Wenn eine 1000er-Marke geknackt wird, ist das oft ein Grund zu feiern. Bei „Iss was – die Aischgründer Tafel“ ist das nicht der Fall. „Es macht nachdenklich und traurig, dass inzwischen so viele Menschen auf die Unterstützung von Lebensmittelspenden angewiesen sind“, erklärt Tafel-Vorsitzender Thomas Nicol.
Die Zahl der Frauen und Männer, die das Angebot in den Ausgabestellen in Neustadt, Bad Windsheim, Scheinfeld und Uffenheim nutzen, wuchs seit Gründung der Aischgründer Tafel im Oktober 1998 durch Harry Gräber beständig, resümiert Nicol. Damals waren es 130 Personen, die kamen. Am 1. Dezember zählte man 1003 Kundinnen und Kunden – Tendenz weiter steigend.
Aufgeteilt auf die Ausgabestellen, sind es derzeit in Neustadt 505 Personen aus 237 Haushalten, in Scheinfeld 161 Frauen und Männer (69 Haushalte), in Bad Windsheim 163 (90 Haushalte) und in Uffenheim 175 Kundinnen und Kunden, aufgeteilt auf 77 Haushalte. „Von Woche zu Woche wird die Herausforderung größer.“
Die Waren werden von 82 Bäckern und Metzgern gespendet, hinzu kommen Supermärkte, Läden und Betriebe. Insgesamt 154 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sorgen in den vier Ausgabestellen und als Fahrerinnen und Fahrer dafür, dass das Angebot unterbreitet werden kann. Ihnen allen sagt Nicol ein dickes Dankeschön und würde sich über weitere Interessierte freuen, die in den Tafelläden das Team unterstützen. Aber auch für die Organisation, die immer aufwendiger wird, könnte er Unterstützung gebrauchen. Dieser Bereich, der viel Arbeit bereitet, die man nicht sieht, macht inzwischen einen Großteil dessen aus, um das sich Nicol kümmern muss.
Mit Blick auf die wachsende Kundschaft ist er froh, dass man auch immer wieder von der Tafel Bayern oder der in Nürnberg profitiert. Sie geben Waren ab, wenn sie etwa ein Überangebot haben. In Rundmails fragen sie nach, was die anderen Tafeln brauchen. Dann heißt es schnell sein, um in den Genuss der zusätzlichen, dringend benötigten Lebensmittel zu kommen. „Die ganze Woche über gilt es, mit Ausnahme von Sonntag und Montag, Ware zu bekommen und zu verteilen. Da muss man manchmal erfinderisch sein“, betont Nicol. Mit Blick auf die wachsende Kundenzahl soll nun wieder die Bedürftigkeit überprüft werden. Die Nutzer müssen sich ab heute darauf einstellen, etwa Unterlagen vom Jobcenter und Sozialamt vorzulegen.
Für Beschäftigte heißt es, Gehaltsnachweise, für Geflüchtete einen Nachweis und für Ruheständler einen Rentenbescheid mitzubringen. Gerade die letztgenannte Gruppe wächst. „Das Thema Altersarmut schlägt auch bei uns auf.“ Nicol hat vor, dass man seitens der Tafel gezielt auf ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger zugeht und sie über das Angebot der Tafel informiert. „Viele aus dieser Altersgruppe haben Hemmungen zu kommen.“ Nicol weiß, dass die Dunkelziffer dort hoch ist und viele mit ihrer Rente kaum über die Runden kommen. Er schätzt, dass 85 bis 90 Prozent der Seniorinnen und Senioren, die berechtigt wären, die Tafel zu nutzen, dies nicht tun. „Auch wenn wir schon viele Kunden haben, ist es wichtig, dass die bedürftigen Senioren etwas bekommen. „Viele kämpfen sich bisher lieber so durch, als um Hilfe zu bitten.“
Was die Räumlichkeiten der Ausgabestellen betrifft, ist man in Neustadt und Uffenheim mit den neuen Domizilen gut aufgestellt. In Scheinfeld läuft es ebenfalls gut, so Nicol. Handlungsbedarf besteht dagegen nach wie vor in Bad Windsheim. Dort geht die Suche nach einer neuen Örtlichkeit weiter .
In der Berufsschule, wo man derzeit untergebracht ist, reiche der Platz vorne und hinten nicht aus. Ausgabe und Lager in einem – das ist keine optimale Lösung. „Früher kamen 15 bis 20 Leute, heute sind es 90 Haushalte.“ Wer weiß, vielleicht geschieht ja mit Blick auf Weihnachten doch noch ein Wunder, und es findet sich bald eine passende Räumlichkeit in Bad Windsheim. Thomas Nicol will sich darauf allerdings nicht verlassen und sucht weiter.