„Wir haben nichts mehr zu verlieren“, meinen die fünf Pflegekräfte der Diakoneo Klinik Neuendettelsau, die aber immerhin „ihre Hilflosigkeit nach außen tragen wollen“, wie sie im Gespräch mit der FLZ sagten.
Sie fühlen sich im Stich gelassen – von der Politik, aber auch von der Unternehmensleitung von Diakoneo, gegen die sie gravierende Vorwürfe erheben. Außerdem wollen sie der Öffentlichkeit „einen Schubs geben“, denn „wenn wir weggehen, müssen sie woanders hingehen“.
Diakoneo hält sich auf Anfrage der FLZ sehr bedeckt zu den Vorwürfen aus dem eigenen Haus: Man habe seit Monaten darauf hingewiesen, dass die stationäre Versorgung in Neuendettelsau ohne Hilfe aus dem politischen Raum dauerhaft nicht aufrechtzuerhalten sei, schreibt Pressesprecher Markus Wagner. Und weiter: „Hilfsangebote haben wir bis heute leider noch keine erhalten.“ Diakoneo wäge nun intensiv ab, wie die Zukunft am Standort Neuendettelsau gestaltet werden kann. „Bei dieser Abwägung spielen die Perspektive und die Bedürfnisse unserer Mitarbeitenden eine ganz wesentliche Rolle“, unterstreicht der Sprecher.
Wie in anderen kleinen Hospitälern fürchtet man bei den Mitarbeitenden in Neuendettelsau, nach der Reform von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach in der Gruppe 1a ohne Notaufnahme zu landen und damit gar kein richtiges Krankenhaus mehr zu sein.
Rund die Hälfte der Mitarbeitenden der Klinik seien unter anderem wegen der schlechten Kommunikation von Diakoneo im Lauf der letzten beiden Jahre schon gegangen, berichten die Pflegekräfte, die aus Sorge vor Konsequenzen durch ihren Arbeitgeber ihre Namen nicht in der Zeitung lesen möchten. Die bisher erfolgten Veränderungen hätten bereits zu finanziellen Verlusten für die Pflegekräfte geführt. Viele der Jüngeren seien weg, geblieben seien die Älteren, für die es schwierig sei, anderswo neu anzufangen. Manche seien seit Jahrzehnten im Betrieb, denn „bis jetzt war es super“.
Dabei sind sie immer noch motiviert. „Wir halten anderen Kliniken den Rücken frei“, sind sie überzeugt. Anderswo müssten beispielsweise wegen der hohen Auslastung planbare Eingriffe oft verschoben werden.
Sie fordern eine Gleichbehandlung mit den kommunalen Kliniken, zumindest aber eine finanzielle Überbrückung bis die Krankenhausreform greift. „Die Politik sieht sich außerstande uns zu helfen“, kritisieren sie, dabei müsse es doch mindestens möglich sein, notfalls zwei Millionen Euro jährlich zu spenden – angesichts der viel größeren Defizite in den kommunalen Kliniken.
„Wir fühlen uns schlecht informiert“, sagen sie an die Adresse der Diakoneo-Unternehmensführung gerichtet. Dort werde viel über Transparenz geredet, die es aber tatsächlich gar nicht gebe. „Wir wollen, dass uns einer mal sagt, was Sache ist – aber das passiert nicht.“ Stattdessen gebe es eine „Hinhaltetaktik“. Auch die viel beschworene „Kommunikation auf Augenhöhe“ finde nicht statt.
Ein großer Teil des Defizits sei von der Diakoneo-Führungsebene verschuldet, weil das Personal nicht einbezogen worden sei. Statt eine Umfrage zu starten und Ideen an der Basis zu sammeln, seien Beraterfirmen beauftragt worden, die nicht umsetzbare Vorschläge machten.
Damit beziehen sie sich zum Beispiel auf die geplante Kooperation mit der Klinik Schwabach, die sich wegen tarifrechtlicher Probleme als unmöglich erwiesen habe. Habe man Vorschläge gemacht, sei man stets auf „externe Profis“ verwiesen worden, die es schon richten würden. Jetzt drohe der traditionsreichen Klinik das Aus.
Das eigene Haus in Neuendettelsau werde „heruntergewirtschaftet und platt gemacht“, weil man durch die vertraglichen Regelungen mit der Stadt in Schwabach gebunden sei. Aber auch dort sei von den Mitarbeitenden „keiner glücklich“. Das Haus in Schwabach sei veraltet, während die baulichen Gegebenheiten in Neuendettelsau sehr gut seien.
Dem Personal in Neuendettelsau werde zwar angeboten, nach Schwabach zu wechseln, aber dann sei ein Auto nötig mit den entsprechenden Kosten und man müsse einen neuen Vertrag mit anderen Konditionen unterschreiben.
Erst habe man der Klinik eine gestärkte Akutgeriatrie versprochen, nun werde das gar nicht mehr erwähnt.
Operateure wären da, so die Pflegekräfte, aber ohne die Erhaltung der Übernachtungsmöglichkeiten habe das keine Perspektive. Dann werde auch das Herzkatheterlabor, bisher eines der Aushängeschilder der Klinik Neuendettelsau, wegbrechen.
Diakoneo-Sprecher Wagner verweist darauf, dass eine endgültige Entscheidung noch nicht getroffen worden sei. „Antworten, die wir Ihnen heute geben würden, könnten deshalb innerhalb kürzester Zeit überholt sein. Bitte sehen Sie es uns nach, dass wir deshalb darauf verzichten“, teilt er mit. Sobald es der Entscheidungsprozess zulasse, „werden wir aktiv auf Sie zugehen“.