturhauses, verlautete aus einer Mitteilung. Dabei sollen „neben der Behebung der baulichen Mängel” auch die personellen und organisatorischen Herausforderungen der ehrenamtlich geleiteten Genossenschaft und „nicht zuletzt auch die Kulturinteressen der Ansbacher Bevölkerung” Berücksichtigung finden.

„Diese Herausforderungen werden aktuell sowohl in der Genossenschaft, aber auch in der Stadtverwaltung beraten”, teilte Stadtsprecherin Anne Ziegler mit. Auf die im Raum stehenden Sanierungsmaßnahmen ging die Stadt nur kurz ein.

„Bauliche Maßnahmen sollen 2025 beginnen.” Das sei allerdings noch abhängig von den Beratungen, – der große Haken – „aber auch von der Haushaltslage”. Und die ist bekanntlich wenig komfortabel.


Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
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