Dass er Ansbach verlässt, hatte Axel Krauße vor kurzem mitgeteilt. Wohin er geht, durfte er noch nicht sagen. Nun ist es offiziell. Er wird ab 1. September Intendant des Scharoun Theaters Wolfsburg. Krauße soll das künstlerische Profil des Hauses weiterentwickeln, so die Pressemitteilung des Theaters. Wie üblich läuft der Vertrag zunächst über fünf Jahre.
Die Pressemitteilung zitiert den Aufsichtsratsvorsitzenden des Theaters, Thomas Steg: „Das Scharoun Theater ist ein Leuchtturm in der kulturellen Landschaft weit über Wolfsburg hinaus. In der vergangenen Spielzeit haben wir das 50-jährige Bestehen dieses großartigen Theaters gefeiert. Mit Axel Krauße haben wir einen neuen Intendanten gefunden, für den das Theater in die Mitte der Stadtgesellschaft gehört. Wir wollen im Scharoun Theater Begegnungen von Menschen und Kulturen ermöglichen. Wir wollen breite Kreise in der Bevölkerung ansprechen und für das Theater begeistern. Axel Krauße hat uns mit seinen Vorstellungen für die künstlerische Entwicklung des Scharoun Theaters überzeugt. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit“.
Laut Thomas Steg bringt Axel Krauße alles mit, was in der Stellenausschreibung gewünscht sei. Er habe eine ausgewiesene Erfahrung in der Leitung von Theatern, habe erfolgreich Eigenproduktionen inszeniert, kenne sich sehr gut mit den Besonderheiten eines Gastspieltheaters aus. Vor allem habe er ein überzeugendes Konzept für die Weiterentwicklung des künstlerischen Profils des Scharoun Theaters.
Axel Krauße wollte gern in Ansbach bleiben. Er hat lange überlegt, ob er das Angebot aus Wolfsburg annehmen solle, sich für die offene Stelle zu bewerben. Ihm fehlte letztlich ein klares Bekenntnis der Stadt Ansbach, weiterhin ein Ensembletheater unterstützen zu wollen.
Das Scharoun Theater Wolfburg wurde 1973 eröffnet. Entworfen hat es der Architekt Hans Scharoun, der auch die berühmte Philharmonie Berlin gebaut hat. Das Wolfsburger Haus gehört mit über 800 Sitzplätzen zu den größten Bespieltheatern Deutschlands und hat bisher nur ein, zwei Eigenproduktionen pro Saison im Spielplan. Das Weihnachtsmärchen ist, wie in Ansbach, der große Publikumsmagnet. „Sie haben dieses Jahr schon die 40.000-Marke geknackt“, erzählt der Ansbacher Intendant.
Der Wolfsburger Spielplan bietet ansonsten Oper, Ballett, Tanztheater, Konzerte, Comedy und Kabarett. Daran will Axel Krauße nicht rütteln. Mittelfristig soll an dem Haus aber außerdem ein Schauspielensemble entstehen.
Der zukünftige Intendant will den Anteil an eigenen Produktionen ausbauen. Das reizt ihn besonders an der neuen Aufgabe. Zuversichtlich ist er, dass dies gelingt. Die Stadt Wolfsburg stehe sehr zu ihrem Haus und wolle es weiterentwickeln. So denkt er zum Beispiel daran, Sommertheater zu etablieren. Das Haus, das auf einem grünen Hügel liege, sei dafür geeignet. „Hier kann man etwas aufbauen“, sagt er und bedauert zugleich den Ansbacher Stillstand.
Weil die Planungen für die nächste Saison bereits weit fortgeschritten sind, wird er seinen ersten eigenen und vollständigen Spielplan erst für die Saison 26/27 vorlegen können.
Anders als in Ansbach muss sich Axel Krauße um Brandschutz und Belüftungssystem in Wolfsburg keine Gedanken machen. Das Scharoun Theater wurde vor knapp zehn Jahren für rund 32 Millionen Euro saniert. „Das Haus ist tiptop und super ausgestattet“, so Krauße. Der Jahresetat liege zwischen drei und vier Millionen Euro. Und für den Intendanten gibt es einen kleinen Dienstwagen obendrein – von welcher Marke, das versteht sich bei der Autostadt Wolfsburg.