Mit der Arbeit der Tafeln im Landkreis Ansbach befasste sich die erste Veranstaltung der Themenreihe „Am Sozial-Puls der Zeit“ des Diakonischen Werks Ansbach. Diese fand am Mittwochabend im Lutherhaus Leutershausen statt.
Mitarbeiter der Tafeln im Landkreis, Vertreter von Politik und Kirche fanden sich zu einer Gesprächsrunde zusammen, die von Radio-8- Programmleiter Klaus Seeger moderiert wurde. Im Zentrum stand die Frage, wie sich die Situation der Tafeln im Landkreis aktuell darstellt. „Wir haben weniger Ware, die wir an mehr Leute verteilen müssen“, so die allgemeine Einschätzung der Tafel-Vertreter.
Vorab stellte ein Film, den Tafelmitarbeiterin Sonja Gruber mitgebracht hatte, die verschiedenen Einrichtungen im Landkreis vor. Diese befinden sich in Ansbach, Feuchtwangen, Dinkelsbühl, Rothenburg, Windsbach, Neuendettelsau, Heilsbronn und Wassertrüdingen. Zum Erhalt von Waren bedarf es eines Berechtigungsscheins. Für einen Unkostenbeitrag von zwei Euro gibt es Grundnahrungsmittel wie etwa Brot, Obst, Gemüse, Fleisch und Milchprodukte – und sogar Blumen.
Die Tafeln finanzieren sich ausschließlich durch Spenden. Hauptamtliche und eine Vielzahl ehrenamtlicher Mitarbeiter leisten die Arbeit. Seit rund 25 Jahren gibt es die Tafeln im Landkreis Ansbach. Eine der ersten hat Edeltraut Merker in Ansbach vor 24 Jahren eingerichtet. „Es war nicht leicht. Zunächst haben wir an viele geschlossene Türen geklopft, bis wir bei der Diakonie Ansbach auf offene Ohren stießen“, erklärt die heute 83-jährige Leiterin der Ansbacher Tafel. Noch ist sie rund 20 Stunden wöchentlich aktiv, wolle dies aber allmählich reduzieren. Doch es sei schwierig, Nachwuchs zu generieren.
Der Ansbacher Florian bildet da eine löbliche Ausnahme. Mit gerade einmal 14 Jahren engagiert er sich bereits bei der Tafel. „Durch ein Schulprojekt bin ich darauf aufmerksam geworden und es hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich beschlossen habe, dabeizubleiben“, erklärt der Schüler.
Solche Unterstützung sei dringend notwendig, sagte Daniele Reißig. Aufgrund gestiegener Nachfrage hat die Feuchtwanger Ausgabestelle nur noch dreimal im Monat geöffnet. Auch die Abnehmer der Waren hätten sich gewandelt. „Heute sind viele Flüchtlinge darunter“, konstatiert Reißig. Nicht immer leicht sei die Verständigung und bisweilen gäbe es Spannungen. Dies bestätigte auch Edeltraut Merker. „Manch älterer Rentner traut sich nicht mehr hinein, weil geschubst und gedrängelt wird.“ Doch noch sei die Situation zu bewältigen.
„Man macht diese Arbeit für die Netten und nimmt deshalb so manches in Kauf“, sagte der 81-jährige Heinrich Krill, der sich seit 18 Jahren für die Tafel in Leutershausen engagiert. Die Zusammenarbeit mit den Vertretern der Kommunen sei gut, erklärte Willi Spanner, der vierte in der Tafelmitarbeiter-Gesprächsrunde, der in Windsbach tätig ist.
Ihre Bereitschaft, diese wichtigen Institutionen weiter zu unterstützen, erklärten die Vertreter von Politik und Kirche. „Netzwerken ist eine gute Möglichkeit, zu helfen“, betonte Bezirksrat Herbert Lindörfer (Feuchtwangen). Dem stimmten auch Ansbachs Oberbürgermeister Thomas Deffner und Bezirksrätin Lisa Renz-Hübner (Ansbach) zu. „Wichtig ist es im Gespräch zu bleiben“, erklärte der Leutershäuser Dekan Rainer Horn.
Dieser Meinung schlossen sich Dekan Dr. Matthias Büttner und Diakonie-Leiter Pfarrer Martin Reutter (beide Ansbach) an. „Dennoch dürfen die Tafeln nicht das Alibi für eine Politik sein, die den Ärmsten der Armen die Eigenständigkeit verwehrt“, mahnte die Regionalbischöfin des Kirchenkreises Ansbach-Würzburg, Gisela Bornowski, an.