Veröffentlicht am 27.07.2022 12:49

Millionen-Betrug: AOK Bayern fordert bundesweite Datenbank

Die AOK Bayern hat beim Aufdecken von Abrechnungsbetrug, Korruption und anderem Fehlverhalten im Gesundheitswesen binnen zwei Jahren einen Schaden von rund 30 Millionen Euro ermittelt. Dies sei auch auf die bundesweit einzigartigen Strukturen im Freistaat zurückzuführen, erläuterte die Vorstandsvorsitzende Irmgard Stippler am Mittwoch in München und forderte eine bundesweite Datenbank, die Betrugsfälle personenbezogen speichert.

Bislang könnten Betrüger einfach ein Bundesland weiterziehen, ohne dass die dortigen Kranken- und Pflegekassen von der kriminellen Vorgeschichte erführen, sagte Stippler. „Wir beobachten, dass Betrüger immer professioneller vorgehen“, ergänzte AOK-Experte Dominik Schirmer. Der Gesetzgeber solle deshalb die Möglichkeit schaffen, dass intelligente Softwareprogramme auch die Daten mehrerer Kassen gemeinsam auswerten dürften. „Mit komplexen Analysetools könnten Abrechnungsdaten gezielt überprüft und Betrugsmuster frühzeitig erkannt werden“, erläuterte Schirmer.

Besonders schwierig sei die Situation in der Pflege, wo Rechnungen, Dienstpläne etc. noch immer überwiegend auf Papier vorlägen und per Hand geprüft würden. „Wir brauchen daher dringend die Verpflichtung, auch in der Pflege digital abzurechnen“, forderte Schirmer. Zugleich betonte Stippler, dass es lediglich eine Minderheit sei, die mit ihrem Verhalten letztlich aber nicht nur dem Berufsstand, sondern allen Versicherten schade.

Allein die AOK Bayern hat den Angaben zufolge in den Jahren 2020 und 2021 knapp 4200 Verdachtsfälle von Fehlverhalten im Gesundheitswesen bearbeitet - und das, obwohl wegen Corona weniger Kontrollen etwa bei Pflegediensten stattfanden und daher rund ein Drittel weniger neue Verdachtsfälle gemeldet wurden. Der Gesamtschaden lag dennoch bei 27,9 Millionen Euro - mehr als doppelt so hoch wie in den vorangegangenen Jahren 2018 und 2019. Zugleich konnte Bayerns größte Krankenkasse 12,3 Millionen Euro erfolgreich zurückfordern. Seit Einrichtung der Fehlverhaltensstelle im Jahr 2004 waren es sogar rund 107 Millionen Euro.

© dpa-infocom, dpa:220727-99-173422/3

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