Theater Ansbach: Schauspielerleiter Robert Arnold geht zum Saisonende | FLZ.de

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Veröffentlicht am 02.03.2026 20:15

Theater Ansbach: Schauspielerleiter Robert Arnold geht zum Saisonende

„Wir reden, wenn wir über Krise reden, glaube ich, von Einbrüchen, die wir, wenn wir zusammenhielten, alle miteinander bewältigen können”: der Theatermacher Robert Arnold. (Foto: Thomas Wirth)
„Wir reden, wenn wir über Krise reden, glaube ich, von Einbrüchen, die wir, wenn wir zusammenhielten, alle miteinander bewältigen können”: der Theatermacher Robert Arnold. (Foto: Thomas Wirth)
„Wir reden, wenn wir über Krise reden, glaube ich, von Einbrüchen, die wir, wenn wir zusammenhielten, alle miteinander bewältigen können”: der Theatermacher Robert Arnold. (Foto: Thomas Wirth)

Robert Arnold geht. Der Schauspielleiter des Ansbacher Theaters hat um die Auflösung seines Vertrages gebeten. Er wechselt mit Beginn der nächsten Saison ans Scharoun-Theater Wolfsburg. Die Genossenschaft Theater Ansbach – Kultur am Schloss ist bereits mit einem Nachfolger im Gespräch.

Robert Arnold geht nicht alleine nach Wolfsburg. Mit dem Schauspieler und Regisseur verlassen seine Ehefrau Sabine Effmert, die Leiterin des Künstlerischen Betriebsbüros und der Figurentheaterreihe, und die Schauspielerin Nicole Schneider das Theater Ansbach.

Arnold leitet seit Beginn der Saison die Sparte Schauspiel. Er ist wie Effmert und Schneider seit 2020, als Axel Krauße seine Intendanz in Ansbach begann, am Haus engagiert. Die Schauspielleitung ist eine Interimslösung, da die Genossenschaft die Intendanzstelle erst besetzen will, wenn das Theater nach der Umbau- und Renovierungsphase eröffnet wird. Arnolds Vertrag lief bis 2028.

Angebot kam von Axel Krauße

Dass Arnold und Schneider ein Angebot aus Wolfsburg erhalten haben, kommt nicht überraschend. Krauße ist seit September 2025 Intendant des Scharoun-Theaters und will in dem Gastspielhaus, das eines der größten in Deutschland ist, ein eigenes Ensemble etablieren. Krauße und Arnold kennen sich lange: „Das ist eine 20-jährige berufliche Freundschaft, die zum Teil ja auch eine private ist“, sagt Arnold.

Leicht gemacht habe er sich die Entscheidung nicht. Er wünscht dem Haus „von Herzen das Beste”, aber die ungewisse Situation hat den Ausschlag gegeben: „Die Saison läuft sehr gut. Und trotzdem ist dieses Gefühl da, dass es in zwei, drei Jahren egal gewesen sein könnte, wofür ich mir hier einen Kopf gemacht habe.“ Seiner Einschätzung nach ist die Situation in Wolfsburg deutlich stabiler. Die Lage in Ansbach empfindet er als zermürbend, ebenso die andauernden Kürzungsdebatten. „Da gehe ich lieber im Moment eines konkreten Angebotes, als vielleicht erleben zu müssen, dass es hier dann doch nicht funktioniert.”

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Kürzungen belasten Theaterarbeit

Das Theater Ansbach wurde nach seiner Gründung 2007 als „Theaterwunder von Ansbach” gefeiert. Spätestens seit September 2022 sind andere Töne zu hören. Um Geld zu sparen, kam aus der Kämmerei der Vorschlag, mittelfristig zum Gastspielbetrieb zurückzukehren. Der Stadtrat lehnte dies ab. Aber massive Spielplan-Kürzungen wurden nötig.

Im Februar 2024 musste die Theatergenossenschaft, die das Gebäude von der Stadt Ansbach gemietet hat, den großen Saal wegen Brandschutzmängeln schließen. Die Suche nach einer Ausweichspielstätte gestaltete sich schwierig. Inzwischen ist sie gefunden. In diesem Herbst will das Theater sie beziehen, damit die Bauarbeiten beginnen können.

Wie Krauße, der Ansbach ebenfalls vorzeitig verließ, hat Arnold Zweifel, ob es nach der Renovierung ein Ensembletheater in Ansbach geben wird. Sein Eindruck ist, dass Stadtspitze und Verwaltung nicht hinter einem Theaterbetrieb stehen: „Der OB sagt zwar immer, dass ihm das Theater wichtig ist, aber er ist nicht da. Er guckt sich nichts an. Er spricht nicht: nicht in inhaltlichen Zusammenhängen mit dem Ensemble, mit den Schauspielern, mit mir.”

Kulturelle Bildung statt Events

Ansbachs Kultur- und Tourismusreferentin, Nadja Wilhem, vermisst er ebenfalls. „Frau Wilhelm ist im Grunde auch nie da. Alles, was ich dann höre ist: Wir wollen die Touristeninformation im Foyer unterbringen”, sagt er. „Wenn sie über Kultur spricht, so kommt es bei mir an, meint sie die Eventkultur.” Gegen die hat er nichts, aber den Bildungsauftrag sieht er mit Events nicht erfüllt.

Fragen zu stellen, sich in seiner Arbeit mit relevanten Themen auseinanderzusetzen – das ist ihm wichtig. Der Theatermacher ist überzeugt, „dass Kunst, Kultur, Bildung die eigentlichen Motoren sind, die eine Gesellschaft verbessern, verändern und auch die Demokratie letzten Endes aufrechterhalten können”.

Den Stadtratsbeschluss, im Foyer des Theaters nach dem Umbau die Tourist-Info unterzubringen, bewertet er kritisch. Die Tourist-Info gefährde die inhaltliche Eigenständigkeit, die Authentizität des Hauses. Auch die Genossenschaft, die das Gebäude von der Stadt gemietet hat, möchte die Tourist-Info nicht im Foyer. Inzwischen hat sich eine Bürgerinitiative formiert, die diese Zusatznutzung verhindern will.

Wie auch Krauße sieht Arnold diesen Vorstoß als einen Schritt, das Haus in einen Gastspielbetrieb zurückzuentwickeln. Der Schauspielleiter kennt die prekäre Haushaltslage der Kommunen: „Wir sind ja nicht doof. Ich kriege natürlich mit, dass das Krankenhaus Probleme hat, die Straßen, die Schulen – das sehe ich alles.” Und natürlich brauche ein Staat, eine Stadt Wirtschaftskraft. Aber: „Wir reden, wenn wir über Krise reden, glaube ich, von Einbrüchen, die wir, wenn wir zusammenhielten, alle miteinander bewältigen können.”


Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
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