Jeder Neujahrsempfang im Landkreis hat seinen eigenen Charakter: Derjenige in Bad Windsheim fand nun erst im Februar statt, doch nutzt er das KKC. Mit mehr als 600 geladenen Gästen, auch weit über die Kurstadt hinaus, ist er der größte und vielleicht auch derjenige, der am meisten nicht nur lokalen, sondern auch regionalen Charakter beansprucht.
Auch in seiner Begrüßungsrede unterstrich Bürgermeister Jürgen Heckel das: Er nutzte die Anwesenheit von Politikern aus dem Bund und dem Bezirk, um nicht nur für Bad Windsheimer Belange zu werben. Auch die Barrierefreiheit des Neustädter Bahnhofs, die Notarztversorgung auf dem Land oder die Situation der Kliniken im Landkreis sprach er an.
Beim Einfordern des Hochschulstandorts war ihm dann aber die Jacke doch näher als die Hose und er forderte – auch im Namen des Stadtrats – dass Bad Windsheim Hochschulstandort wird. Bekanntlich strebt auch Neustadt einen Hochschulstandort an, wenn auch auf anderem Fachgebiet.
Auch das Zukunftsprojekt in Bad Windsheim, die Landesgartenschau, sei von der Stadt alleine nicht zu stemmen: „Das geht nur mit unserer Bürgerschaft und der gesamten Region.“
Heckel nutzte seine Rede sowohl dazu, Bad Windsheims Stärken hervorzuheben, als auch die Hilfe für einige Projekte zu erbitten: Zum Beispiel für die Sanierung des Klosterchors und der historischen Stadtbibliothek, wobei er gleichzeitig für die „Anfinanzierung“ dankte als auch um den weiteren Einsatz für dieses Projekt bat.
Auch der Bau eines Parkhauses im KKC-Umfeld, unter anderem für die Besucher der Landesgartenschau – Heckel nannte eine Größenordnung von sechs bis sieben Millionen Euro – erfordere Unterstützung von der höheren Politik.
Er verwies auf die vielen Leuchtturmprojekte im Landkreis – zum Beispiel das Streuobstzentrum – kritisierte aber auch, dass die Politik zu oft hinter dem Anspruch, gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land zu schaffen, zurückbleibe. So würden mehrere Milliarden in die neue S-Bahnstrecke in München gesteckt, die im Vergleich damit „lächerlichen Millionenbeträge“ für den Ausbau der Bahnstrecke zwischen Neustadt und Bad Windsheim mitsamt der Schaffung barrierefreier Bahnhöfe lasse dagegen auf sich warten. Gleiches gelte für die kommunalen Krankenhäuser, in denen die Lobeshymnen der Corona-Zeit schon wieder in Vergessenheit zu geraten scheinen, wie Heckel meinte.
Für Bad Windsheim kündigte er an, dass dort – nach dem Vorbild vieler anderer Gemeinden – in diesem Jahr eine Nachbarschaftshilfe und ein Bürgerbussystem geschaffen werden sollten.
Auf weitere Reden wurde beim Bad Windsheimer Neujahrsempfang ansonsten weitgehend verzichtet. Pfarrer Helmut Spaeth spendete seinen Segen. Außerdem wurde Annemarie Bruckert, einer jungen Bad Windsheimerin, das Podium überlassen, um für ein zukunftsbewusstes Bad Windsheim zu werben: Der Schlüsselbegriff sei „Wertschätzung“, gegenüber den Bad Windsheimer Geschäften und Lokalen, gegenüber dem, was unsere Vorfahren geschaffen haben, und gegenüber den Dingen, für deren Produktion Ressourcen verbraucht werden.
Für das kulturelle Programm waren zwei Gruppen aktiv, die für verschiedene Seiten dieser zukunftsbewussten Stadt stehen: Einmal die Wagnertanzgilde, deren Spielmanns- und Fanfarenzug den musikalischen Auftakt gestaltete und die mit ihren Stadtsoldaten die Gäste noch vor den Bad Windsheimer Bürgermeistern in Empfang nahm. Mit Kinderliedern und Popsongs, die der Schulchor der Lebenshilfe im Landkreis vortrug, wurde außerdem eine positive Botschaft von Menschlichkeit, Aufmunterung und Fröhlichkeit vermittelt, die schließlich beim „Feuerwerk“ das ganze Publikum mit erfasste. Die jungen Bühnenstars strahlten über die stehenden Ovationen.
Die Gäste aus Vereinen, Ämtern, Schulen, Kindergärten, von der Verwaltung, Kirche, Rettungsdiensten, Handel und Industrie hatten danach die Gelegenheit zum Austausch.