Feierstunde für das Uffenheimer Tafel-Domizil | FLZ.de

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Veröffentlicht am 11.09.2023 07:00

Feierstunde für das Uffenheimer Tafel-Domizil

Neue Mitglieder: Carsten Träger (links) und Hans Herold (Dritter von links) ließen ihren Worten Taten folgen, unterschrieben eine Beitrittserklärung und überreichten sie Thomas Nicol (rechts). (Foto: Nicole Gunkel)
Neue Mitglieder: Carsten Träger (links) und Hans Herold (Dritter von links) ließen ihren Worten Taten folgen, unterschrieben eine Beitrittserklärung und überreichten sie Thomas Nicol (rechts). (Foto: Nicole Gunkel)
Neue Mitglieder: Carsten Träger (links) und Hans Herold (Dritter von links) ließen ihren Worten Taten folgen, unterschrieben eine Beitrittserklärung und überreichten sie Thomas Nicol (rechts). (Foto: Nicole Gunkel)

Die Aischgründer Tafel „Iss was“ hat eine neue Ausgabestelle in Uffenheim – und zwei neue Vereinsmitglieder. Zwei Eröffnungsgäste, der Bundestagsabgeordnete Carsten Träger (SPD) und der Landtagsabgeordnete Hans Herold (CSU), ließen ihren Worten Taten folgen und unterschrieben gleich die Beitrittserklärung.

Die Zeiten, in denen die Uffenheimer Tafelhelfer und Tafelhelferinnen jeden Samstag die Waren im Katholischen Pfarrzentrum auf- und abbauen mussten, sind Geschichte. Die neue Ausgabestelle wurde in der seit Jahren leerstehenden Metzgerei in der Ansbacher Straße 6 eröffnet. Die Adresse dürfte vielen bekannt vorkommen: Zufälligerweise ist es der gleiche Straßenname und dieselbe Hausnummer, in der sich bis vor Kurzem der frühere Tafelladen im Caritasgebäude in Neustadt befand.

Ein „Webfehler“ im Sozialsystem

36 Helferinnen und Helfer engagieren sich in der Ausgabestelle in Uffenheim und sorgen dafür, dass die rund 45 Kunden und deren Familien, die sich jeden Samstag für einen kleinen Obolus mit Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs versorgen, satt werden. Es sei ein „Webfehler, dass wir das Sozialsystem mit Ehrenamt abdecken müssen“, beklagte Vize-Landrat Reinhard Streng.

„Am schönsten wäre es, wenn wir keine Tafel brauchen würden. Aber wir brauchen sie“, betonte Carsten Träger. „Wir haben als Politiker und Kommunen die Verpflichtung, soziale Einrichtungen zu unterstützen“, ergänzte Hans Herold, bevor er gemeinsam mit SPD-Mann Träger zur Tat schritt und ein Mitgliedsformular ausfüllte. Die Uffenheimer Situation sei eine besondere, hob Thomas Nicol hervor, der Vorsitzende der Aischgründer Tafel. Denn in keinem anderen der vier Tafelläden im Landkreis engagierten sich so viele Stadträte als ehrenamtliche Tafelhelfer. Das regt bei Nicol die Hoffnung auf eine günstige Ausgangsposition für einen Antrag auf finanzielle Unterstützung an die Stadt Uffenheim.

Die braucht der Verein, denn vorher konnte man das Katholische Pfarrzentrum mietfrei nutzen. Auch die Kühlgeräte brauchen Strom. Der Verein muss die laufenden Ausgaben mit Spenden stemmen. Nach 21 Jahren sei der neue Laden aber eine Belohnung für die Helfer, deren Arbeit nun erleichtert werde. „Das haben sie sich mehr als verdient“, so Nicol.

Ein großer Umbau war nicht nötig

„Danke, dass Sie sich nicht an den Uffenheimer Mietspiegel halten“, nutzte die Leiterin der Uffenheimer Ausgabestelle, Brigitte Stuckert, das Eröffnungsfest für einen Dank an die Vermieter Petra und Peter Schellbach. Für die neue Ausgabestelle sei kein großer Umbau nötig gewesen, war von Nicol zu erfahren.

Neue Schaufenster wurden vom Vermieter eingebaut. Helfer leisteten bei der Renovierung Unterstützung. „Die Ladenmöbel haben wir selbst gebaut und zusammengeschraubt“, so Nicol, der sich freute, mit Harry Graeber einen besonderen Ehrengast zur Eröffnung begrüßen zu dürfen.

Graeber hatte zusammen mit Ehefrau Silvia und Sohn Sebastian sowie weiteren vier Mitstreitern vor 25 Jahren die Aischgründer Tafel „Iss was“ als erste Landkreis-Tafel mit vier Ausgabestellen gegründet – zuvor hatte es in Deutschland nur Tafeln in Städten gegeben. Mit zwei Lastenfahrrädern und einem geliehenen Tuk-Tuk habe man seinerzeit Waren eingesammelt. Graeber schilderte die Skepsis, die ihm anfänglich begegnete, weil angezweifelt wurde, dass es genügend Bedürftige gebe. Aber die rund 50 Personen, die 1998 zur Eröffnung des ersten Aischgründer Tafelladens nach Neustadt kamen, zeigten, dass Graeber Recht hatte. Im Landkreis nehmen mittlerweile 850 Menschen mit ihren Angehörigen die vier Ausgabestellen in Neustadt, Bad Windsheim, Scheinfeld und Uffenheim in Anspruch.

Brigitte Stuckert beklagte, dass der Landkreis dem Verein „Iss was“ finanziell nicht unter die Arme greife. Die CSU-Kreistagsfraktion hat jedoch kürzlich einen Antrag auf finanzielle Unterstützung gestellt. Stuckert bat um überparteiliche Unterstützung dieses Antrags.

Weiterhin keine Lösung für Bad Windsheim

Den Vorwurf der mangelnden Unterstützung durch den Landkreis wies Vize-Landrat Reinhard Streng als „nicht fair“ zurück. Für die Ausgabestelle in Bad Windsheim im Berufsschulgebäude werde keine Miete verlangt, erinnerte er. Der Raum in der Berufsschule stehe noch über ein Jahr zur Verfügung. „Wir werden uns einer Lösung nicht verschließen und wir werden sie finden“, so Streng.

„Hier ist etwas Besonderes entstanden“, freute sich Uffenheims Bürgermeister Wolfgang Lampe, der zusammen mit einigen Stadträten und seiner zweiten Stellvertreterin Ruth Halbritter gekommen war und seinen Dank an die Helfer schickte. Jeden Samstag müssen Menschen unterstützt werden, um satt zu werden – das sei traurig für ein Land wie Deutschland. „Das Gefühl von ,Ich schäme mich‘ müssen wir wegbekommen“, unterstrich Lampe. „Jeder hat das Recht, satt zu werden.“


Von Nicole Gunkel
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