Werner kommt aus Erfurt, Andreas aus Arnstadt und das zu Hause von René befindet sich in der Goethestadt Weimar. Burgbernheim kannten die drei Männer aus Thüringen, die ihre Nachnamen nicht in der Zeitung lesen wollen, bis vor einigen Tagen noch gar nicht.
Dies sollte sich jedoch am Mittwoch ändern. Die drei Diakone auf der Walz bestiegen in Marktbreit, dem zweiten Halt ihrer Walz, ohne ein konkretes Ziel ins Auge gefasst zu haben die Regionalbahn in Richtung Ansbach. Einzige Vorgabe: Nach drei Stationen steigen wir, ganz gleich, wo wir uns befinden, wieder aus. Stopp Nummer drei: der Obere Bahnhof in Burgbernheim.
Ein Zurück gab es nicht, schließlich hatte man es am Morgen so vereinbart. Die Entscheidung auszusteigen, war die richtige, vermittelte bereits der erste Blick auf das Städtchen am Fuße der Frankenhöhe. Schwer bepackt, machten sich die drei Thüringer auf, um im Ort zum einen eine Bleibe und zum anderen Arbeit für ein paar Tage zu finden.
Der Weg endete, einmal mehr dem Zufall geschuldet, auf einem Bänkchen vor dem Rathaus. Dem Anschein nach genau die richtige Adresse, denn als sie sich drinnen vorstellten und von ihrer Walz berichteten, wurden sie mit offenen Armen in Empfang genommen.
Der Bitte nach „Kost und Logis gegen Arbeit“ kam man gerne nach, schließlich, und das wusste man in der Verwaltung, gibt es in den Streuobstwiesen aktuell jede Menge zu tun. Um die Betreuung bei der Arbeit kümmerte sich Stadtgärtner und Streuobstexperte Ernst Grefig und ein Dach über dem Kopf fand man bei Nadine Höhne, der Leiterin der „Bernatura”-Streuobstwelt.
Da viele Obstbäume in diesem Jahr überreich Früchte tragen und Äste ob ihrer schweren Last zu brechen drohen, wurden vornehmlich Äpfel geschüttelt und eingesammelt. Auf dem Programm standen aber auch das Einbringen von Totholz oder das Umzäunen von Setzlingen.
„Tätigkeiten in der Natur, bei denen wir uns nützlich machen konnten, und die zudem Spaß bereiteten“, wie all jene Gäste erfahren durften, die am Freitagnachmittag ins „Bernatura” gekommen waren, um ein paar Geschichten von der just in Angriff genommenen Walz in Erfahrung zu bringen.
In gemütlicher Runde griffen Werner und René zur Gitarre, reflektierten in ihren Liedern über den Sinn des Lebens und stimmten zudem Evergreens wie „When I'm Sixty-Four“ von den Beatles an.
Die Frage, wo sie ihren nächsten Halt einlegen, konnten die von ihrem Arbeitgeber, der mitteldeutschen Landeskirche, für drei Monate freigestellten Männer am Freitag verständlicherweise nicht beantworten. Fest steht nur: Es geht in Richtung Süden – und so Gott will und alles glattgeht, möchten sie im November den Gardasee erreichen.