Die jungen Erwachsenen, die im Domiziel Ansbach wohnen, haben gemeinsam mit ihren Sozialpädagoginnen im Zeitraum eines halben Jahres ein farbenfrohes Gesamtwerk geschaffen, das die zentralen Werte der Einrichtung aufzeigt. Bei einer internen Vernissage wurde der Hintergrund zu den Kunstwerken erläutert.
Zur Eröffnung der Ausstellung betonte Ulrike Ammel, Leiterin der Hilfseinrichtung für junge Erwachsene mit psychischer Erkrankung, die gesellschaftliche Relevanz des Projekts. In einer Zeit zunehmender Polarisierung und vereinfachter Debatten sei es besonders wichtig, sich auf grundlegende Werte zu besinnen. Das Domiziel ist eine Hilfseinrichtung für junge Erwachsene mit psychischer Erkrankung. Es stehe seit 35 Jahren für Dialog, Begegnung auf Augenhöhe und Toleranz. „Uns ist es wichtig, die Individualität jedes Einzelnen zu achten und eine Gemeinschaft zu fördern, in der Zugehörigkeit erlebbar wird“, so Ammel. Ziel sei es zudem, Menschen zu motivieren, „mutig ihren eigenen Weg zu gehen und sichtbar zu sein“.
Der Impuls für das Projekt ging von der Bewohnerschaft selbst aus. In einem Kreativworkshop wurden zunächst gemeinsam Werte erarbeitet und diese anschließend künstlerisch umgesetzt. Die Pädagogin Katharina Eichholz beschreibt den Beginn des Workshops als offenen Prozess: „Wir haben uns im August zusammengesetzt – bunt gemischt aus acht Bewohnenden und ein paar unserer Mitarbeitenden – und gemeinsam herausgearbeitet, was uns wichtig ist.“
Über mehrere Projekttage hinweg entwickelte sich ein Gesamtwerk aus bunt bemalten, runden Leinwänden, verschiedener Größen. Je größer die Leinwand, desto wichtiger oder zentraler ist der jeweilige Wert für die Gruppe. Die offene Gestaltung der Anbringung an der Treppenhauswand ermöglicht es, das Werk weiterzuführen, wenn neue Werte dazukommen.
Bei der Vernissage erklärten zwei Bewohnende die Hintergründe zu der Gestaltung der Werke und deren Bedeutungen. Die Bilder greifen Themen wie Vielfalt, Kommunikation, Empathie und Akzeptanz auf. Motive wie ineinandergreifende Hände, Symbole für Empathie oder Darstellungen von Kommunikationsmodellen machen die umgesetzten Werte sichtbar.
Ein verbindendes Element zieht sich durch fast alle Bilder: der Regenbogen. Für die beteiligte Bewohnerin Antonia Peterreins steht er für Zusammenhalt: „Der Regenbogen verbindet die Bilder und bringt mehr Farbe hinein.“ Außerdem betont die junge Frau, dass ihr die Teamarbeit und Beratung untereinander sehr geholfen und viel Freude bereitet habe. Auch Lidia Wittek, ebenfalls Bewohnerin und Teil der Projektgruppe, hebt die Wirkung des Projektes für die Gruppe hervor: „Das hat unser Gemeinschaftsgefühl gestärkt. Man konnte sich frei entfalten und hatte ein bisschen Abwechslung im Therapiealltag.“
Für die Einrichtung ist das Projekt mehr als ein Kunstwerk. Viele der betreuten Menschen haben Erfahrungen mit Ausgrenzung gemacht. Das gemeinsame Werk setzt daher ein bewusstes Zeichen für Teilhabe, Sichtbarkeit und gesellschaftlichen Dialog.
Die Ausstellung bleibt dauerhaft im Domiziel – als wachsender Ausdruck einer Gemeinschaft, die für Vielfalt und Akzeptanz einsteht.