„Es war eine schöne Zeit“, resümiert Waltraud Seufert. Am 17. September beginnt für die 65-Jährige ein neuer Lebensabschnitt: Im Rahmen des um 10.30 Uhr in der katholischen Kirche beginnenden Gottesdienstes wird die langjährige Pastoralreferentin, die für die katholische Pfarrei St. Johannes Neustadt und die Filialgemeinden tätig war, in die Ruhestandsphase verabschiedet.
Ein Neuanfang, an den sie sich erst noch gewöhnen muss. „Ich will diese Zeit auf mich zukommen lassen und in sie eintauchen“, sagt die Mutter dreier Söhne und zweifache Oma. Sie hat sich vorgenommen, vorerst keine neuen Ämter anzunehmen. Denn sie möchte erst einmal die vielen Grenzerfahrungen, die sie in der Klinik- und Seniorenheimseelsorge machen musste, loslassen und verarbeiten. Im Arbeitsalltag fehlte dafür oft die Zeit. Aber später dann kann sie sich ein neues Ehrenamt durchaus vorstellen. Denn: „Es gibt einiges, das ich einfließen lassen kann.“
Fest vorgenommen hat sich Seufert ferner, die freie Zeit zu nutzen, um Kontakte zu pflegen und kulturelle Veranstaltungen zu besuchen. „Ich bin ein Bewegungsmensch“, erklärt sie und freut sich aufs Radeln. Die angesammelten Bücher will sie außerdem endlich einmal lesen. Ach ja, und dann ist da noch die Musik.
Die gebürtige Iphöferin stieg erst relativ spät in ihren Beruf ein. Nach dem Studium der katholischen Theologie in Würzburg machte sie eine familienbedingte Pause. Bis sie mit 36 Jahren ihre dreijährige Ausbildung als Pastoralassistentin in Neustadt begann und dann mit der zweiten Dienstprüfung abschloss, brachte sie sich ehrenamtlich stark ein.
Nachdem sie zwischendurch fünf Jahre andere Stellen im Dekanat und in Iphofen bekleidet hatte, bewarb sie sich wieder nach Neustadt. „Es hat mich gereizt. Die sechs Jahre dort hatte ich in sehr guter Erinnerung.“ Und es klappte, seit nunmehr 2006 ist die angehende Ruheständlerin als Pastoralreferentin in Neustadt. Reizvoll war, dass sich im Laufe der Jahre ihr Aufgabenfeld ständig änderte. Es reichte von der Arbeit mit Kindern bis zur Begleitung Sterbender.
Klinikbesuche hatte sie bereits 2006 begonnen. Regelmäßig schaute sie auf einer Station vorbei. Längere Zeit gab es einen ehrenamtlichen Besuchsdienst im Hospital, der sich jedoch inzwischen auflöste. „Es wäre schön, wenn man dieses Angebot, ebenso wie den Besuchsdienst in den Senioreneinrichtungen, wieder beleben könnte.“ Gerade zu Coronazeiten sei auf dem Gebiet jedoch viel eingebrochen.
Schwerpunkte ihrer Arbeit waren in den vergangenen Jahren die Seelsorge in der Klinik, Senioren- und Krankenpastoral in der Gemeinde, Beerdigungsdienste und Nachsorgen, Hausbesuche zu unterschiedlichen Anlässen sowie die Begleitung der ehrenamtlichen Mitarbeitenden.
Freude hatte sie an spirituellen Angeboten wie den Andachten am Abend, an den Besinnungstagen, bei Wanderungen mit geistlichen Impulsen und bei Freizeiten. Es sei schön gewesen, einen Rahmen zu schaffen, wo Menschen zusammenkommen und sich austauschen können.
Gerne denkt sie an die Gottesdienste in den Senioreneinrichtungen zurück. „Für das Personal war damit viel logistischer Aufwand verbunden“, galt es doch, die betagten Bewohnerinnen und Bewohner zu bringen und zu holen. „Hier waren die Mitarbeitenden immer sehr engagiert“, zollt ihnen Seufert großes Lob. Die Senioren freuten sich über die Geselligkeit. Auch Menschen mit Demenz sangen bekannte Lieder mit und sprachen Gebete. „Es musste immer etwas Bestärkendes dabei sein, was ihnen gut tut.“ Sie erlebte häufig gelassene und zufriedene Frauen und Männer in den Senioreneinrichtungen, die dankbar waren, versorgt zu werden und gut aufgehoben zu sein.
Im Laufe der Zeit ist die Pfarrei groß geworden, stellt die Iphöferin fest. Zu Neustadt und Emskirchen gehören inzwischen auch Uehlfeld und Markt Erlbach. Eine große Fläche, die es zu betreuen gilt. Auf die Frage, was sich weiter verändert, antwortet sie: „Die Menschen sind kritischer geworden“, sie nähmen Dinge nicht mehr so einfach hin.
Wichtig sei es deshalb, persönliche Kontakte zu pflegen, offen für Gespräche zu sein und zu reflektieren, welche Erwartungen die jeweiligen Menschen an die Kirche stellen. Positiv hervor hebt sie zudem die gute Teamarbeit von Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen. Letztgenannte setzen sich mit Begeisterung ein, gestalteten mit und tragen somit auch das Pfarrei-Leben. „Dieses Engagement ist nicht selbstverständlich. Man muss dafür brennen.“
Wichtig sei es ferner, Leute anzusprechen, ob sie sich einbringen wollen. Sie habe nun „viele beste Jahre“ hinter sich, aber hoffentlich auch noch viele sehr gute vor sich, so Seufert. Ihre Nachfolge tritt Jutta Friedel als Gemeindereferentin an. Sie war bereits schon einmal in Neustadt aktiv und wird am 17. September in ihr Amt eingeführt, nachdem Seufert verabschiedet wurde – also Ende und Neuanfang zugleich.