„Wir brauchen dringend weitere ehrenamtliche Helferinnen und Helfer“, erklärt Thomas Nicol, Vorsitzender von „Iss was e.V – Die Aischgründer Tafel“. Sie werden für die Tafel-Ausgabestellen benötigt, aber auch für andere Bereiche etwa im Marketing und für Organisationsaufgaben. Nötig ist dies, da die Zahl der Kunden stetig wächst.
Sie wird noch weiter ansteigen, ist sich Nicol sicher. „Wir werden irgendwann die 1000er-Grenze überschreiten.“ Zu den Neukunden werden auch die rund 100 Bewohner des Containerdorfes zählen, das im Neustädter Gewerbegebiet errichtet werden soll, sagt Nicol. Anders als in der Notunterkunft (NUK) in Scheinfeld, ist in Neustadt aber vorgesehen, dass die Bewohner in dieser Anschlussunterbringung die Möglichkeit haben, selbst zu kochen.
„Wir stellen uns dieser neuen Herausforderung und werden sie wieder lösen“, ist Nicol optimistisch. Größere Personengruppen kamen bereits hinzu, als Geflüchtete aus Syrien und danach aus der Ukraine kamen. „Wir haben es damals hinbekommen und werden es jetzt wieder.“ Es sei wichtig, allen Seiten gerecht zu werden – und dafür bedarf es weiterer Unterstützer. Vor den vielen engagierten Ehrenamtlichen zieht er seinen Hut, denn ohne sie ginge gar nichts. Nicol selbst agiert ebenfalls ehrenamtlich. In Neustadt wirken die Helfenden mittwochs und samstags in der Tafelausgabe, am Wochenende sogar in zwei Schichten. Die einen bereiten vor, die anderen teilen die Waren aus. Hinzu kommen noch diejenigen, die die Produkte herankutschieren.
Ab 8. Juli ist man endlich, so Nicol, im neuen Domizil in der Wilhelmstraße 32. Die Handwerker arbeiten dort auf Hochtouren, damit alles rechtzeitig fertig ist. Dann steht ein großes, über eine Rampe erreichbares, Lager für zur Verfügung, Kühl- und Gefrierware kann dann endlich auch in Neustadt aufbewahrt werden. Zudem ist die Ausgabestelle barrierefrei erreichbar. Dies alles erleichtert den Ehrenamtlichen die Arbeit enorm.
Diese müssen bei der Ausgabe einiges aushalten. „Manche Kunden werden aggressiv, wenn sie nicht alles bekommen, was sie wollen“, stellt Nicol fest. Das ärgert ihn. „Das geht gar nicht. Wir haben eine tolle Auswahl, wir sind aber kein Supermarkt. Das verwechseln einige Frauen und Männer. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter teilen je nach Warenstand und Familiengröße aus.“ Die Lebensmittel sind als Unterstützung gedacht und ersetzen keinen Wocheneinkauf, will er keine falschen Erwartungen aufkommen lassen.
Dabei versucht man, so viel wie möglich anzubieten. „Eier, Milch, Butter und Zucker gehören zu den Dingen, die regelmäßig dazugekauft werden, um sie in ausreichender Menge vorhalten zu können.“ Froh ist Nicol deshalb, dass man auch im Landkreis von Spenden von der Tafel Bayern oder der Tafel Deutschland partizipieren kann. Dabei handelt es sich um Produkte, die die Lebensmittelindustrie zur Verfügung stellt. Dazu zählen beispielsweise Nudeln oder Getränke. Zweimal in der Woche wird das Tafellager in Schweinfurt angesteuert.
Auch dort gibt es immer etwas, das man im Tafelladen anbieten kann. „Wir nehmen, was wir bekommen können.“ Begehrt sind Lebensmittel wie Joghurt oder Hüttenkäse. Die sind ratzfatz weg. Aber auch Würstchen, Spätzle und Griesklößchen sind beliebt. „Ich freue mich, dass wir es schaffen, alle zu versorgen.
Wie finanziert sich die Tafel? Zu den Spenden kommen noch die Mitgliederbeiträge und der symbolische Beitrag hinzu, den die Kundinnen und Kunden entrichten. Spenden finanzieller Art sind immer willkommen. Auch das trägt mit dazu bei, dass man die wachsenden Anforderungen mit Blick auf den sich stetig vergrößernden Kundenkreis stemmen kann.
Eine Finanzspritze von 400 Euro konnte Nicol gestern in Empfang nehmen, Gabi Wald-Hauf, Vorsitzende des Weltladens Neustadt e.V, übergab den Überschuss der Einnahmen, der beim fairen Frühstück im Rahmen des „Regional, bio, fair ThemenMarktPlatzes“ zusammen gekommen war. 70 Frühstücksteller waren verkauft worden. Bürgermeister Klaus Meier, der mit Anne Junhom vom Stadtmarketing zur Spendenübergabe in den Weltladen gekommen war, bezeichnete die Tafel als wichtige Institution. Jeder könne in die Lage kommen, auf dieses Angebot zurückgreifen zu müssen. Wald-Hauf bezeichnete es als einen Skandal, dass man in einem Land wie Deutschland dieses Angebot überhaupt braucht. Dem konnte Nicol nur beipflichten. Denn auch Berufstätige, deren Gehalt nicht reicht, und Rentner gehen regelmäßig zur Tafel.
Wer sich dort ehrenamtlich beteiligen möchte, kann sich unter thomas.nicol@iss-was.org melden.