Wer darf wann und wie zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung laden? Diese Frage steht derzeit bei der Aischgründer Tafel „Iss was“ zur Diskussion. Gegner des Vorsitzenden Thomas Nicol hatten spontan eine Sitzung mit Neuwahlen des Stellvertreters einberufen. Nicol selbst spricht von einer „Ente“ und betont: „Das entbehrt jeglicher Grundlagen.“
Juli 2024: Die Vize-Vorsitzende Anja Böhringer der Aischgründer Tafel tritt zurück. Wie Thomas Nicol bei einem Treffen am Freitag in der Redaktion mit einem Schriftstück beweist, sei dieses Gesuch auch entsprechend durch ihn bestätigt worden. Noch allerdings, betont Manuel Henneberger, der kein Freund des Vorsitzenden ist, sei die Bad Windsheimerin im Vereinsregister als solche eingetragen. Und am Donnerstag lud diese plötzlich zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung ein.
Abgestimmt mit dem Vorsitzenden sei dies nicht gewesen, wie Nicol und Henneberger übereinstimmend bestätigen. Henneberger, sozusagen Sprecher der Nicol-Gegner, beruft sich auf die Satzung des Vereins. Darin heißt es: „Eine außerordentliche Mitgliederversammlung ist einzuberufen, wenn es der Vorstand beschließt oder wenn es mindestens ein Drittel der Mitglieder schriftlich und unter Angabe der Gründe beantragt.“ Nichts davon sei jedoch passiert, betont Nicol. „Ich kann ja auch nicht einfach für den TSV Neustadt eine Mitgliederversammlung einberufen, um den Verein aufzulösen.“
Entsprechend sei diese außerordentliche Versammlung, die am Samstag, 9. November, ab 18 Uhr im Ristorante „Villa Liga“ in Bad Windsheim stattfinden soll, aus seiner Sicht nichtig, so Nicol. Beschlüsse, die gefällt werden, hätten „keine bindende Wirkung“. Brigitte Stuckert, Ausgabeleiterin aus Uffenheim und kommissarische Vize-Vorsitzende, bedauert, dass zuvor kein klärendes Gespräch gesucht wurde. Beide wurden von der Einladung, die am Donnerstag in einigen E-Mail-Postfächern von Tafel-Helfern landete, überrascht.
Der Vorsitzende verweist auf die zweiwöchige Ladungsfrist für Versammlungen und zudem darauf, dass nur der Vorstand dazu laden dürfe. Henneberger beruft sich indes auf den Paragrafen 26 des Bürgerlichen Gesetzbuches und darauf, dass jene Ladungsfrist in der Tafel-Satzung nur bei ordentlichen Mitgliederversammlungen explizit genannt ist. Nicol will sich das jedenfalls nicht bieten lassen und schaltete einen Anwalt ein. „Für eine einstweilige Verfügung war die Zeit aber zu knapp.“
Die Mitglieder, die heute erscheinen, könnten „gerne zusammen ein Bier trinken“, als offizielle Versammlung von „Iss was“ sei dies allerdings nicht zu werten. Weil den Gegnern keine Mitgliederliste vorliegt, bitten sie in der Einladung die Ausgabestellenleiter um Weiterleitung und betonen, dass diese sogar dazu verpflichtet seien. Doch auch das verweist Thomas Nicol ins Reich der Fabeln. Seines Wissens habe diese E-Mail auch niemand weitergegeben.
Manuel Henneberger und seine Unterstützer aber wollen an der Versammlung festhalten. Dann will die Vize-Vorsitzende ganz offiziell zurücktreten, ihr Nachfolger soll gewählt werden. Nach Informationen unserer Zeitung soll Manuel Henneberger diesen Posten übernehmen. Seiner Auskunft nach habe man auch bereits einen Notar in Bereitschaft versetzt, der diesen Wechsel dann für die Änderung im Vereinsregister an das Amtsgericht Fürth meldet.
Ob der Vorstand das akzeptiert? Mindestens fraglich. Zumal der Tafel-Vorsitzende betont, dass Henneberger zwar einen Tafel-Mitgliedsantrag gestellt habe, dieser aber noch gar nicht bearbeitet worden sei, schließlich sei die Verwaltung Vollzeit mit den Windsheimer Querelen beschäftigt. Entsprechend könne Henneberger gar nicht gewählt werden.
Eines steht jetzt schon fest: Die Tafel-Ausgabestelle in Bad Windsheim öffnet an diesem Samstag wieder. Am Donnerstag habe Nicol zu einem Helfertreffen geladen, jedoch erschien nur eine Person. Diese habe von Einschüchterungsversuchen der Gegner berichtet, sagen Nicol und Stuckert im Redaktionsgespräch. Die Widersacher verneinen vehement und sprechen im Gegenzug von anonymen Drohanrufen mit verzerrter Stimme. Für Henneberger ist klar: Dahinter steckt Nicol.
An diesem Samstag werden in der Ausgabe jedenfalls nur zwei Bad Windsheimer sowie Bürgermeister Jürgen Heckel stehen, dessen Hilfsangebot der Tafel-Vorsitzende gerne angenommen hat. Die anderen stoßen aus Uffenheim und Scheinfeld dazu, erklärt Stuckert. Das Vorstandsduo berichtet jedenfalls, dass es sehr schwierig gewesen sei, für Bad Windsheim eine Lösung zu finden; beide verteidigen auch die Schließung am vergangenen Samstag.
Henneberger hat die außerordentliche Mitgliederversammlung für Samstagabend vorsorglich der Polizei gemeldet. Schließlich sei Thomas Nicol „unberechenbar“. In einer Stellungnahme kritisiert Henneberger den Tafel-Vorsitzenden übrigens auch noch bezüglich des Seniorentüten-Projekts. Immer wieder werde von Senioren berichtet, dass die Mengen nicht mit den Vorführtüten bei Presseterminen übereinstimme. Und: „Mehrere Berichte deuten darauf hin, dass einige Lebensmittel in einem verdorbenen Zustand geliefert wurden.“ Nicol widerspricht dem entschieden. Er hat nun vor allem einen großen Wunsch: Dass dieses „Kasperletheater“ endlich endet.