In Burgbernheim wächst die Streuobstwelt Bernatura | FLZ.de

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Veröffentlicht am 20.04.2024 11:00

In Burgbernheim wächst die Streuobstwelt Bernatura

Im Weberhaus in Burgbernheim müssen noch zahlreiche Arbeiten erledigt werden, um das Denkmal wieder komplett herzurichten. (Foto: Nina Daebel)
Im Weberhaus in Burgbernheim müssen noch zahlreiche Arbeiten erledigt werden, um das Denkmal wieder komplett herzurichten. (Foto: Nina Daebel)
Im Weberhaus in Burgbernheim müssen noch zahlreiche Arbeiten erledigt werden, um das Denkmal wieder komplett herzurichten. (Foto: Nina Daebel)

Helene Fischers „Atemlos“ schallt über die Baustelle. Die Zimmerer schlagen ihre Werkzeuge, allerdings nicht im Takt. Dazu bleibt keine Zeit. Sie müssen ranklotzen. Denn die Streuobstwelt Bernatura in Burgbernheim soll bis Ende des Jahres komplett fertiggestellt sein. Anfang 2025 soll sie feierlich eröffnet werden.

„Wir liegen gut im Zeitplan, aber es darf jetzt keine größere Störung mehr geben“, sagt Nadine Höhne während eines Rundgangs durch das neu entstehende Streuobstkompetenzzentrum. Höhne ist Leiterin des Bernatura und begleitet den Entstehungsprozess seit Anfang an. Damit alles fristgerecht fertig gestellt wird, herrscht aktuell Hochbetrieb auf der Baustelle. „Es sind sieben Gewerke gleichzeitig vor Ort. So voll war es noch nie.“

Die Sanierung ist aufwendig

Das Streuobstkompetenzzentrum Bernatura entsteht in einem Ensemble aus drei Gebäuden, die direkt neben dem Rathaus liegen: dem Weberhaus an der Oberen Rathausgasse, dem Schleckerhaus am Marktplatz und dem Neubau an der Unteren Rathausgasse. Das Schleckerhaus und das Weberhaus sind denkmalgeschützt. Entsprechend aufwendig war die Sanierung der Gebäude, die 1755 und 1765 errichtet worden waren. „Sie mussten komplett entkernt werden“, sagt Höhne, die Betriebswirtschaft sowie Regionalmanagement studiert hat und seit rund einem Jahr bei der Stadt Burgbernheim angestellt ist.

Obwohl noch riesige Löcher in den Wänden und Decken klaffen, sich Schutt türmt und vor den Fenstern Folien flattern, wandelt die 35-Jährige bereits in Gedanken durch die fertige Ausstellung. Die Pläne hat sie nicht nur beim Baustellen-Rundgang in Papierform parat, sondern auch im Kopf jederzeit abrufbar. „Ich sehe das alles vor mir und mir kommen auch schon die Gäste entgegen.“ Sie habe sich so intensiv und lange mit allem beschäftigt, dass sich daraus mittlerweile eine sehr lebendige Vorstellung entwickelt hätte.

Am Anfang des Projekts hatten rund 20 Workshops mit Interessierten gestanden, die ihre Ideen, ihr Wissen und ihre Erfahrungen zusammen getragen haben. So sei die Planungsphase länger gewesen als die Bauphase. „Dass sich so viele eingebracht und mitgedacht haben, ist unglaublich wertvoll. Das ist der große Stützpfeiler des Bernatura“, betont Höhne, die sich schon auf den Einzug freut. Ihr Büro wird sich im Weberhaus befinden.

Mit allen Sinnen die Vielfalt erleben

Das Weberhaus befand sich beim Start der Sanierung in einem besonders jämmerlichen Zustand. Mittlerweile ist es angehoben worden, um den Boden auszubaggern und eine neue Bodenplatte zu gießen. Auch mussten Holzbalken ausgetauscht werden. Miteinander verbunden werden Weberhaus und Schleckerhaus durch einen Verbindungsgang. Der Haupteingang indes liegt im Schleckerhaus. Hier soll man ankommen und auf die Streuobstvielfalt eingestimmt werden. „Das hier war vorher ein Ladenbereich und es wird nun auch wieder einer“, erklärt Höhne.

Geplant sind unter anderem eine Info-Theke sowie ein Bereich, der zum Verweilen und zum Verkosten einlädt. So kann der Gast zum Beispiel ein Stück Kuchen und einen Saft genießen. Auf den Produktregalen werden getrocknete Früchte sowie Schneidewerkzeuge und Dekoartikel aus Obstbaumgehölz zu entdecken sein. „Hier soll man mit allen Sinnen erleben, soll ausprobieren, verkosten und etwas mitnehmen“, sagt die 35-Jährige.

Dann steigt sie die Treppe im Schleckerhaus empor, wo Besucher ab 2025 einladend begrüßt werden. Denn bereits hier soll auf den Wänden viel Wissenswertes zum Thema Streuobst vermittelt werden. Zum Beispiel, dass es in Burgbernheim rund 120 Hektar Streuobstwiesen gibt. „Solche kurzen Fakten kann man sich gut merken und weitererzählen.“ Damit man sich in der Ausstellung, die sich auf rund 220 Quadratmetern entfaltet, zudem gut und selbstständig orientieren kann, ist unter anderem ein stimmiges Farbkonzept erarbeitet worden. Außerdem dient ein „umgelegter Obstbaum“ als Leitsystem.

Etwas Besonderes wird man auch auf der Dachterrasse erleben. Dort lautet das Motto: „Mein Garten der Zukunft“. Gezeigt werde Höhne zufolge, wie sich ein Garten angesichts des Klimawandels zukunftsfest gestalten lässt. Dazu sollen Ideen und Anregungen vermittelt werden, die jeder auch im Kleinen umsetzen kann. „Man wird in der Ausstellung ganz viel erleben, man wird sich immer wieder als Teil von ihr fühlen und viele Eindrücke sammeln.“

Die junge Generation ist wichtige Zielgruppe

Im Weberhaus wird die Tourist-Info untergebracht. Außerdem sind Büros geplant, ein Raum für Vereine sowie drei Bibliotheksräume. Und es wird einen Raum geben, der Kindern und Jugendlichen vorbehalten ist. „Das ist eine wichtige Zielgruppe. Die haben wir bei allem mitgedacht.“

Als „Schmuckkästchen“ bezeichnet Höhne den Bernatura-Neubau während des Baustellen-Rundgangs. „Es wird Altes und Neues miteinander verbunden, wodurch ein interessanter Spannungsbogen entsteht“, betont die 35-Jährige. Der Neubau indes beherbergt später einen funktionellen Bereich mit Toiletten, Schließfächern und ein einladendes sowie großzügiges Foyer.

Der Veranstaltungsraum im Obergeschoss bietet bestuhlt Platz für rund 70 Gäste. Es wird eine Bühne mit flexibel einstellbaren Elementen geben und im hinteren Bereich zusätzlich eine abtrennbare Küche sowie ein Lager mit Kühlzellen. „Hier sind unterschiedliche Nutzungsszenarien möglich, zum Beispiel Vorträge und Kochkurse“, erklärt Höhne. Ins Erdgeschoss des Neubaus werden die Mosterei und ein Werkraum einziehen.

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