Weil sich an der Frankenhöhe die Landwirtschaft nicht lohnt, blüht die kleine Stadt an der Grenze zweier Landkreise auf. Von den rund 30.000 Bäumen ist die Hälfte in der Hand der Kommune.
„In Burgbernheim gibt es auf 120 Hektar rund 30.000 Obstbäume. Das ist keine leichte Aufgabe“, sagt Stadtgärtner Ernst Grefig. Die eine Hälfte sei in privatem Besitz, die andere unter der Obhut der Stadt im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, die an den Landkreis Ansbach grenzt.
Ernst Grefig erinnert daran, dass es von 1952 bis 1975 eine Rodungsprämie gab. „Wer seinen Obstbaum abschnitt, bekam Geld, um mehr landwirtschaftliche Flächen zu haben. Dadurch wurden in Bayern rund 75 Prozent der Streuobstwiesen zerstört.“
In Burgbernheim war die Lage am Abriss der Frankenhöhe hinunter in die Windsheimer Bucht die Rettung der Bäume. „Es war ein Glück, dass man an den Hängen keine Landwirtschaft hätte betreiben können“, so der Garten- und Landschaftsbautechniker. „Das hat keiner gemacht. Darauf wollen wir heute aufbauen.“
Ein wichtiger Schritt ist für Ernst Grefig das Streuobst-Kompetenzentrum, das bis zum nächsten Jahr am Rathaus entsteht. Damit wird Denkmalschutz mit der Belebung der Innenstadt und dem Naturschutz verbunden. Dies bedeutet hohe staatliche Zuschüsse für das acht bis neun Millionen Euro teure Projekt.
In dem Zentrum sollen mit modernen Medien viele Informationen rund um das Thema vermittelt werden. Heimische und internationale Obstprodukte werden angeboten, eine Küche ermöglicht Kochkurse mit Gruppen, Seminare zur Obstverarbeitung und Schauvorführungen. Dazu kommen ein Veranstaltungsraum für bis zu 100 Personen, eine Mosterei, eine Touristeninfo und eine Umweltstation.
Kurze Wege führen aus dem Stadt mit rund 3500 Einwohnern in die reiche Natur an der Frankenhöhe. Der schnelle Wechsel aus den Räumen des Zentrums ins Freie bietet für Stadtgärtner Ernst Grefig enorme Chancen. Die Theorie in Seminaren kann sofort in der Praxis vertieft werden.
Er verweist auch auf einen Lehrpfad, der mit leicht verständlichen Hinweistafeln die vielen Aspekte rund um das Streuobst auffächert. Seine Länge können Besucher durch verschiedene Routen variieren. An dem Lehrpfad liegen unter anderem ein großes Heckenlabyrinth für Kinder, ein Wohnmobilstellplatz, das Freibad und mehrere Kunstobjekte.
Burgbernheim spielt mit seiner Tradition auch in der Metropolregion Nürnberg eine wichtige Rolle beim Versuch, mit der neuen Dachmarke „Streuobstwiesenliebe“ den Absatz der Produkte aus den Bäumen anzukurbeln. „Das ist eine wichtige Geschichte“, sagt Bürgermeister Matthias Schwarz. „Es geht darum, das Obst, das auf dem Land wächst, in die Stadt zu bekommen und zu einem guten Preis als Saft, Secco oder Schorle zu verkaufen.“
Mit der gemeinsamen Dachmarke für regionale Initiativen wie „EinHeimischer” und „hesselberger” soll der Zugang zu Kunden im Großraum Nürnberg leichter werden. Um den Wert der Bäume zu vermitteln, zeigen zudem einige Veranstaltungen interessierten Bürgern die reiche Kultur. „Wer auf engem Raum viele blühende Bäume sehen will, muss nicht zu den Mandelbäumen nach Mallorca oder zu den Kirschen nach Japan reisen“, sagt Schwarz mit einem Lächeln. „Man findet sie bei uns.“
Was in Burgbernheim schon lange ein großes Thema ist, beschäftigt inzwischen auch viele Menschen im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Florian Kleinschroth ist seit Herbst im Landratsamt als Streuobstberater tätig. „Es gibt einen großen Zuspruch“, ist seine erste Bilanz. „Viele sind neu auf das Streuobst aufmerksam geworden.“
Dies liege an der breiten öffentlichen Diskussion, aber auch an konkreten Förderprogrammen. Staatliche Zuschüsse gebe es sowohl für das Pflanzen neuer Bäume als auch für die Pflege des Bestands. Dies gelte für Material und Arbeitslöhne, so Kleinschroth. „Das können bis zu 90 Prozent der Kosten sein.“
Für das fachkundige Schneiden vermittelt er qualifizierte Baumwarte oder Fachfirmen. „Es ist eine hohe Nachfrage. Wir haben im vergangenen Jahr 800 Bäume gepflegt.“ Wenn genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen, könnte sich in diesem Jahr die Zahl der gepflegten Bäume im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim verdoppeln.