In neun Kommunen des Landkreises hat sich eine „WIR. FÜR. UNS“-Gesellschaft gegründet – ein Netzwerk, das zum Ziel hat, den Folgen des demografischen Wandels entgegenzuwirken. In Scheinfeld wurde es am Dienstagabend vorgestellt.
Zusammengeschlossen haben sich in dieser Gesellschaft neben den Kommunen Langenfeld, Markt Bibart, Oberscheinfeld, Markt Taschendorf, Sugenheim (aus der Verwaltungsgemeinschaft Scheinfeld) auch Burghaslach, Geiselwind und Schlüsselfeld (Drei-Franken-Eck) sowie fast alle im Landkreis vertretenen Wohlfahrtsverbände. Aktuell sind demnach als Partner der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), der AWO Kreisverband, der örtliche Caritasverband Scheinfeld, das Diakonische Werk sowie die Lebenshilfe mit dabei.
In der Auftaktveranstaltung, zu der etliche Bürger und Bürgerinnen in die Scheinfelder Wolfgang-Graf-Halle gekommen waren, erklärte Reinhard Streng, stellvertretender Landrat und einer der beiden Vorsitzenden, die Hintergründe der Netzwerkgründung. Der Generationenwechsel schreite demnach voran, die „Babyboomer“, wie man die geburtenstarke Jahrgänge nennt, gehen aktuell nach und nach in Rente und somit auch eine große Anzahl an Pflegekräften.
Um dieses Fachpersonal zu ersetzen, müssten eigentlich 20 Prozent aller Jugendlichen diesen Beruf ergreifen, so Streng – ein eher unwahrscheinliches Szenario. Deshalb müsse man die vorhandenen Strukturen verändern, erläuterte Streng: Mehr Dinge selbst in die Hand nehmen, anstatt das bisherige Anspruchsdenken beizubehalten und immer nur Forderungen zu stellen, wie es gerade populär sei.
Um das Leben im vertrauten Umfeld, so lange wie möglich gestalten zu können, sei es deshalb ratsam, sich im Heimatort Strukturen und ein funktionierendes Nachbarschaftsnetzwerk aufbauen. Streng lobte in diesem Zusammenhang explizit seinen Co-Vorsitzenden Helmut Friedel, der die Idee gehabt hatte, ein regionales Netzwerk für Gesundheit und Pflege aufzubauen.
Friedel selbst äußerte sich ebenfalls und konkretisierte seine Vorstellungen. Die zu verändernden Strukturen könnten beispielsweise Pflegelotsen oder auch die Wiedereinführung von Gemeindeschwestern beinhalten. Zudem werde ein Allianzmanagement benötigt, das sich als Organisationseinheit für Steuerung und Planung bei Themen wie haushaltsnahe Dienstleistungen, Verbesserung der Digitalität und vieles mehr kümmert. Aktuell ist diese Stelle bereits mit Susanne Kleider besetzt.
Auch die anwesenden Experten – Hans Herold (Vorsitzender der Lebenshilfe e.V.) Werner Wiederer (Kreisvorsitzender der AWO Neustadt), Ralph Engelbrecht (Kreisgeschäftsführer BRK) und der Leiter der Betriebssteuerung der Landkreis-Kliniken, Alexander Wülk – begrüßten das entstandene Netzwerk und sicherten ihre Unterstützung zu.
In der anschließenden Diskussionsrunde wurde teilweise sehr kritisch nachgefragt. Einer der Anwesenden wollte beispielsweise wissen, wie man denn das Problem der in Rente gehenden Pflegekräfte lösen wolle und mutmaßte gar eine „Panikmache”. Die von Berthold Krabbe, dritter Bürgermeister von Scheinfeld, gestellte Frage, ob er davon ausgehen könne, dass die Zielsetzung sei, möglichst viele ehrenamtliche Helfer zu suchen und einzusetzen, wurde unmittelbar beantwortet: „Es gibt so viele Tätigkeitsbereiche, da ist für jeden was dabei”, so Streng und letztlich müsse klar sein, dass jeder ein klein wenig zur Gesellschaft beitragen könne und müsse.
Scheinfelds CSU-Bürgermeisterkandidat Theodor Schell erkundigte sich, ob man sich eventuell an einem bereits bestehenden Modell orientieren könne und bezeichnete die Initiative als notwendig, auch wenn er hoffe, dass in seinem Heimatdorf weiterhin jeder dem anderen helfe und man somit noch eine Weile nicht auf das neue Netzwerk angewiesen sei.
Diese Hoffnung vermochte der amtierende Scheinfelder Bürgermeister Claus Seifert nicht zu teilen: Gerade in den Ortsteilen erlebe er es mittlerweile verstärkt, dass die Leute „oft nicht mehr vom Fleck kommen“.