„Man hat nur eine Chance”: Ein Buchheimer hat sein Hobby zum Beruf gemacht | FLZ.de

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Veröffentlicht am 24.03.2026 14:25

„Man hat nur eine Chance”: Ein Buchheimer hat sein Hobby zum Beruf gemacht

Anselm Schmieg tritt am Samstag in Bad Windsheim auf. (Foto: Philippe Stier)
Anselm Schmieg tritt am Samstag in Bad Windsheim auf. (Foto: Philippe Stier)
Anselm Schmieg tritt am Samstag in Bad Windsheim auf. (Foto: Philippe Stier)

Für Anselm Schmieg ist das Konzert der Posaunenklasse der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am kommenden Samstag in der Kirche St. Kilian in Bad Windsheim ein ganz besonderes – ein Heimspiel in gewisser Weise. Der 25-Jährige ist Teil dieses Ensembles und stammt ursprünglich aus dem Burgbernheimer Ortsteil Buchheim.

Anselm Schmieg wuchs dort auf einem Bauernhof auf. Viele schöne Erinnerungen verbindet er mit ihm. Als Jugendlicher begann der heute 25-Jährige seine musikalische Karriere in der örtlichen Blaskapelle – damals noch am Tenorhorn.

Seinen ersten Posaunenunterricht erhielt er mit 16 Jahren von Professor Herbert Kamleiter und Professor Martin Göß. An dem Instrument fasziniert ihn vor allem die Vielseitigkeit. Seit 2019 studiert er an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt bei Professor Oliver Siefert. Meisterkurse und Unterrichtserfahrungen ergänzen seine bisherige musikalische Ausbildung. Schmieg ist Alumnus der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Oscar-und-Vera-Ritter-Stiftung. Zudem erhielt er 2020 das Deutschlandstipendium.

Seinem Traum eine Chance gegeben

Dass er auch beruflich Musik machen will, war ihm klar, als er merkte, wie das „Business” funktioniert. „Später einsteigen geht nicht. Man hat nur eine Chance”, erklärt Schmieg. „Am Ende hätte ich mich schlichtweg geärgert, wenn ich der Idee, mein Hobby zum Beruf zu machen, nicht zumindest die eine Chance gegeben hätte. Das war der ausschlaggebende Punkt.”

Die Erfahrung, wenigstens für eine gewisse Zeit in einer Großstadt gelebt zu haben, wollte er nicht missen. Von Anfang an habe er sich bei Professor Siefert an der Frankfurter Hochschule gut aufgehoben gefühlt. In seinem Alltag als Musikstudent steht vor allem eines im Fokus: üben. Aber auch Unterricht, Gehörbildung oder musikwissenschaftliche Seminare gehören dazu.

Musikalisch groß geworden ist Schmieg in der Blasmusik. Orchestererfahrung konnte er während eines Zeitvertrages als stellvertretender Soloposaunist im Philharmonischen Orchester des Stadttheaters Gießen, als Akademist der Staatskapelle Weimar sowie an der Bayerischen Staatsoper München und als Teil der Bühnen- und Pausenmusik bei den Bayreuther Festspielen sammeln. Das Spiel im klassischen Orchester lernte er so kennen – und lieben.

Hoher psychischer Druck

Unterschätzt werde, sagt Schmieg, der psychische Druck, der mit Vorspielen für Festanstellungen in den großen Kulturorchestern einhergeht. „Es ist bei jeder Stellenausschreibung eine Art Wettkampf, bei dem bis zu 100 Musikerinnen und Musiker, zum Teil aus der ganzen Welt, gegeneinander antreten.” Am Ende fahren 99 davon ohne Festanstellung wieder nach Hause.

Seine Heimat spielt heute noch immer eine große Rolle in Schmiegs Leben. 2021 war er schon einmal mit der Posaunenklasse zu Gast in Bad Windsheim. Dieses Erlebnis wollte er gerne wiederholen. Zwar finde das Konzert auf seine Initiative hin statt, dessen Organisation sei aber ein Gemeinschaftswerk. Anne Barkowski hat als Kantorin einen großen Teil dazu beigetragen und Schmiegs Professor hat die Leitung der Proben übernommen. „Für uns Studenten ist es eine tolle Gelegenheit, in einem solchen Konzertrahmen solistisch wie auch kammermusikalisch auftreten zu dürfen.”

Aktuell besteht die Frankfurter Posaunenklasse von Professor Siefert aus acht Studierenden und einem Jungstudenten. In Bad Windsheim spielen neben Schmieg noch Nilay Mert, Eike Steege, Korbinian Weisser, Marius Kling und Ben Fleckenstein mit. Besonders freut sich der 25-Jährige darauf, die „Bruckner Etüde für das Tiefe Blech” von Enrique Crespo zu spielen. Für Posaunistinnen und Posaunisten ist das eines der großen Ensemblestücke. In Anlehnung an Bruckners Kompositionstechnik und in seiner Klangsprache geschrieben, entfaltet dieses Werk gerade in sakralen Räumlichkeiten wie St. Kilian seine volle Wirkung, erklärt Schmieg.

Im Sommer beginnt ein neuer Abschnitt

Für ihn wird es wohl das letzte Gastkonzert mit der Posaunenklasse werden, da er im Sommer seinen „Abschluss spielt”. Nach dem Studium ist für Schmieg allerdings vor dem Studium. „Ich werde Aufnahmeprüfungen für ein Masterstudium machen, um mich musikalisch noch weiterzuentwickeln. Parallel bewerbe ich mich um eine Festanstellung in einem großen Kulturorchester.”

Das Konzert der Posaunenklasse beginnt am Samstag, 28. März, um 19.30 Uhr in der Bad Windsheimer Stadtkirche St. Kilian. Das Motto lautet „Konzert in der Passionszeit: Posaune und Orgel”.


Anna Franck
Anna Franck
Redakteurin in Bad Windsheim
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