Ein Heckenlabyrinth mit Aussichtsplattform gibt es schon im Gründlein in Burgbernheim, dazu Weiher, einen Streuobsterlebnispfad, Kunstwerke zum Entdecken und diverse Obstbäume. Jetzt soll etwas Neues hinzukommen: eine Sitz-Skulptur und ein Pilgerweg. Interessierte dürfen beides gerne mitgestalten.
Wer unterhalb des Bahnhofs Wildbad in Burgbernheim auf der Anhöhe steht und den Blick schweifen lässt, sieht viel Grün, dazu Birnen-, Äpfel- und Zwetschgenbäume. Heidi Wolfsgruber zeigt in die Ferne und marschiert dann zielstrebig den Hang hinunter.
Hier soll die Sitz-Skulptur entstehen. Sie soll sich um die Bäume und über die Wiese schlängeln, aus einzelnen Sitzbrettern bestehen und zum Verweilen einladen. Der Pilgerweg indes soll in unterschiedlichen Varianten begehbar sein und über QR-Codes digital zugänglich gemacht werden.
Wolfsgruber ist Pfarrerin und Erwachsenenbildnerin beim evangelischen Bildungswerk „Bildung evangelisch zwischen Tauber und Aisch“ und hat sich für die Teilnahme am MUT-Projekt der Bayerischen Landeskirche stark gemacht.
Sie hat die Stadt Burgbernheim als Kooperationspartner mit ins Boot geholt und sich bei der Landeskirche um Fördermittel beworben – mit der Idee, einen Pilgerweg durchs Gründlein zu entwerfen und auf dem Areal eine Sitz-Skulptur zu errichten. Beides soll unter dem Motto „Himmelsbahnen“ stehen. Die Bewerbung war erfolgreich, rund 10.000 Euro wurden als Fördermittel bewilligt.
Das Ziel der MUT-Projekte ist es, Menschen einen neuen Zugang zum christlichen Glauben zu ermöglichen. Außerdem sollen sie innovative Ausdrucksformen von Kirche sein. Dabei spielt gelebte Spiritualität eine zentrale Rolle. MUT setzt sich zusammen aus den Anfangsbuchstaben der drei Begriffe „missional“, „unkonventionell“ und „Tandem“.
„Wir wollen zeigen, dass Kirche sich öffnet und nicht nur ihr eigenes Ding macht“, sagt Wolfsgruber und betont, wie wichtig bei der Umsetzung des Projekts auch die Idee des kooperativen Miteinanders ist. Dabei wolle die Kirche zeigen, dass sie ein verlässlicher Partner sei. „Diese Karte wollen wir spielen.“
Das Gründlein in Burgbernheim ist für die Umsetzung des Projekts vor allem deswegen ausgewählt worden, „weil schon was da ist“, wie Wolfsgruber erklärt. „Wir werden das Vorhandene auf neue Weise miteinander verbinden.“ So müssten für den Pilgerweg zum Beispiel keine neuen Wegweiser gesetzt werden.
Die Sitz-Skulptur indes soll „ein Hingucker“ werden und besonders größere Gruppen zum Verweilen einladen. Denn bislang gibt es im Gründlein nur vereinzelt Bänke. „Es könnten Andachten gefeiert und Vorträge gehalten werden. Außerdem könnte es eine Anlaufstelle für das neue Streuobstkompetenzzentrum in Burgbernheim werden“, sinniert Wolfsgruber, die sich bei der konkreten Gestaltung der Sitzgelegenheit noch nicht endgültig festgelegt hat.
Klar ist bislang, dass die Sitzgruppe sich aus einzelnen Holzbrettern zusammensetzen wird. „Das wirkt dann in der Gesamtschau wie die Schienen, die am nahe gelegenen Bahnhof Wildbad vorbei führen.“ Jedes Brett soll individuell gestaltet werden. Wie genau, ob bunt bemalt oder als Brandmalerei, ist noch offen. Beides hätte Vor- und Nachteile, so Wolfsgruber.
Sie konnte für die Aktion bereits die Mädchen und Jungen des unweit des Gründlein gelegenen Kindergartens „Arche Noah“ gewinnen. Freuen würde sie sich, wenn auch einzelne Bürger oder Vereine auf sie zukommen und ihr Mitwirken anbieten würden.
Darauf hofft auch Maria Rummel. Die Pilger- und Trauerbegleiterin konzipiert den zweiten Projektteil, den Pilgerweg. Einen ersten Termin mit interessierten Mitmachern und Ideengebern hat es bereits gegeben. Ziel war es, dabei in die Rolle eines Pilgers zu schlüpfen und sich hineinzufühlen, ein Gespür dafür zu bekommen.
„Pilgern kann man nicht erklären, das muss man erleben“, betont Rummel, die den Jakobsweg bereits mehrfach gegangen ist. Für sie war das jedes Mal eine einschneidende und einzigartige Erfahrung. „Ich war wie weg und als ich wieder zu Hause war, musste ich mich erstmal neu sortieren.“
Thematisch soll sich der neu entstehende Pilgerweg zunächst mit den Schwerpunkten „Trauern“ und „Lebensübergänge“ beschäftigen. Angedacht ist, das Angebot im Laufe der Jahre kontinuierlich weiterzuentwickeln und inhaltlich neue Akzente zu setzen. Langfristig soll er auch für Familien mit Kindern attraktiv und begehbar werden.
Geplant ist, den Pilgerweg in zwei Varianten anzubieten: in einer kurzen und einer langen. In der Gesamtschau soll sich der Weg später so durch die Landschaft schlängeln, dass er bei der kartographischen Draufsicht die umgekippte Zahl Acht ergibt: das Zeichen der Unendlichkeit. Dabei soll er möglichst auch an der Sitz-Skulptur vorbeiführen. Geplant ist, beide Projekte möglichst bis zum Frühjahr 2024 umzusetzen.
„Wir legen einen spirituellen Weg durchs Gründlein und laden zum Verweilen ein“, sagt Pfarrerin Wolfsgruber, die Menschen dadurch ermutigen will, ihren eigenen Glaubensweg zu gehen. So ist der Projekt-Titel „Himmelsbahnen“ bewusst gewählt worden. „Die Himmelsleiter ist ein starkes Bild in der Bibel. Sie ist die Verbindung zwischen Himmel und Erde.“ Wichtig ist ihr aber, dass Kirche nichts von außen überstülpt. „Das wollen die Menschen nicht mehr.“ Das oberste Ziel sei vielmehr, zu unterstützen und Impulse für den eigenen Weg zu bieten.
Wer daran interessiert ist, sich mit Ideen an der Ausarbeitung des Pilgerweges zu beteiligen, kann am nächsten Treffen teilnehmen. Das wird am Freitag, 27. Oktober, von 9 bis voraussichtlich 13 Uhr stattfinden. Start- und Endpunkt ist der Bahnhof in Steinach. Während eine Teilstrecke des Pilgerwegs gegangen wird, soll immer wieder innegehalten werden, um über Ideen und Eindrücke zur Gestaltung zu diskutieren.
In die Mailing-Liste von Heidi Wolfsgruber kann sich indes aufnehmen lassen, wer bei der Planung der Sitz-Skulptur mitwirken möchte: heidi.wolfsgruber@elkb.de. Gerne informiert sie auch telefonisch unter der Nummer 0 93 39/9 89 99 97.