Spät, sehr spät ist das Theater Ansbach mit seinem neuen Spielplan dran. Es geht allerdings nicht anders, solange unklar ist, wann die Bauarbeiten anfangen. Am Sonntag stellte Robert Arnold mit einer Matinee den Spielplan für 2025/26 vor, zumindest den ersten Teil. Sein Motto: „echt.ANalog“.
Konzipiert hat den Spielplan, der bis in den Februar reicht, noch Intendant Axel Krauße, der zum Saisonbeginn als Intendant nach Wolfsburg ans Scharoun-Theater wechselt. Robert Arnold, der zukünftige künstlerische Leiter der Sparte Schauspiel, hat am Spielplan aber bereits mitgewirkt. Mit seinem Motto „echt.ANalog“ will er deutlich machen, dass im Theater alles Handarbeit ist, dass Menschen live für ihr Publikum vor Ort spielen – auch im digitalen Zeitalter wird analog gearbeitet.
Weil der große Saal wegen Brandschutzmängeln weiterhin nicht genutzt werden darf, bleiben im Haus nur die beiden kleineren Spielstätten. Um zu sparen, wurde das Ensemble von fünf auf drei Positionen verkleinert. Am Theater bleiben Nicole Schneider und Sophie Weikert. Fest engagiert wird zudem ein neuer Schauspieler.
Die erste Produktion ist „Michael Kohlhaas“. Die Regisseurin Britta Schreiber bringt Heinrich von Kleists berühmte Novelle auf die Bühne des Theaters hinterm Eisernen. Kleist erzählt darin, wie Kohlhaas Unrecht widerfährt, er daraufhin Gerechtigkeit verlangt, enttäuscht, gedemütigt wird und so zum gewalttätigen Revolutionär wird (Premiere ist am 18. Oktober).
Robert Arnold inszeniert ein Stück nach einem Comic von Walter Moers: „Adolf – Der Bonker“. Moers karikiert darin Hitlers letzte Tage im Führerbunker – und leuchtet in seine irre Gedankenwelt hinein. Bearbeitet hat Moritz Nikolaus Koch den Comic 2021 für die Bühne (8. November).
Zu Weihnachten gibt es dieses Jahr am Theater nach längerer Pause wieder einmal ein klassisches Märchen: „Des Kaisers neue Kleider“ von Hans Christian Andersen. 2007 war dieses Märchen das erste Kinderstück des damals neu gegründeten Theaters. Regie führt Frank Siebenschuh (29. November).
Musik, Tanz, Theater, Akrobatik und Gesang verspricht Robert Arnold zum Jahresende. „Das geht ja gut los“ heißt die Silvester-Show, die zweimal im Theater hinterm Eisernen über die Bühne geht. Arnold demonstriert damit auch die Offenheit seines Hauses für die regionale Kulturszene: So hat er dafür den Pianisten Paul Sturm, das Theater Kopfüber, die Dance Company Emotion Ansbach und das Spiel.Werk gewonnen (31. Dezember).
Hans Falladas Roman „Kleiner Mann – was nun?“ haben Tankred Dorst und Peter Zadek 1972 in eine erfolgreiche Revue verwandelt. Die Musik stammt von Erwin Bootz, einem Mitglied der Comedian Harmonists. Das Vokalensemble feierte seine Erfolge in der Zeit, in der Falladas Geschichte spielt: in der Weimarer Republik. Der zeitlose Klassiker fühle sich heute erschreckend aktuell an, so das Theater in seiner Pressemitteilung. Fallada erzählt von einem Ehepaar in Zeiten von Weltwirtschaftskrise, Armut und mächtiger werdenden Nazis. Regie führt Robert Arnold (21. Februar).
Wiederaufgenommen werden: „Prima Facie“, „Deutschland. Ein Wintermärchen“, „Der Kontrabass“ und der Schlager-Liederabend „Bis dass der Bus kommt“. Er hat demnächst am 26. Juli, Premiere.
Vorgestellt wurde der Spielplan zum ersten Mal bei einer Sonntagsmatinee, in der Reihe „Bühne und Brezel“. In Zukunft will Robert Arnold auf das „l“ von Brezel verzichten – aus Spargründen, wie er ironisch anmerkte. Abgesehen davon heißt das Laugengebäck hierzulande ohnehin Breze oder Brezn.