Druckfrisch liegt der neue Markt Erlbacher Heimatbrief vor: Er versammelt auf 111 Seiten eine Fülle interessanter Geschichten aus der Vergangenheit der Gemeinde – und einige Neuerungen.
Aktuelles in eigener Sache steht gleich auf Seite 2: Der Vorsitzende Reiner Leinsle kündigt an, im nächsten Jahr den Vorsitz abzugeben. Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin wird dringend gesucht.
Neu ist eine Rubrik: Was war vor 40, 50, 60, 70, 80, 90 oder gar 100 Jahren in Markt Erlbach los? Vor 50 Jahren beispielsweise war das jetzige Heimatmuseum und Schmuckstück der Gemeinde vom Abriss bedroht. Vor 100 Jahren fochten die Waldrechtler einen Streit mit der Marktgemeinde aus, denn auch Nichtrechtler wollten Holz zum Heizen und Brotbacken haben. Das Verhältnis zur Gemeinde wurde neu festgelegt. Autor Harald Boguth kommt zum Schluss, dass die Rechtler den Streit gewonnen hätten. Doch sie mussten die Hälfte der Gerichtskosten tragen, was sie dennoch fast in den Ruin trieb.
Daneben steht Bewährtes aus den vergangenen Jahren. Die Gemeindechronik von Rainer Fritsch ist so ein ständiger Bestandteil. Unschätzbar, befindet der Herausgeber des Heimatbriefs und Ehrenvorsitzende Gerhard Wagner, sei die Chronik nicht nur für aktuelle Leser, sondern vor allem als spätere kompakte Quelle für wesentliche Ereignisse und Zahlen der Gemeinde.
Bemerkenswert im vergangenen Jahr war der geballte Besuch aus Amerika von Nachfolgern Markt Erlbacher Auswanderer, das 150-jährige Bestehen des Militärvereins und die Funde der mittelalterlichen Bohlenstraße bei den Erschließungsarbeiten für den neuen Edeka-Markt.
Hochaktuell, kompliziert und vor allem sehr traurig sind die Vorarbeiten für die Gedenkstele für Markt Erlbacher Juden, die der Heimatverein errichten will. Wie Gerhard Wagner berichtete, seien die Daten über die ehemaligen jüdischen Mitbürger oft widersprüchlich.
Acht Namen sind nun darauf verewigt. Die meisten davon wurden im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet, aber auch in Auschwitz und Sobibor. Sie wurden nicht direkt aus Markt Erlbach deportiert, sondern zogen zumeist schon Mitte der 1930er Jahre in Richtung Fürth oder Nürnberg. Alle jüdischen Männer wurden gezwungen, als zweiten Vornamen Israel anzunehmen, alle Frauen mussten Sarah heißen. Zuletzt lebten sie häufig in „Deportationshäusern“. Nachdem sie ihren Besitz veräußert hatten, mussten sie sich dort einkaufen. Sie lebten auf engstem Raum und mussten zum Teil auf dem Fußboden schlafen.
Aus einer Facharbeit von Oliver Paulus sind ein paar Erinnerungen überliefert, die auf ein ganz gutes Miteinander der Markt Erlbacher mit den Mitbürgern jüdischen Glaubens hinweisen – andere Erinnerungen werden aber vielleicht auch nicht an die große Glocke gehängt. So habe das Bankhaus Ickelheimer – im Gebäude befindet sich heute ein Optiker – der Familie Schwarz, nachdem sie in kurzer Zeit mehrere Pferde verloren hatte, ohne Bürgschaft und Zinsen Geld geliehen, damit sie sich ein neues Pferd kaufen konnte.
Die Familie Hausmann, deren Pferdehandlung im Krieg schlecht ging, sei auch vom Vermieter und Bekannten unterstützt worden. Ein Sohn der Hausmanns, Werner, kam als US-Offizier wieder nach Markt Erlbach zurück. Bei der Begegnung seien sogar Tränen geflossen.
Der Mettelauracher Robert Zöllner ergänzt die bisherigen Erkenntnisse zur Heimatgeschichte in jeder Ausgabe des Heimatbriefs um weitere Kapitel und genießt auch unter Profis höchstes Ansehen. In diesem Jahr nimmt er sich der Geschichte des jüngeren der zwei Tore Markt Erlbachs an, des Unteren Tors (Bericht folgt). Außerdem machte er einen „Sensationsfund“. Denn für private Häuser gab es vor 1800 normalerweise keine Baupläne. Deshalb war er hocherfreut, dass er in einem Staatsarchiv zufällig auf einen stieß: von einem Bauernhaus in Hagenhofen, das heute noch steht.
Die Mitglieder bekommen den Heimatbrief zugestellt. Interessenten erhalten ihn beim Blumenladen von Yvonne Schaudi und im Einkaufszentrum Meier.