Eine Stimme für die Jugend: Weidelbacher thematisiert den Generationenkonflikt | FLZ.de

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Veröffentlicht am 24.03.2026 16:00

Eine Stimme für die Jugend: Weidelbacher thematisiert den Generationenkonflikt

Simon Marian Hoffmann behandelt in seinem Buch „Aufstand der Jugend” und dem gleichnamigen Film den Generationenkonflikt.  (Foto: Marco Lebold)
Simon Marian Hoffmann behandelt in seinem Buch „Aufstand der Jugend” und dem gleichnamigen Film den Generationenkonflikt. (Foto: Marco Lebold)
Simon Marian Hoffmann behandelt in seinem Buch „Aufstand der Jugend” und dem gleichnamigen Film den Generationenkonflikt. (Foto: Marco Lebold)

Eine Welt, in der sich alte weiße Männer um Macht kloppen, junge Menschen „mundtot” gemacht werden und es „Massenschülerhaltung” gibt, die prangert Simon Marian Hoffmann an. Im Buch „Aufstand der Jugend” und dem gleichnamigen Film thematisiert er den Generationenkonflikt. Ab Ende März geht der Weidelbacher mit seinen Werken auf Tour.

Junge Leute, deren Münder mit schwarzem Klebeband zugeklebt sind, die schweigen in den Werken des Filmemachers an verschiedenen Stellen. „Sie stehen symbolisch für die unterdrückte Stimme der jungen Menschen in der Demokratie. Sie stehen sprachlos daneben, während die ältere Generation bestimmt, was zu tun ist”, erklärt Simon Marian Hoffmann. Seit drei Jahren lebt der Filmemacher und Künstler in Weidelbach, einem Gemeindeteil von Dinkelsbühl im Landkreis Ansbach. Gemeinsam mit anderen renoviert er dort gerade das ehemalige Gasthaus Schwarzer Adler, um einen Ort für „selbstbestimmtes Leben” zu schaffen.

„Wer Freiraum hat, schafft alles”

Simon Marian Hoffmann ist gerade 29 geworden, „am Ende seiner Jugendzeit”, wie er es selbst nennt. Aufgewachsen im baden-württembergischen Filderstadt bei Stuttgart, ist er im letzten Jahrzehnt, also nach seiner Zeitrechnung in seiner Jugendzeit, umhergereist. Er war viel unterwegs in Berlin und der Welt. „Wenn du in diesem Alter den Freiraum hast, jugendlich zu sein, dann schaffst du in deinem Leben alles”, ist Hoffmann, der sich auch als Philosoph bezeichnet, überzeugt.

Zumindest persönlich hat er in dieser Zeit schon einiges hinbekommen: unter anderem Germanistik und BWL an der Uni Stuttgart studiert, die Uniartcity – eine Bildungseinrichtung für junge Erwachsene – gegründet, einige Filme, die teilweise ausgezeichnet wurden, gedreht, als Musiker Alben veröffentlicht und ein paar Bücher geschrieben.

35 Spielstätten in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Seine aktuellsten Werke sind das Buch und der Film „Aufstand der Jugend”. Sie sind eine Zusammenfassung von Hoffmanns „Jugendarbeit” in den vergangenen acht Jahren. Mit dem Film, der an 35 Spielstätten in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorgestellt wird, geht er ab 31. März von Crailsheim in Baden-Württemberg aus auf Kinotour. Ab 16. Mai erscheint der Film dann offiziell im Kino. Das Buch dazu kommt am 30. März im Westend Verlag heraus.

Im Film sieht man junge Männer und Frauen tanzen, auf Protestmärschen durch Berlin laufen, im Bundestag rufen und bei den gemeinschaftlichen Seminartagen gemeinsam – oder auch alleine – weinen. Als „Filmwerk” bezeichnet Hoffmann das Ganze: eine Kombination aus Dokumentation, Reportage und Kunstfilm.

Junge Menschen wollen ihre Themen mitentscheiden

Jugendliche haben es „nicht einfach, einen Plan für die Welt zu entwickeln”, sagt eine Darstellerin. „Wir müssen uns auf die Beine stellen und uns Gehör verschaffen, damit Gutes entsteht”, sagt Filmemacher Hoffmann. Die Themen Bildung, Rente, Wehrpflicht oder Klima- und Umweltschutz würden alle von der älteren Generation abgehandelt – und zwar ohne die jüngere einzubeziehen. „Es gibt viele Themen, wo junge Menschen übergangen werden, obwohl es sie betrifft”, ärgert sich der Künstler.

Sein Buch, so schreibt er selbst, ist ein „Aufbrüllen” gegen diese Situation. Es adressiert alle, „die das Morgen nicht verwalten, sondern neugestalten wollen”. Dass es ein Buch und einen Film zum Thema Generationenkonflikt gibt, ist kein Zufall. Beides ist Teil seines „Bildungsbriefes”.

Studierende gestalten ihren Abschluss

Der Bildungsbrief schließt die Ausbildung an der Uniartcity, der Hochschule, die Simon Marian Hoffmann gegründet hat, ab. An den drei Standorten in Kreßberg (Baden-Württemberg), Weidelbach (Landkreis Ansbach) und Schönsee (Oberpfalz) organisieren Studierende ihr Studium selbst. Der Bildungsbrief ist inspiriert vom Gesellenbrief im Handwerk. „Im Bildungsbrief kannst du präsentieren, was du kannst”, erklärt der 29-Jährige.

Die Lernziele legen die Absolvierenden selbst fest, genau wie die Inhalte des Bildungsbriefes. Um die 100 Bildungsbriefe sind an der Uniartcity bereits entstanden. Umgesetzt wird das Ganze gemeinsam mit Mentorinnen und Mentoren, die sich die Studierenden an die Seite holen. Von einer Fremdprüfung durch Externe hält der Künstler nichts. „Die bewerten nicht, was mir wichtig ist. Ich selbst weiß, was ich am besten kann.” Sein Können wird er nun in seinen beiden Werken der Öffentlichkeit präsentieren.

„Wir haben uns kulturell auseinandergelebt: die Jungen gehen in den Kindergarten und in die Schule, die Älteren in die Arbeit und ins Altersheim.” Auf seiner Filmtour hofft er, dass sowohl Vertretende der jungen als auch der älteren Generation da sein werden. „Ich möchte Orte schaffen, wo sie sich austauschen können.”

Informationen zur Filmtour und zum Buch: www.weltvision.org/aufstand-der-jugend

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